Wie viele Patienten mit Colitis ulcerosa es in der Schweiz gibt und wie viele davon an schwer behandelbaren Schüben leiden, weiss man zwar nicht im Detail. Vermutet wird jedoch, dass rund 7000 Menschen an einer Colitis ulcerosa erkrankt sind. Leider sprechen fast 40 Prozent der Patienten mit schweren Schüben aber nicht ausreichend auf eine Standardtherapie mit Corticosteroiden an.

Ein schwerer Colitis-Schub führt in der Regel zu massiven blutigen Durchfällen. Dabei können schnell einmal Stuhlfrequenzen von über 10 pro Tag erreicht werden. Dies bedeutet, dass die Patienten in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt werden. Die Situation kann sich derart verschlimmern, dass der Patient Fieber bekommt und der Dickdarm notfallmässig operativ entfernt werden muss. Diese Gefahr bei einem schweren Colitis-Schub darf nicht unterschätzt werden.

Aufschlussreiche Studie

Stellt sich die Frage, welche Therapien in solch schwerwiegenden Situationen zur Verfügung stehen. Zum Vorteil der Patienten gibt es heute eine ganze Reihe von sogenannten «Rettungstherapien ». Dazu gehört die Cyclosporin- Infusionstherapie, eine Therapie mit Tacrolimus oder der Einsatz von TNFalpha- Antikörpern.

Sollten diese Therapien versagen, muss die operative Entfernung des Dickdarms erfolgen. Wir haben in der Schweiz eine wichtige Studie durchgeführt, die indes zeigt, dass ein Grossteil von Patienten mit medikamentösen Therapien vor der operativen Entfernung des Dickdarms bewahrt werden kann.

In der Studie haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob Patienten, die auf eine erste medikamentöse Therapie nicht angesprochen haben, mit einem zweiten oder dritten Medikament behandelt werden können.

Erfreuliche Resultate

Bisher galt die medizinische Lehrmeinung, dass, sobald ein Patient auf die erste medizinische Rettungstherapie nicht angesprochen hat, eine operative Entfernung des Dickdarms erfolgen muss. Wir konnten 108 Patienten in diese Studie einschliessen. Dabei haben auf die erste Therapie bereits 60 Prozent der Patienten angesprochen.

65 Prozent der Nichtansprecher haben auf die zweite Rettungstherapie positiv reagiert und immerhin 50 Prozent der noch verbliebenen Nichtansprecher auf die dritte. Somit scheint sich der Medikamentenwechsel zu lohnen. Selbstverständlich wurde auch die Frage abgeklärt, ob es nicht gefährlich ist, bis zu drei relativ starke Medikamente hintereinander zu verwenden. Erfreulicherweise hat die Studie keine Sicherheitsrisiken zeigen können. Natürlich müssen die Patienten optimal in Zentren überwacht werden.