Magen- und Darm-Erkrankungen werden nicht gern thematisiert – ausser in der Werbung, wo mit Mitteln gegen Blähungen und Völlegefühl geworben wird. Auf der andern Seite führt die schulmedizinische Diagnostik wie Endoskopie, Ultraschall und Stuhluntersuchung nicht immer zu wegweisenden Resultaten.

«Hier beginnt meine Tätigkeit. Viele Patienten kommen nach unauffälliger schulmedizinischer Abklärung zu mir auf der Suche nach Hilfe, zum Teil auch verzweifelt nach vielen Jahren etwa mit der Diagnose Reizdarm», sagt die Fachärztin Kerstin Schmit.

Zu den wichtigsten Dickdarmerkrankungen zählen die Entzündungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis, Divertikulitis, aber auch die reizlose Divertikulose, Darmkrebs, Reizdarm, Intoleranzen, Zöliakie, Infektionen und Parasiten.

Das häufige Reizdarmsyndrom wird diagnostiziert, wenn eine bestimmte Konstellation an Beschwerden besteht und schulmedizinische Abklärungen wie zum Beispiel eine Magen- und Darmspiegelung keinerlei pathologisches Resultat ergeben.

Gemäss Schmit unterstützen folgende Kriterien die Diagnose: abnorme Stuhlhäufigkeit, zum Beispiel mehr als drei Stuhlgänge pro Tag oder weniger als drei pro Woche, eine abnorme Stuhlkonsistenz, das abnorme Absetzen von Stuhl, etwa durch starkes Pressen, imperativer Stuhldrang sowie das Gefühl der unvollständigen Entleerung, schleimiger Stuhl und Blähungen.

 

Vergärung von Nahrung

Die ganzheitlichen Behandlungsmethoden bei Reizdarmsyndrom und generell bei Verdauungsstörungen beinhalten die Testung auf Nahrungsmittel-Intoleranzen, Fruktoseintoleranz, Histaminintoleranz, auf Dünndarmfehlbesiedelung sowie auf Laktose- und Glutenintoleranz. «Hinzu kommen eine Darmflora-Analyse und anschliessend die gezielte Gabe von Probiotika, von Enzymen, Bitterstoffen und Magensäure», erläutert Schmit. Die bakterielle Besiedlung des Darms ist je nach Region sehr unterschiedlich und im Dickdarm am allerhöchsten, im vorausgehenden Dünndarm hingegen nur minimal.

Bei einer Dünndarmfehlbesiedelung bewirken verschiedene Faktoren, dass Bakterien des Dickdarms in den Dünndarm vordringen können und sich dort ansiedeln, wo sie nicht hingehören. Das führt zur Vergärung von Nahrung und verursacht den typischen Blähbauch. Zusätzlich kann auch die Aufnahme und Verarbeitung wichtiger Nährstoffe beeinträchtigt sein.

«Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung treten unter anderem Durchfall, ein stark geblähtes Abdomen und Fettstühle auf», erläutert Schmit. Die Diagnose wird durch positive Testung eines Laktulose- oder Glukose-Atemtests gestellt, in dem charakteristischerweise der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft stark ansteigt.

Bei der Therapie gibt es unterschiedliche Ansätze wie eine Ernährungsumstellung, die Verabreichung von Kräutern und Probiotika oder die Abgabe eines speziellen Antibiotikums, das nur im Darm wirkt und nicht resorbiert wird.

 

Gestörte Darmflora

Dadurch, dass rund 80 Prozent unseres Immunsystems im Darm lokalisiert sind, kann es zu Störungen des Immunsystems kommen, wie zum Beispiel Hauterkrankungen, Allergien, Infekten der Atemwege, aber auch der Harnwege. «Heute weiss man, dass die Darmflora auch einen Einfluss auf die Stimmung, das Auftreten von Depressionen, Migräne und Übergewicht hat», führt Schmit aus.

Das intestinale Mikrobiom, die Gesamtheit der Darmflora, sei derzeit Gegenstand intensiver Forschung, sodass man in den nächsten Jahren noch viel über Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten erfahren werde. Bei einer gestörten Darmflora treten zum Beispiel diverse Verdauungsprobleme wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Bauchkrämpfe und Flatulenz auf.

Bei einer umfassenden Darmsanierung wird zu Beginn eine Analyse der Darmflora vorgenommen. Je nach Befund gibt es gezielte Therapievorschläge: die Behandlung von Pilzen oder möglichen krankmachenden Erregern, eine Darmreinigung sowie am Schluss den Aufbau der Darmflora mit der gezielten Gabe von Probiotika.

«Was uns im Ganzen guttut, ist auch für unseren Darm zu empfehlen», fasst Schmit zusammen. Dazu gehören eine gesunde, ausgewogene und frische Ernährung, ausreichend Flüssigkeit sowie die Reduktion von Fast-Food-Produkten, Zucker und Alkohol.