Gefässkrankheiten gehören zu den häufigsten Erkrankungen in allen Industrienationen. Die Gefässmedizin befasst sich deshalb mit Krankheiten der Arterien, Venen und Lymphgefässe sowie deren Prävention, Diagnostik, der konservativen und interventionellen Therapie und der Rehabilitation.

Von einem interdisziplinären Gefässzentrum profitieren in erster Linie die Patientinnen und Patienten
p>Dabei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von grundlegender Bedeutung. «Die Diagnosestellung und Behandlung von Erkrankungen der Arterien und Venen ist eine komplexe Aufgabe. Sie erfordert meist die kombinierte Expertise aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten», erläutert Ludwig Jacob, interventioneller Radiologe und Mikrotherapeut.

Interventionelle Radiologen verfügen über grosse Erfahrung in der Bildgebung von Gefässen mittels Computertomographie und Kernspintomographie sowie in der minimal-invasiven Behandlung von Gefässverengungen und Gefässerweiterungen.

Interdisziplinären Ansatz fördern

«Die Angiologie versteht sich als internistische Disziplin, welche für die funktionelle Diagnostik unter anderem mit dem Ultraschall und die konservative Therapie zuständig ist», erklärt Silviana Spring, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Angiologie.

Der Gefässchirurg seinerseits werde als Spezialist für die operative Behandlung von Arterien und Venen beigezogen, ergänzt Michael Szente Varga, Facharzt FMH für Chirurgie und Gefässchirurgie.

Die drei Fachspezialisten bilden das Kernteam, wenn es darum geht, Gefässkrankheiten adäquat zu behandeln. Vertreter der drei Spezialgebiete haben sich konsequenterweise in der Union Schweizerischer Gesellschaften für Gefässkrankheiten (USGG) zusammengeschlossen, um den interdisziplinären Behandlungsansatz zu fördern.

Die Schweiz gilt heute als eines der wenigen Länder, wo es gelungen ist, diesen Zusammenschluss erfolgreich durchzuführen – zum Vorteil für die Patientinnen und Patienten.

Inzwischen hat die USGG ein Anforderungsprofil für Gefässzentren entwickelt, aufgrund dessen sich interdisziplinäre Teams zertifizieren lassen können. Gefordert werden unter anderem eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen den drei Disziplinen, klar definierte Abläufe und eine gemeinsame Besprechung der Fälle.

Komplizierte Wundheilung

Eine zentrale Rolle bei diesem wegweisenden Konzept spielt die sogenannte Wundsprechstunde. Wunden an Unterschenkeln und Füssen sind durch fortgeschrittene Stadien von Arterien- und Venenkrankheiten oft die unmittelbare Folge der Erkrankung.

Wenn Wunden andererseits durch eine Verletzung zustande kommen, wird die Wundheilung durch eine vorbestehende Gefässerkrankung erschwert. Da die Behandlung solcher Wunden bei Patienten mit kranken Arterien oder Venen komplex ist, schreibt die USGG für interdisziplinäre Gefässzentren eine Wundsprechstunde vor.

«Dazu braucht es speziell ausgebildete Pflegefachleute, so genannte Wundexperten, mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Wunden», betont Slavica Markovic, zertifizierte Wundmanagerin ZWM. Weitere Spezialisten etwa bei Erkrankungen der Blutgerinnung (Hämostaseologen), des Stoffwechsels (Diabetologen), des Herzens (Kardiologen) oder bei Infektionen (Infektiologen) werden bei Bedarf zugezogen.

Von einem interdisziplinären Gefässzentrum profitieren in erster Linie die Patientinnen und Patienten. Zum einen wird die Erkrankung nicht nur von einer einzigen Fachdisziplin abgeklärt: Der Patient kann damit auf das Knowhow eines Teams von Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zählen.

«Zum anderen hat er die Gewissheit, dass dank der interdisziplinären Zusammenarbeit der drei Fachgebiete auch das Kontrollsystem besser funktioniert», sagt Jacob. Dadurch könnten unnötige oder nicht optimale Eingriffe weitgehend verhindert werden. Das trage auch zur erwünschten Kostenreduktion im Gesundheitswesen bei.