Rund ein Prozent der Bevölkerung in der Schweiz muss täglich blutverdünnende Medikamente einnehmen, viele von ihnen während Jahren oder lebenslang. «Eine über Jahre indizierte Blutverdünnung ist notwendig bei einer rezidivierenden Venenthrombose, bei Lungenembolien, beim Vorhofflimmern, (das heisst bei Herzrhythmusstörungen) und künstlichen Herzklappen», erläutert Walter A. Wuillemin, Professor und Chefarzt Abteilung Hämatologie und Hämatologisches Zentrallabor am Luzerner Kantonsspital.

Er möchte den Begriff «lebenslang» relativiert haben und verwendet lieber den Ausdruck Langzeitblutverdünnung. «Dies weist darauf hin, dass periodisch, das heisst alle paar Jahre, evaluiert werden muss, ob die Blutverdünnung immer noch eine sinnvolle Therapie für den Patienten darstellt.»

Wuillemin betont in diesem Zusammenhang, dass sich die Situation der Patienten im Laufe der Jahre verändert. «Neben der Indikation für die Blutverdünnung können im Verlaufe des Lebens auch Kontraindikationen dazukommen, wie zum Beispiel wiederkehrende Blutungen oder eine Niereninsuffizienz.»

Komplikationen verhindern

Verbreitet ist etwa die tiefe Becken- oder Beinvenenthrombose. Sie entsteht durch die Bildung eines Blutgerinnsels im Hauptvenensystem der Beine oder des Beckens. Dadurch kann das Blut aus dem Bein nicht mehr ungehindert zum Herzen und zur Lunge zurückfliessen, sodass es unterhalb des Gerinnsels zu einer venösen Stauung kommt.

Die Therapie der tiefen Venenthrombose muss sofort erfolgen, damit die weitere Ausbreitung der Thrombose verhindert wird und es nicht zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie kommt. Tatsache ist, dass etwa die Hälfte der Menschen mit einer frischen Beinvenenthrombose, meist ohne es zu spüren, bereits kleinere Lungenembolien haben.

Eine erfolgreiche Therapie soll Früh- und Spätkomplikationen verhindern. Frühkomplikationen sind die Ausbreitung der Thrombose und die Lungenembolie. Spätkomplikationen sind das postthrombotische Syndrom mit offenem Bein und der chronisch erhöhte Druck in den Lungengefässen, eine so genannte pulmonale Hypertonie.

Eine bessere Lebensqualität

Heute können geeignete Patienten auch lernen, ihre Blutverdünnung selber zu managen. «Das so genannte Patientenselbstmanagement der oralen Antikoagulation gibt es seit 25 Jahren», erläutert Walter A. Wuillemin. Weltweit machen das an die 250 000 Patientinnen und Patienten. In der Schweiz wurde das Patientenselbstmanagement der oralen Antikoagulation 1998 initiiert.

Die Schweizerische Stiftung für Patienten mit Blutverdünnung, die von Walter A. Wuillemin präsidiert wird, hat bislang über 1'500 Patienten geschult. «Diese berichten einhellig darüber, dass das Selbstmanagement ihre Lebensqualität verbessert hat», so Wuillemin. Vielen Patienten sei es wichtig, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

«Sie können die Eigenverantwortung selber auch gut wahrnehmen, da sie am ehesten spüren, ob eine zusätzliche Blutgerinnungskontrolle gemacht werden sollte.» Bei zu stark verdünntem Blut besteht nämlich die Gefahr einer Blutung. Häufig treten Haut- oder Schleimhautblutungen auf, die aber meistens harmlos verlaufen. Gefährlicher sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn.

Diese müssen unter allen Umständen vermieden werden. «Deshalb ist es wichtig, dass die Blutverdünnung richtig eingestellt ist, also nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark», betont Wuillemin. Aus diesem Grund muss die Blutgerinnung regelmässig kontrolliert werden. Entweder vom Hausarzt, oder aber der Patient ist selber in der Lage, die Überprüfung vorzunehmen.