Herr Entrup, auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen gibt es mittlerweile eine schier unendliche Fülle an Fotos und Videos zum Thema Contouring. Können Sie kurz erklären, worum es sich beim Contouring eigentlich handelt?

Beim Contouring handelt es sich um eine Optimierung der Gesichtsform mithilfe von Make-up. Man macht sich dabei das Spiel von Licht und Schatten zum Vorteil – dunklere Partien treten also optisch zurück und hellere Partien hervor.

Um zum Beispiel eine hohe Stirn optisch zu verkürzen, setzt man am Haaransatz entlang einen dunkleren Ton. Eine Schattierung unterhalb der Wangenknochen lässt das Gesicht schmaler wirken.

Makellose Haut ist schon lange ein Trend, der auch nicht so schnell verschwinden wird

Zusätzlich unterstützen dabei Darklights entlang des Kieferknochens. Auch eine breite Nase kann man durch Schattierungen auf den Nasenflügeln optisch schmälern.

Ein c-förmig aufgetragener dunkler Akzent um die Augenpartie über die Schläfen wirkt ebenfalls schmälernd – zum Beispiel bei einem herzförmigen Gesicht.

Viele Frauen versuchen, ihrem Gesicht mithilfe des Contourings eine künstliche Makellosigkeit zu verleihen. Dies hat schon fast eine karnevaleske Anmutung beziehungsweise Grundzüge der Maskierung. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Makellose Haut ist schon lange ein Trend, der auch nicht so schnell verschwinden wird. Ziel sollte aber immer ein natürliches Ergebnis sein. Man möchte ja keine Maske auflegen, sondern die natürliche Schönheit optimieren und unterstreichen.

Dafür ist es wichtig, mit so wenig Produkt wie möglich den besten Effekt zu schaffen.  

Glauben Sie, das Contouring ist ein Widerspruch zu Natürlichkeit?

Ich sehe da keinen Widerspruch. Denn das Ziel von Contouring ist die Optimierung der Gesichtsform, ohne dass es unnatürlich wirkt.

Hat das Contouring die Welt der Make-up Artists revolutioniert?

Nein, für Make-up Artists ist Contouring nichts Neues. Sie arbeiten schon seit Jahren mit dieser Technik. Mit den vielen Produkten, die es seit der aktuellen Trend-Entdeckung speziell für die Endverbraucherin gibt, ist Contouring für jede Frau leicht umsetzbar. Viele unterschiedliche Online-Tutorials zeigen, wie es geht.

Eignet sich Contouring für jeden oder sollte man bestimmte (technische) Fertigkeiten mitbringen?

Contouring ist für jede Frau. Es gibt ganz einfache Grundregeln zu beachten. Erstens: Ich setze eine dunklere Nuance auf Stellen, die optisch zurücktreten sollen, und eine hellere Nuance auf Partien, die hervorgehoben werden sollen.

Zweitens: Die Übergänge zwischen den beiden Nuancen müssen gut verblendet werden, damit man keine Ränder sieht und das Ergebnis natürlich aussieht.

Welche Utensilien braucht man für das Contouring-Make-up und wie wichtig ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Konturieren oder auch «shapen» kann man entweder mit Foundation oder auch Concealer, mit Rouge oder einem Terra-Sun-Puder. Wichtig ist, dass man mit zwei verschiedenen Nuancen arbeitet – einer helleren und einer dunkleren.

Bei den Produkten ist der Preis nicht entscheidend, sondern dass man mit dem Produkt gut zurechtkommt und es zur Hautbeschaffenheit und zum Teint passt. Bei Pinseln hingegen unterscheidet sich ein hochpreisiger Pinsel schon von günstigeren.

Da geht es um die Beschaffenheit, Menge, Dichte und Form der Pinselhaare, die das Auftragen und auch das Ergebnis stark beeinflussen. Daher habe ich bei meinen Pinseln Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gelegt. Profi-Pinsel zu bezahlbaren Preisen.

Wer seinem Gesicht durch Contouring eine Dreidimensionalität verleihen möchte, braucht fast schon ein skulpturales Verständnis des eigenen Gesichts. Wie unterscheidet sich die Anwendung für verschiedene Gesichtsformen?

 

  • Oval
  • Rund
  • Herz
  • Lang
  • Eckig

Oval

«Diese Gesichtsform entspricht dem Ideal, weil sie sehr harmonisch/symmetrisch ist. Schattieren Sie oberhalb der Schläfe und am Haaransatz einen dunkleren Ton.

Das perfektioniert das Oval und bringt zusätzlich einen frischen Teint ins Gesicht.»

Rund

«Das runde Gesicht wirkt oft etwas flächig und zu kurz, darum sollten Sie unterhalb der Wangenknochen mit Darklights arbeiten.

Den dunkleren Ton auch am Haaransatz auftragen und gut ausblenden.

Zuletzt am Unterkiefer eine Schattierung setzen, sie rückt das Kinn ein wenig mehr in den Vordergrund und sorgt für mehr Kontur.» 

Herz

«Das herzförmige Gesicht hat eine etwas weitere Augenpartie und ein schmales Kinn. 

Schattieren Sie bei dieser Gesichtsform c-förmig um die Augenpartie.

Beginnen Sie am Haaransatz, gehen dann seitlich entlang der Schläfen bis zu den Wangenknochen herunter», sagt Boris Entrup.

«So wirkt das Gesicht schmaler.»

Lang

«Ein längliches Gesicht mit einer hohen Wangenpartie wirkt oft sehr schmal, beim Schminken geht es darum, das Gesicht optisch zu verkürzen», sagt Boris Entrup.

«Auch wirken die Gesichtszüge schnell müde. Häufig stehen die Augen eher eng zusammen und die Wangenknochen erscheinen niedrig und flach. Ich arbeite dann gerne mit runden Darklights.

Und zwar auf den Wangen, mittig auf der Stirn am Haaransatz und unterhalb des Kinns. Zusätzlich etwas Rouge entlang der Wangenknochen und auf die Wangen auftragen, das gibt den Frische-Kick.»

Eckig

«Bei einem eckigen Gesicht ist die Wangenpartie sehr ausgeprägt und das Kinn ist sehr markant. Mit dem dunkleren Ton der Foundation seitlich am Wangenknochen schattieren und weit nach oben und unten auslaufen lassen. Das nimmt dem Gesicht die Kanten und macht die Gesichtszüge weicher und femininer», sagt der Profi.

«Um die Gesichtsbreite generell aufzulösen, wird über den Wangenknochen ein hellerer Ton verwendet, anschliessend wird erst der dunklere Ton aufgetragen.

So erzielt man einen weicheren Übergang der Hauttöne. Ein dezentes Rouge, das unterhalb des Wangenknochens aufgetragen wird, macht das eckige Gesicht weicher und gefälliger.»