Herr Dr. Vogelsang, wann raten Sie zur Chiropraktik?

Bestehen zum Beispiel bei einer Überbelastung Schmerzen im Bewegungsapparat und speziell in der Wirbelsäule, ist oft eine Behandlung indiziert. Schon beim Abholen des Patienten im Wartezimmer wird dieser genau beobachtet. Wie erhebt er sich vom Stuhl, wie sieht sein Gangbild aus: Daraus können bereits erste Schlüsse gezogen werden.

Was folgt danach?

Dem Patienten werden gezielte Fragen gestellt, um das genaue Problem herauszufinden. Die daraus resultierenden Informationen werden dann im Untersuch verifiziert und präzisiert.

Dabei werden orthopädische und neurologische wie auch chiropratik-spezifische Untersuche durchgeführt, das heisst die Haltung analysiert, die Beweglichkeit und die Funktion der Nerven des Problemgebietes überprüft, Schmerzpunkte in Wirbelsäule und Muskulatur gesucht sowie verschiedene Tests durchgeführt.

Oft werden dann Röntgenbilder erstellt, manchmal muss auf die Informationen aus einem Magnet-Resonanz-Image zurückgegriffen werden, oder es kann auch sein, dass ein Bluttest durchgeführt werden muss.

Und dann?

Mit den gewonnenen Informationen wird eine Diagnose erstellt. Anschliessend folgen meist ein Behandlungsvorschlag und die Erklärung, wie die chiropraktische Therapie zum Erfolg führen kann. Daraufhin kommt der Patient oft in regelmässigen, zunehmend grösseren Abständen in die Behandlung.

Erreicht man schliesslich einen Stand, bei welchem der Patient keine Schmerzen mehr verspürt, so ist es sinnvoll zu überprüfen, ob trotzdem aus chiropraktischer Sicht noch Probleme bestehen.

Welches sind denn die hauptsächlichen Problempunkte?

Oft ist ein Gelenk überbelastet worden oder eine chronische Überbelastung hat einen strukturellen Schaden wie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall hinterlassen. Das führt natürlich zu Schmerzen oder Entzündungen. Mit einem dosierten, gezielten manipulativen Griff, bei welchem die Gelenke mit einem präzisen Impuls auseinanderbewegt werden, kann man eine effektive Behandlung einleiten.

Die Belastungen auf die Gelenke nehmen ab, und damit steigt die Beweglichkeit oft sehr schnell an und die Schmerzen lassen nach. Diese Behandlung ist in den meisten Fällen schmerzlos und wie gesagt sehr effektiv.

Kann man sich auch im fortgeschrittenen Alter mittels Chiropraktik behandeln lassen?

Auf jeden Fall. Besteht zum Beispiel eine Osteoporose als Ursache der Beschwerden, so wird der Chiropraktor diese erkennen und entsprechende Massnahmen einleiten. Die chiropraktische Behandlung ist auch bei älteren Menschen sicher und oft den Nebenwirkungen der im Alter vielfach in grossen Mengen eingenommenen Medikamente auch bezüglich der Risiken vorzuziehen.

Wie umschreiben Sie Chiropraktik?

Der Bewegungsapparat, insbesondere die Wirbelsäule und das Nervensystem der Patienten stehen beim Chiropraktor im Zentrum. Die Aufgaben des Chiropraktors sind Diagnose, Behandlung, Beratung und Betreuung. Sechs bis acht Jahre Studium und Weiterbildung in Medizin und Chiropraktik machen ihn zu einem kompetenten ersten Ansprechpartner.

Chiropraktoren sind Grundversorger und aufgrund ihres Studiums befähigt, Diagnosen zu stellen. Die Behandlung erfolgt meist manuell. In vielen Fällen kann damit auf Medikamente oder chirurgische Eingriffe verzichtet werden. Chiropraktik ist eine Leistung der Grundversicherung.