Hat Cellulite irgendeine Funktion oder ist sie nur da, um Frauen zu ärgern?

Cellulite an sich hat leider gar keine positive Funktion. Allerdings hat die lockere Anordnung der dünnen Bindegewebssepten die Funktion, das Gewebe dehnbar zu machen – etwa während der Schwangerschaft.

Deshalb entwickeln nur Frauen Cellulite?

Frauen weisen tatsächlich eine unterschiedliche Anordnung der Bindegewebssepten im subkutanen Fettgewebe auf. Unterschiedliche Grössen und Anordnung der Fettzellen wie auch unterschiedliche hormonelle Einflüsse sind der Grund dafür, dass Frauen Cellulite entwickeln.

Welche Frauen sind besonders anfällig?

Die wichtigste Rolle spielt die genetische Prädisposition. Häufig hatten schon Mutter und Grossmutter schlechtes Bindegewebe mit Cellulite, Besenreisern oder gar Krampfadern. Ebenfalls betroffen sind Frauen, die viele und grosse Gewichtsschwankungen haben oder während der Pubertät stark zugenommen haben.

Kann man Cellulite langfristig vorbeugen?

Bei guter genetischer Prädisposition kann man mit einem konstant gehaltenen Normalgewicht, einem gesunden Lebensstil und leichten, regelmässigen sportlichen Aktivitäten in den meisten Fällen das Schlimmste verhindern.

Rund 1,1 Milliarden US-Dollar geben Frauen weltweit jährlich für Crèmes, Gele, Öle, Pflaster und Wässerchen gegen Cellulite aus. Pure Geldverschwendung?

Es gibt einige Wirkstoffe, für die es wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit gibt, das heisst, dass die Hautoberfläche etwas glatter erscheint beziehungsweise die Haut gestrafft wird.

Was für Wirkstoffe sind das?

Beispielsweise Retinol, Koffein oder pflanzliche Stoffe wie Centella asiatica oder Chacoll ®. Das Problem ist, dass diese Wirkstoffe in bestimmter Konzentration und auch in bestimmte Grundlagen eingearbeitet werden müssen, sonst erreichen sie nicht die Effekte, die in den Studien gezeigt wurden.

Viel Geld wird auch für medizinische Eingriffe wie Fettabsaugung ausgegeben. Hilft das im Kampf gegen Cellulite?

Tatsächlich kann eine Fettabsaugung sogar zu einer Verschlechterung der Cellulite führen, sodass danach noch mehr Dellen sichtbar sind. Dies geschieht dann, wenn zu viel Bindegewebe zerstört beziehungsweise das Fett ungleichmässig abgesaugt wird. 

Was ist mit Laserbehandlungen?

Laserassoziierte Lipolyse (LAL) kann tatsächlich kleinere Fettdepots wegmachen und gleichzeitig das Gewebe straffen. Für lange Zeit war das deshalb eine der besten Optionen. Allerdings sprechen wir hier von einer invasiven Behandlung.

Mit endodermaler Radiofrequenz kann man gleiche Strukturen angehen. Der Unterschied zur LAL-Methode besteht jedoch darin, dass die Temperatur kontrolliert und bestimmt werden kann, sodass man gezielter Fett oder Kollagen angehen kann.

Was halten Sie von Knetmassagen?

Knetmassagen haben in den Studien widersprüchliche Ergebnisse erzielt. Viele Patientinnen sehen die Ergebnisse nur für einige Wochen oder gar nicht. Dabei ist das Verfahren sehr aufwendig und auch schmerzhaft, bei einigen Patientinnen entstehen durch den Sog auch vermehrt Besenreiser.

Aber immerhin Fitness muss doch helfen. Zum Beispiel mit Rüttelplattformen?
 

Für jene, bei denen man selbst nichts machen muss, gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Auch mit Sport geht die Cellulite nicht weg.
 

Manche sportliche Aktivitäten steigern jedoch die Gewebedurchblutung und straffen die Verbindung der oberen Schichten, wodurch die Oberschenkel insgesamt etwas straffer wirken.

Es gibt noch immer kaum kontrollierte Studien zur Wirksamkeit all der Präparate und der sonstigen Behandlungsmethoden. Warum?

Richtige wissenschaftliche Studien mit ausreichend vielen Probanden und über einen längeren Zeitraum sind teuer und aufwendig. Bei den Crèmes sind solche Studien für die Zulassung nicht erforderlich.

Es ist viel einfacher, eine sogenannte «Beobachtungsstudie» bei 30 Frauen über 4 Wochen durchzuführen und dann zu sagen, dass es wirkt. Bei Medizinprodukten und Geräten werden zwar Studien durchgeführt, allerdings oft an wenigen Probanden und auch über einen zu kurzen Zeitraum.

Sie haben eine Forschungsgruppe zum Thema Orangenhaut gegründet. Welches sind bislang Ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Bei der Cellulite handelt es sich um ein vielfältiges multifaktoriell bedingtes Geschehen, das folglich eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze verlangt, um tatsächlich eine sichtbare und langanhaltende Verbesserung zu erzielen.

Als Ärztin bestimmt für mich die erhobene Diagnose eine individuell angepasste Behandlung und entsprechend auch die Wahl der Methode.