Zahnmedizin in der Schweiz ist hochwertig, aber auch teuer. Insbesondere für Zahnersatz; Implantate, Prothesen, Kronen und Brücken können schnell einige Tausend Franken zusammenkommen. Da ist nahe liegend, die Behandlung preiswerter im Ausland durchführen zu lassen und für das eingesparte Geld gleich noch ein paar Tage Urlaub zu machen. «Zahntourismus» und «Zahnurlaub» ist auch in der Schweiz in aller Munde und wird zunehmend praktiziert.

In Europa bieten mittlerweile zahlreiche Zahnkliniken Behandlungen speziell für Ausländer an. Niedrige Löhne und geringere Laborkosten machen es möglich, dass medizinische Dienstleistungen wesentlich, laut einigen Anbietern bis zu 70 Prozent, günstiger angeboten werden können.

Medizinaltourismus ist gefragt

Ungarn hat in der Zahnmedizin einen internationalen guten Ruf. In einigen westungarischen Städten wie Soprons praktizieren bereits 300 Zahnärzte, bei nur 60000 Einwohnern. Und es gibt viele Anbieter, welche daran teilhaben wollen. Manche Kliniken arbeiten mit lokalen Tourismusverbänden zusammen.

Einige Reiseveranstalter haben sich auf Medizinaltourismus spezialisiert. Ungarn, Polen, Österreich und Deutschland sind beliebte Ziele für Schweizer Zahntouristen. Und beispielsweise nach Bulgarien reisen gar Deutsche, um bei der Zahnbehandlung zu sparen. Auch in Thailand, in der Türkei oder auf Mallorca kann man sich in Verbindung mit einem Urlaub einer Zahnbehandlung unterziehen.

Sorgfältige Abklärungen im Vorfeld nötig

Was aber ist mit der Qualität? In der Regel handelt es sich um professionelle­ Praxen mit gutem Service und hohen technischen Standards, die das Potenzial des Zahntourismus erkannt haben und ausländische Patienten an sich binden wollen. Doch es gibt auch schwarze Schafe. Denn es wollen auch die Kliniken von dem neuen Boom profitieren, die technisch nicht oder noch nicht nach westeuropäischen Ansprüchen ausgerüstet sind.

Eine Schwierigkeit liegt auch darin, dass umfangreiche Therapien oft in kurzer Zeit ausgeführt werden. Dies gefährde den langfristigen Erfolg der Behandlung, besagt eine Studie der Universität Bern. Patienten, die sich im Ausland behandeln lassen wollen, sollten daher so viele Informationen über den Anbieter, Zahnarztklinik und Reiseveranstalter, und die bevorstehende Behandlung wie möglich sammeln.

Voruntersuchung nutzen

Wichtig ist, dass man vor der Anreise am Telefon eingehend beraten wird. Geklärt werden sollten Fragen wie: Wie steht es mit der Zulassung, spricht er Deutsch oder wird allenfalls ein Dolmetscher gebraucht? Und es empfiehlt sich, einen Behandlungsplan und ein schriftliches Angebot des Zahnarztes, der Klinik oder des Reiseveranstalters, in dem die Behandlung und Nachbehandlung inkludiert ist, einzuholen, und dieses mit dem Zahnarzt in der Schweiz zu besprechen. Einige Zahn-Reiseveranstalter bieten auch eine zahnärztliche Voruntersuchung,zum Teil kostenlos, in einer Schweizer ­Klinik an.

Die Nebenkostenfalle

Damit ein Preisvergleich möglich ist, sollte man folgendes in Erfahrung bringen: Ist mit dem Preis die gesamte Versorgung gemeint, inklusive Diagnose, Betäubung und Röntgen? Material und die Inklusivleistungen müssen aus dem Angebot hervorgehen. Am wichtigsten ist zu wissen, ob zusätzlichen Kosten bei einer Nachbehandlung anfallen, wie zum Beispiel Flug und Übernachtung.

Zu guter Letzt ist abzuklären, sofern man eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen hat: Übernimmt mein Versicherer die Kosten im Ausland, eventuell nur im grenznahen Gebiet oder nur bei Zahnunfall? Die Leistungen variieren je nach ­Versicherer.