Ist das Herz nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, weil die Herzkranzgefässe verengt sind, muss gehandelt werden. Drei grundlegende Methoden haben sich etabliert, um die Durchblutung des Herzmuskels wieder zu gewährleisten: Bypass, Stent und medikamentöse Therapie.

«Ob Medikamente genügen oder ob ein oder mehrere Stents eingesetzt werden sollen beziehungsweise eine Bypass-Operation indiziert ist, hängt neben der Gefässanatomie auch von anderen Faktoren wie Alter, Allgemeinzustand, eventuellen Nebendiagnosen und Prognose des Patienten ab», betont Franz Wolfgang Amann, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

Heute kann ein Patient mit koronarer Herzkrankheit über 90 Jahre alt werden und insgesamt 50 Jahre damit leben. Diese Zeitspanne kann keine therapeutische Methode alleine abdecken.

«Die Frage ist also nicht einfach Stent gegen Bypass-Operation, sondern es geht darum, über einen langen Zeitraum die richtige Sequenz der verschiedenen therapeutischen Optionen so intelligent zu kombinieren, dass der Patient seine Lebensspanne trotz einer chronischen Erkrankung der Herzkranzgefässe bei guter Lebensqualität möglichst ausschöpfen kann», so Amann.

Fast beliebig wiederholbar

Aufgrund der Progression der Erkrankung kommen nur wenige Patienten gleich nach Diagnosestellung für eine Bypass-Operation in Frage. Paul Robert Vogt, Facharzt Herz- und thorakale Gefässchirurgie, schätzt, dass nur etwa fünf Prozent der Patienten, die vom Kardiologen begutachtet werden, auch interdisziplinär von Beginn weg mit einem Herzchirurgen diskutiert werden.

«Der Vorteil der medikamentösen und der interventionellen Therapie mit Stents ist ihre fast beliebige Wiederholbarkeit im Langzeitverlauf, während die Bypass-Operation auf zwei, selten mal auf drei Eingriffe während eines Patien­tenlebens limitiert ist», gibt er zu bedenken.

Individuell nach Patient

Heute weiss man, dass Patienten, die sich einer Bypass-Operation unterzogen haben, länger beschwerdefrei bleiben und bei komplexer Anatomie auch länger leben. «Bei Stents müssen die Patienten früher wegen der gleichen Beschwerden wieder zum Kardiologen», so Amann.

Die Anwendung von Stents sei aber weniger belastend und könne häufiger beim gleichen Patienten angewendet werden. Mit andern Worten: Die Wahl des Verfahrens ist nicht immer eindeutig, und dann braucht es eine interdisziplinäre Beurteilung, die sich nach dem optimalen Resultat richtet, welches individuell für den Patienten erreicht werden kann.

Für den einzelnen Patienten ist deshalb die Betreuung durch ein funktionierendes Team aus Chirurgen und interventionellen Kardiologen entscheidend. Prinzipiell sollen nämlich Stent und Bypass-Chirurgie sich ergänzende und nicht konkurrenzierende Methoden zur Behandlung verengter Herzkranzgefässe sein.

Wichtig ist neben dem gewählten Eingriff immer auch die Nachbehandlung mit medikamentöser Hemmung der Blutgerinnung, die Optimierung des Cholesterinspiegels, Rauchstopp und die Behandlung allgemeiner Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel.