Man unterscheidet zwei in ihrer Funktionsweise unterschiedliche Magenbypass-Operationen. Seit einigen Jahren wird bei geeigneten Patienten auch die so genannte Schlauchmagen-Operation durchgeführt. Alle Eingriffe erfolgen mit der schonenden «Schlüsselloch-Chirurgie».

Unzählige Therapien, kurzfristige Erfolge, eine erneute Gewichtszunahme, verbunden mit Enttäuschungen, Krisen und Depressionen: Menschen mit massiven Gewichtsproblemen haben meist einen langen Leidensweg hinter sich. Um diesem Leidensdruck ein Ende zu setzen, wird nach detaillierter Abklärung ein chirurgisches Vorgehen in Betracht gezogen.

Unterschiedliche Operationsverfahren kommen zur Anwendung, die entweder zur Einschränkung der Nahrungsaufnahme führen, die Aufnahme von Nährstoffen reduzieren oder eine Kombination beider Methoden darstellen.

«Bei der proximalen Magenbypass-Operation wird eine massive Verkleinerung des Magens vorgenommen», erläutert der Fachspezialist Mischa C. Feigel.

An den Magenrest wird eine neue Verbindung zum Dünndarm angelegt, damit die Nahrung abfliessen kann.

Diese Verbindung nennt man in der Fachsprache Anastomose. Sie wird oft eng angelegt, um die Nahrungsaufnahme einzuschränken.

Durch die zusätzliche Umgehung des Zwölffingerdarms gelangt die Nahrung erst weiter unten in den Dünndarm. Dies führt zu einer Hormonausschüttung, welche die Gewichtsreduktion zusätzlich fördert.

Der Eingriff bringt zu Beginn meist eine sehr gute Gewichtsreduktion. Allerdings nimmt ein Teil der Patienten nach einigen Jahren langsam wieder an Gewicht zu, weil nicht nur die Hormone des Magen-Darm-Traktes für die Regulierung des Übergewichts verantwortlich sind, sondern auch der Energiestoffwechsel der Muskulatur.

Zwar kann die obere Anastomose endoskopisch (Sklerosierung) oder chirurgisch (Ring, Magenband) enger gemacht werden, um die Nahrungsaufnahme weiter zu reduzieren. Mit der Zeit kann es dadurch allerdings zu einer Erweiterung des kleinen Restmagens und der Speiseröhre kommen, so dass die Menge der Nahrungsaufnahme wieder zunimmt.

Zudem verliert die wellenförmige Pumpbewegung der Speiseröhre an Kraft. Die Nahrung fliesst dann nur noch sehr langsam durch die Speiseröhre. Die Folge davon ist ein ständiger Druck hinter dem Brustbein, Aufstossen und ein Zurückfliessen von unverdauten Speiseresten bis in den Hals- oder Mundbereich.

Gewisse Regeln einhalten

«Bei Patienten, die nach einer proximalen Magenbypass-Operation wieder zunehmen, kann diese in einen distalen Magenbypass umgewandelt werden», erläutert Feigel ein zweites, von ihm bevorzugtes Verfahren. Dabei werden die Magen-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsensäfte erst sehr weit unten wieder in den Dünndarm geleitet. Dies führt zu einer stark verminderten Nährstoffaufnahme.

Zwar wird bei der distalen Methode der Magen ebenfalls verkleinert. Die neue Verbindung zwischen dem kleinen Restmagen und dem Dünndarm (Anastomose) wird aber bewusst nicht eng angelegt. Die Nahrungsaufnahme ist somit kaum bis gar nicht eingeschränkt. «Viele Patienten empfinden dies als sehr angenehm. Trotzdem gilt es auch hier, gewisse Regeln einzuhalten», betont Feigel.

Dazu gehört insbesondere das Vermeiden sehr fetthaltiger Nahrung. Weil die Fettverdauung erst weit unten im Dünndarm einsetzt, gelangen Fette teilweise unverdaut in den Dickdarm und werden dann als flüssige und übelriechende Fettstühle ausgeschieden.

«Im Gegensatz zu den meisten anderen chirurgischen Verfahren zur Gewichtsreduktion kann die distale Magenbypass-Operation von den Patienten praktisch nicht überlistet werden, etwa mit flüssigen Kalorien», so Feigel.

Rasches Sättigungsgefühl

Seit einigen Jahren wird zur Gewichtsreduktion auch die Schlauchmagenoperation standardmässig durchgeführt, zu der aber noch keine Langzeitergebnisse vorliegen. «Sie stellt eine viel versprechende Alternative dar», sagt Feigel. Bei diesem Eingriff wird das Magenvolumen massiv reduziert, indem der äussere Magenanteil vollständig entfernt wird.

Der Restmagen sieht dann wie ein Schlauch aus, der von der Speiseröhre bis zum Magenausgang reicht: Die Nahrungsaufnahme verringert sich massiv. Sie wird aber nicht einfach auf- und zurückgehalten, sondern fliesst ungehindert in den Magen. Durch dessen massive Verkleinerung hätten die Patienten ein sehr rasches Sättigungsgefühl, erklärt Feigel.

Das Verfahren ist insbesondere für Patienten geeignet, die dauerhaft ihren Konsum von Süs­sigkeiten stark einschränken möchten und bereit sind, pro Mahlzeit nur noch sehr kleine Portionen zu essen. Es ist zudem eine geeignete Operationsmethode bei Hochrisikopatienten (BMI über 50). Wie bei allen chirurgischen Verfahren zur Gewichtsreduktion sind regelmässige ärztliche Nachkontrollen unerlässlich. Zudem müssen die Ernährungsvorschriften eingehalten werden.

Die Übergewichtschirurgie entwickle sich ständig weiter, sagt Feigel. «Dementsprechend kommen unterschiedliche Operationsverfahren zur Anwendung, die entweder zur Einschränkung der Nahrungsaufnahme führen, die Aufnahme von Nährstoffen reduzieren oder eine Kombination beider Methoden darstellen.»