Angelina Kirsch, wie haben Sie es zu Deutschlands erfolgreichstem Curvy Model geschafft?

Wichtig, um als Curvy Model erfolgreich zu sein, sind natürlich Professionalität, Disziplin und die richtigen Masse. Aber ich denke, der Schlüssel zum Erfolg ist Spass! Ich liebe meinen Job und tue alles aus vollem Herzen.


Ich bin dankbar und freue mich auf jeden Job. Und genau das merken und lieben meine Kunden an mir.
 

 Gab es auch Zeiten, in denen Sie mit Ihrem Körper gehadert haben und lieber dünn gewesen wären?

Natürlich war ich als Teenie anfangs unsicher. Da ist man eh in einer Phase seines Lebens, in der man alles hinterfragt, und dann verändert sich auch noch der Körper. Das war nicht leicht, weil ich zwar nie eines der kurvigsten Mädels in meiner Klasse war, aber eines der ersten, bei dem sich Kurven entwickelt haben.

Was brachte Sie dazu, kurvig zu bleiben und daraus Ihr Markenzeichen zu machen?

Ich habe das grosse Glück, eine wunderbare Mama zu haben. Meine Eltern sind immer sehr aufmerksam mit uns gewesen und als sie erkannten, dass unser Körper ein Thema ist, hat sich meine Mutter mit mir und meiner Schwester vor den Spiegel gestellt und uns erklärt, dass Kurven schön sind und zu einem fraulichen Körper dazugehören.

Sie hat uns geraten, nie eine Diät zu machen und einfach bewusst mit uns und unserer Gesundheit umzugehen. Und das habe ich angenommen.

Welchen Einfluss haben Instagram, Facebook und Co. auf das Körperbild von Frauen?

Die sozialen Medien sind toll, denn dort hat jeder die Chance, sich zu präsentieren, seine Meinung kundzutun oder seine Projekte voranzutreiben. Aber die Kehrseite ist natürlich auch ein gewisser Druck, der entsteht. So viele retuschierte und aufpolierte Bilder, wohin das Auge blickt.

Wer da nicht den nötigen Abstand und Bezug zur Realität hat, der bekommt schnell ein falsches Ideal vermittelt. Ich versuche eine Lanze zu brechen für die normale Frau. Ich retuschiere meine Bilder nicht, gebe höchstens als Stilmittel gut erkennbar einen Farbfilter drauf.

Aber Cellulite oder breite Oberschenkel zeige ich ganz offen. Ich möchte ein neues Vorbild sein und zeigen, dass wir uns so lieben und annehmen sollten, wie wir sind. Und ich entdecke immer mehr Profile, die mittlerweile auch Abstand von Photoshop und Co. nehmen.

Welche Reaktionen bekommen Sie als Curvy Model?

Ich bekomme überwiegend positive Reaktionen. Viele Frauen und Mädchen freuen sich, dass es endlich mehr Individualität im allgemein geltenden Schönheitsideal gibt. Männer sind froh über ihre glücklicheren Frauen. Viele sind motiviert und inspiriert, sich so zu lieben, wie sie sind. Das freut mich so sehr! Natürlich gibt es aber auch negative Stimmen: Ich sei fett und würde ein falsches, ungesundes Vorbild abgeben.

Wie reagieren Sie auf solche negativen Kommentare?

Diese Nachrichten weiss ich  einzuordnen. Viele sind irritiert, dass sie jahrelang Diäten machen und sich quälen, um in eine Kleidergrösse zu passen, die ihrem natürlichen Körper nicht entspricht.

Eine Frau hat mir einmal ihre Empörung darüber geschildert, dass sie jahrelang täglich ins Fitnessstudio rennt und ich, so dick wie ich bin, plötzlich als schön angesehen werde. Da denke ich mir nur: Die armen Frauen, die tatsächlich jeden Tag im Fitnessstudio schwitzen und Diät halten, sich verbiegen für ein Ideal und dabei vergessen, das Leben zu leben!

Hat in der Modebranche inzwischen auch ein Umdenken stattgefunden oder gelten noch immer dünne Models als das Mass aller Dinge?

Tatsächlich beginnt die Branche, das verstaubte Schönheitsideal aufzupolieren, und mittlerweile finden sich auch hier und da schon Kollektionen für kurvige Frauen. Aber da ist noch viel Luft nach oben. Momentan wirkt vieles noch als Sonderfall.

Nach dem Motto: Quotendicke werden hier und da mal auf die Catwalks geschickt oder einmalige Kollektionen auf den Markt geworfen. Ich wünsche mir einfach mehr Selbstverständlichkeit für die Konfektionsgrössen jenseits der 36.

Welche Vorbilder haben Sie?

Mein Vorbild ist meine Mutter! Sie ist auch eine kurvige Frau und macht immer etwas aus sich. Seit ich denken kann, ist sie lebensfroh, offen, modebewusst, und sie versteckt sich nicht. Sie ist für mich einfach die schönste Frau!

Welchen Stellenwert haben für Sie die Themen Gesundheit, Fitness und gesunde Ernährung?

Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich bewusst ernähre und mich bewege. Einerseits muss ich als Model ein gewisses Erscheinungsbild haben, andererseits tut es mir persönlich auch gut. Ich möchte mein Leben geniessen können.

Ich will in den vierten Stock die Treppe nehmen, ohne völlig aus der Puste zu sein, will aber auch seelisch happy sein, wenn ich mir ein Stück Schokolade gönne. Ich denke, ein gesundes Mass an allem ist perfekt.


Wir sollten auf unseren Körper hören und das machen, was uns guttut!
 

Wie halten Sie sich in Form?

Ich ernähre mich abwechslungsreich und bewege mich. Ich liebe Tanzen und Yoga, aber mache auch gerne die Standardübungen. Aber ich bin ehrlich, ich mache mich nicht tot. Es gibt auch mal eine Woche, in der ich gar keinen Sport mache.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?

Das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Jetzt im Frühling und Sommer liebe ich ganz klassisch Spargel oder einen leckeren grünen Salat mit Birne, gebratenen Speckwürfeln, Ziegenkäse und einem Dressing aus Öl und Feigenvinaigrette ... da bekomme ich direkt Appetit!

Sie haben eben Ihr erstes Buch geschrieben. Um was geht es darin?

Ich freue mich sehr über mein erstes Buch. Es ist mein absolutes Herzensprojekt, eine Selbstliebe-Bibel für jeden Menschen. Ich zeige anhand von eigenen Erfahrungen den Weg zu einer neuen Selbstwahrnehmung.

Mit Tricks, Übungen und Methoden, die jeder in seinen Alltag integrieren kann, möchte ich den Menschen helfen, glücklich mit sich selbst zu werden, ohne sich dafür körperlich verändern zu müssen. Viele sagen mir immer, wie erfrischend sie meine Lebenslust finden, also gebe ich nun allen, die es möchten, ein Stück Lebensfreude ab.