Die Volkskrankheit Schnarchen ist immer noch ein Tabuthema. Statistiken zeigen auf, dass rund 80 Prozent der Schnarcher Männer sind. Gleichzeitig zeigt sich eine steigende Tendenz bei Frauen.

Was viele Patienten dabei ausser Acht lassen: Der Übergang zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen ist oft fliessend. «Beim Schnarchen manifestiert sich ein Symptom, das auf eine Verengung der Atemwege im Schlaf hinweist», erläutert Professor Hermann F. Sailer. Mehrere Ursachen können dafür verantwortlich sein: zum Beispiel Funktionseinschränkungen der Nasenatmung, Erschlaffung des Gaumensegels im Rachenraum, eine grosse Zunge oder ein kleiner Unterkiefer.

«Schnarchen kann bis zur krankhaften Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern führen», warnt Sailer. In der Folge tritt ein leichter Bluthochdruck auf, der später zu Herzrhythmusstörungen übergehen kann. Schnarchen bedeutet für das Herz Schwerstarbeit und kann deshalb zu einem erhöhten Infarkt- oder Schlaganfallrisiko führen.

Hinzu kommen ernsthafte Probleme in einer Partnerschaft. Oftmals bleiben nur getrennte Schlafzimmer als Lösung. Nächtliches Schnarchen belastet aber auch die berufliche Tätigkeit. Es schränkt die Leistungsfähigkeit Betroffener teils massiv ein.

Option Atemmaske

Zur Behandlung des Schnarchens stehen heute verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Vor jeder Behandlung steht eine sorgfältige Diagnose, bei der es darum geht, die Ursachen des Schnarchens zu eruieren.

«Bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe unterscheidet man zwischen einer ursächlichen und einer symptomatischen Behandlung», erklärt Hermann F. Sailer. Letztere besteht meistens im Tragen einer Atemmaske, die an eine Maschine angeschlossen ist, durch welche ein zusätzlicher Druck beim Atmen aufgebaut wird, damit genügend Luft in die Lunge gelangt.

Allerdings vertragen viele Patienten im Laufe der Zeit diese Behandlung mit der umgeschnallten Atemmaske schlecht. Diese Unverträglichkeit (Non-Compliance) liegt bei rund 50 Prozent. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht in der Anwendung von prothesenähnlichen Kunststoffgeräten, die den zurückliegenden Unterkiefer in eine Vorbiss-Stellung zwingen.

Daraus resultieren aber oft schmerzhafte Schäden an den Kiefergelenken durch die Dauerluxationsstellung des Kieferköpfchens und des Diskus im Gelenk.

Rasche Verbesserung

«Die ursächliche Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe besteht in der operativen Vorbewegung der Kiefer, so dass Platz für die Zunge geschaffen wird und die oberen Luftwege sich öffnen», erläutert Sailer. Durch eine Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer erweitern sich die oberen Atemwege, was unmittelbar nach der Operation zu einer raschen Verbesserung des Gesundheitszustands führt.

Der Patient kann wieder gut schlafen, die normale hohe Sauerstoffsättigung führt zur Erholung des Herz-Kreislauf-Systems, das Schnarchen verschwindet.

«Als angenehme Nebenerscheinung führt jede Ober-Unterkiefer-Verlagerung immer auch zu einer Attraktivitätssteigerung. Durch die vorübergehend eingeschränkte Nahrungsaufnahme nach dem Eingriff tritt meist auch eine starke Gewichtsreduktion von mindestens fünf bis zehn Kilogramm ein», so Sailer.

Detailliertes Modell

Wer bei sich Anzeichen für eine obstruktive Schlafapnoe feststellt, wie etwa lautes Schnarchen, das zum Aufwachen führt, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsmangel, unruhiger Schlaf, vermehrtes Wasserlassen in der Nacht und nächtliches Schwitzen, sollte sich unbedingt in fachärztliche Behandlung begeben, rät Hermann F. Sailer.

«Die lebensbedrohlichen Folgen der obstruktiven Schlafapnoe sind alle durch den Sauerstoffmangel im Blut bedingt.» Dieser Mangel kann während des Schlafs beispielsweise zum Absterben von Hirnzellen und später zur Demenz führen. Ist eine Operation indiziert, werden sämtliche Eingriffe mittels eines Modells millimetergenau geplant und bei der Operation exakt auf den Patienten übertragen.

Dabei ist die Erfahrung des Operateurs von entscheidender Bedeutung. Dem Patienten wird zudem die Möglichkeit gegeben, eine digitale Fotoplanung sowie eine noch exaktere cephalo-graphische Analyse seiner Behandlung vornehmen zu lassen. «Damit erhält er eine gewisse Vorstellung der geplanten Optimierung seines Aussehens und kann sich vorher damit auseinandersetzen», so Sailer.