Wer längere Zeit unter Rückenschmerzen leidet, hat oftmals die Befürchtung, dass der Schmerz chronisch wird. Von chronischem Schmerz spricht man, wenn dieser länger als 3 Monate bestehen bleibt.

Dazu Dr. Handan Frauenfelder, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation: «Meist kann ich den Patienten diese Befürchtung nehmen, denn nur in seltenen Fällen wird ein Schmerz tatsächlich chronisch. Bei der überwiegenden Mehrheit bleibt der Schmerz nicht länger als sechs Wochen und hat eine gute Prognose».

Zentral ist, dass man den Ursachen der Rückenschmerzen auf den Grund geht und potentielle Risikofaktoren für eine Chronifizierung bereits früh analysiert. Denn nur so kann eine adäquate Therapie eingeleitet werden.

Psychologische Faktoren miteinbeziehen

«Bei der Abklärung von länger anhaltenden Rückenschmerzen sollte immer auch der psychologische Aspekt miteinbezogen werden. Denn nicht selten spielen psychologische Faktoren eine entscheidende Rolle für eine Chronifizierung», sagt Frauenfelder. Etwa, wenn die Angst vor dem Schmerz zu einer unverhältnismässig starken Einschränkung der Bewegungstätigkeit führt.

So leiden Patienten mit Rückenschmerzen in manchen Fällen unter der Angst, ihre Beschwerden durch Bewegung zu verschlimmern. Dadurch geraten sie in einen Teufelskreis. Denn eine übermässige Schonhaltung führt häufig dazu, dass die Schmerzen schlimmer oder gar chronisch werden.

Eine solche Reaktion auf Rückenschmerzen nennen Psychologen «Vermeidungsverhalten». Auch anhaltender Stress kann zu Muskelverspannungen führen und dadurch ein Rückenproblem negativ beeinflussen.

«Rückenschmerzen hängen mit komplexen Störungen in einem ganzen System zusammen und dem Patienten muss bewusst sein, dass neben dem mechanischen Problem auch psychologische und arbeitsbezogene Faktoren eine unterschiedlich grosse Rolle spielen», erklärt Handan Frauenfelder.

Körperbewusstsein entwickeln

Damit es nicht zu chronischen Schmerzen kommt, sollte man mit dem Arzt besprechen, welche Therapien sinnvoll sind und wie man selbst aktiv werden kann. «Dazu gehören etwa Rückengymnastik, Bewegung und Stressabbau», so Frauenfelder.

Eine Zusammenarbeit mit einem Psychologen kann durchaus Sinn machen. Speziell wenn ein angstbedingtes Vermeidungsverhalten vorliegt. Ein wichtiger Teil der Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen ist ein besseres Körperbewusstsein zu vermitteln (z.B. durch Alexandertechnik, Osteopathie, etc.).

Der Patient soll die Fähigkeit entwickeln, schlechte Gewohnheiten, welche zu Verspannung im Rücken führen, zu erkennen, zu verstehen und schliesslich zu vermeiden. So gibt es Patienten die jeden Morgen ihre Rumpfstabilisationsgymnastik durchführen, am Arbeitsplatz auf eine ergonomische Einstellung achten und Relaxationstechniken üben wegen dem Dauerstress im Büro.

«Eine andere Patientin schwört beispielsweise auf Bauchtanz, welches ihr ein besseres Körpergefühl und kontrollierte Rumpfstabilität vermittelt hat, und ihr ausserdem noch Spass macht», erklärt Frauenfelder.

Daher profitiert ein Patient mit chronischen Rückenschmerzen am meisten von einem aktiven Selbstmanagement was die Bewältigungsstrategien betrifft. So hat der Patient seine Rückenschmerzen im Griff und nicht umgekehrt.