Herr Dr. Kreyden, Was hat sich in den letzten Jahren in der ästhetischen Dermatologie verändert?

Sehr viel! Seit bald 20 Jahren haben wir in der ästhetischen Dermatologie Botulinum und Hyaluronsäure zur Verfügung. Diese Methoden waren damals ein Meilenstein und haben den Zweig zur ästhetischen Dermatologie eröffnet.

«Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten aus der Praxis gehen und für ihr frisches Aussehen bewundert werden»

Anfänglich wurde jede Falte weggespritzt. Mit den Jahren haben wir jedoch gemerkt, dass wir nicht nur korrektiv arbeiten sollen, sondern hauptsächlich auch präventiv.

Zudem gibt es heute eine Vielzahl an weiteren effektiven Methoden. Die Kombination verschiedener Therapien und die Erfahrung und das Wissen des Arztes sind entscheidend für den Erfolg der Behandlung.

Viele denken bei ästhetischer Medizin noch immer an aufgespritzte Lippen und entstellte Gesichter ...

Tatsächlich ist die ästhetische Dermatologie in der Schweiz noch immer mit vielen Vorurteilen behangen. Natürlich gibt es die negativen Beispiele mit Schlauchbootlippen und entstellten Gesichtern.

Das sind aber Einzelfälle und kommen so bei einem guten ästhetischen Dermatologen nicht vor. Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten aus der Praxis gehen und für ihr frisches Aussehen bewundert werden.

Das Schlimmste ist, wenn  gefragt wird, ob man beim Schönheitsdoc war. Dann ist etwas schiefgelaufen (lacht). Die Kunst ist, dass der Arzt nicht zu wenig aber auch nicht zu viel macht.

Sie haben eingangs erwähnt, dass man heute mehr präventiv als korrektiv arbeitet. Welche Möglichkeiten gibt es hier?

Je nach Schweregrad der Falten kommt eine entsprechende Behandlung zum Einsatz. Bei Grad 0 hat man gar keine Falten und kann mit ausgewogener Ernährung, Sport, Schutz vor der Sonne und allenfalls regelmässigen Kosmetikbehandlungen viel zur Vorbeugung von Falten beitragen.

Bei Grad 1 hat man sogenannt mimische Falten, die bei starker Ausprägung oder zur Prävention mit Botulinum behandelt werden. Bei Grad 2 bestehen statische Falten, für die in über 90 Prozent der Fälle ein Volumenmangel verantwortlich ist.

Hier kommen verschiedene Verfahren wie Filler, Peelings, Laser oder Botulinum zum Einsatz – je nachdem weshalb die Falte entstanden ist.

Hier ist Wissen und Erfahrung des Arztes gefragt.

Genau. Viele Ärzte gehen heute nach Schema F vor und unterspritzen alle Falten per se mit Hyaluron oder Botulinum. Entscheidend ist jedoch die Diagnose vor jeder Therapie! Sie würden sich ja auch nie von Ihrem Hausarzt ein Blutdruckmittel verschreiben lassen, wenn der Blutdruck nicht gemessen wurde.

Erst wenn die Diagnose steht, kann eine individuell auf den Patienten angepasste Behandlung beste Ergebnisse erzielen.