Der Schönheitsbegriff hängt eng mit Harmonie und Symmetrie zusammen. Schon in der Antike setzten sich die Philosophen intensiv mit dem Thema auseinander. So beschäftigte sich Platon in seinem Symposion damit, wie die Schönheit auf die Menschen wirkt.

Alexander Gottlieb Baumgarten (1714 bis 1762) schuf mit seinem Werk Aesthetica eine neue Dimension des Themas, indem er nicht mehr die Schönheit als Eigenschaft von Gegenständen, sondern als Urteil des Verstandes definierte. Immanuel Kant wiederum beschrieb die Schönheit als «interesseloses Wohlgefallen».

In der Harmonie und Symmetrie liegt die Schönheit

Ästhetische Urteile basierten gemäss Kant auf privaten subjektiven Empfindungen des Gefallens, der Abneigung, der Lust und/oder der Unlust.

Es gibt aber einen Unterschied: Über das Angenehme als subjektives Empfinden lässt sich nicht streiten. Ästhetische Urteile hingegen sind zwar subjektiven Ursprungs, sie haben aber auch den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Im Hinblick auf den Körper hat sich das Schönheitsideal über die Jahre etwas geändert. Heute empfinden wir einen Körper mit weniger Fettanteil als attraktiver, da Molligsein in industriellen Ländern mit Nahrungsüberfluss nicht länger ein Zeichen des Wohlstands ist. Das Schönheitsideal für Gesichter ist dagegen ziemlich gleich geblieben.

Symmetrie und Jugend spielen hier eine wichtige Rolle. Denn Asymmetrie und Alter sind aus biologischer Sicht Indikatoren für Krankheiten, Fitness-Defizite und Unfruchtbarkeit.

Und vergessen wir nicht die Durchschnittlichkeit: «Attraktive Gesichter sind bloss Durchschnitt!» – So lautete der provokante Titel eines Artikels von Langlois und Roggman (1990), den man inzwischen als Beginn der modernen Attraktivitätsforschung bezeichnen könnte.

Mit «Durchschnitt» war dabei keineswegs Mittelmässigkeit gemeint, sondern der Durchschnitt im mathematischen Sinn.

Von der plastischen zur ästhetischen Chirurgie

Die plastische Chirurgie hat das Ziel, diese Durchschnittlichkeit, falls sie durch Geburt, Krankheit oder Unfall zerstört wurde, wiederherzustellen. In ihrer langen Geschichte hatte sie sich zunächst rein rekonstruktiv etabliert.

Bereits vor mehr als 3'000 Jahren nahmen die alten Ägypter Eingriffe im Gesicht vor. Und in Indien wurden in dieser Zeit nachweislich Nasen aus der Stirnhaut rekonstruiert. Einen neuerlichen Boom erhielt diese Chirurgie infolge von Kriegsverletzungen während der beiden Weltkriege.

Neben der wiederherstellenden Funktion wurde aber auch das ästhetische Ergebnis immer wichtiger. Die Entwicklungen in Anästhesie, Hygiene und Operationstechniken machten die plastische Chirurgie sicherer, was eine Weiterentwicklung in Richtung der ästhetischen Chirurgie ermöglichte.Diese befasst sich vornehmlich mit Korrekturen des Körpers, die nicht als Geburtsfehler oder Missbildung eingestuft werden können – sprich Verjüngungschirurgie oder der Verbesserung der äusseren Körperform.

Selbstwahrnehmung und Erscheinungsbild

Die jährlichen Operationszahlen belegen, dass ästhetische Eingriffe immer populärer werden. Ermutigt durch die Medien möchten die Patienten einem gesellschaftlich geprägten Schönheitsideal entsprechen. Sie wollen jünger und dynamischer wirken, um sozial erfolgreicher zu sein und um sich wohlzufühlen.

Für andere wiederum ist die Schönheitschirurgie ein Mittel, um das äussere Erscheinungsbild mit der Selbstwahrnehmung in Einklang zu bringen, indem sie die Spuren der Zeit ausmerzen. In den seltensten Fällen kann die Schönheitschirurgie ein zugrundeliegendes gestörtes Selbstbewusstsein beseitigen.

Im Gegenteil: Oft bringt sie nur Enttäuschungen. Der Patient und sein Operateur müssen in Bezug auf das erhoffte Ergebnis die gleiche Vorstellung haben. Dieses sollte zu einem harmonischen, typgerechten äusseren Erscheinungsbild führen. Denn wie anfangs erwähnt: In der Harmonie und Symmetrie liegt die Schönheit.