Was hat sich in den letzten 15 Jahren, als Sie die Ausbildung begonnen haben, verändert?
Früher wurden die Patienten angewiesen lange liegen zu bleiben. Erst nach einiger Zeit übte man mit ihnen das Sitzen, noch später das langsame Laufen. Durch diese Immobilität wurde der Patient aber häufig anfällig für Pneumonien, Thrombosen und Muskelschwund.

Und heute?

Schon in der ersten Woche nach der Operation wird der Herzpatient zur Bewegung animiert. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Geht es nur um ­ die Bewegung?
Nein. Wir bringen den Patienten auch bei, wie man eine herzgesunde Nahrung zusammenstellt. Rauchen und auch der Alkoholkonsum sind wichtige Themen. Entspannungstechniken werden demonstriert, die dem Stress­abbau helfen. Der Patient kann dies in einer Gruppenform erfahren oder in einer Einzeltherapie. Für männliche Herzpatienten muss diese Lebensumstellung brutal sein. Das hat wenig mit dem Geschlecht zu tun. Auch Frauen müssen ihre Lebensgewohnheiten überdenken.

Übernehmen die Krankenkassen diese Therapieformen?
Ja, die Grundversicherung übernimmt die ambulante und stationäre Rehabilitation.

Wie treten die Patienten eigentlich bei Ihnen auf?
Aussenstehende können sich nur schwer in die seelischen Nöte von Herzpatienten einfühlen. Ein wichtiges Ziel der kardialen Rehabilitation ist es auch, das Vertrauen in den eigenen Körper wieder zu erlangen. Viele Patienten haben auch Angst vor dem Wiedereintritt in das Berufsleben. Wie reagiert die Familie auf die veränderte Situation? Das sind alles Punkte, in denen wir unseren Patienten beistehen.

Gibt es auch Menschen, die sich später ein Ergometer für Zuhause anschaffen?
Ja. Aber ein Ergometer im Wohnzimmer ist kein Selbstläufer. Manche Patienten erzählen mir, dass sie ihn als Kleiderständer benutzen oder runter in den Weinkeller getragen haben.

Raten Sie Ihren Patienten eigentlich zum Tragen eines Pulsbandes?
Wir beobachten die Patienten sehr genau in den neun Wochen, in denen sie bei uns sind. Ziel ist es ja, dass sie wieder ein gutes Körpergefühl erhalten und ihre Grenzen kennen lernen. Ein Pulsband ist so gesehen nicht optimal für die eigene Wahrnehmung. Wenn wir aber sehen, dass ein überambitionierter Herzpatient auf dem Ergometer einen hochroten Kopf bekommt und uns atemlos mitteilt, es gehe ihm gut, dann empfehlen wir ihm die Anschaffung einer Pulsuhr.