So technisiert die Medizin auch ist, die wichtigste aller Fragen ­eines Schlaganfallpatienten kann sie nicht beantworten: «Wie geht es nun weiter?»

Neben der Akutversorgung im Spital, ist die Betreuung durch einen Sozialdienstmitarbeiter enorm wichtig. Ein integraler Teil seiner Arbeit besteht darin, den Patienten und dessen Angehörige über sämtliche Möglichkeiten des weiteren Betreuungsverlaufs zu informieren.

Damit diese Informationsvermittlung in jedem Fall funktioniert, muss der Austausch zwischen Rehakliniken und Spitälern schnell und reibungslos erfolgen.

Doch wo es Schnittstellen gibt, können Fehler passieren?

Das ist richtig. Das grösste Problem ist, dass die Akutspitäler den Patienten zu spät für die Rehabilitation anmelden. Wir arbeiten deshalb sehr eng mit unseren Hauptnetzwerk-Partnern zusammen.

Konkret bedeutet dies, dass jede Woche einer unserer Rehabilitationsmediziner im Spital vorbeischaut, sich ein Bild von den neuen Patienten macht und relevante Informationen sammelt. Dadurch können wir eine sehr hohe Schnittstellenqualität sicherstellen.

Diese regelmässige Präsenz verursacht hohe Kosten.

Unsere Rehaklinik hat eine Vereinbarung mit dem Zentrumsspital. Es vergütet unsere Anwesenheit. Das macht für beide Seiten durchaus Sinn, zumal das Spital mit einer frühest möglichen Verlegung in die Rehabilitation die Bettenbelegung pro Patient massgeblich reduzieren kann. Alle Parteien können davon profitieren.

Auch der Patient?

Absolut. Dank der frühen Präsenz des Rehabilitationsmediziners, haben Patient und Angehörige schon rasch eine persönliche Ansprechperson. Der Patient erfährt früher, was genau ihn nach dem Spitalaufenthalt erwarten und wie sich der Tagesablauf in der Rehaklinik gestalten wird.  

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Übertritt?

Jeder Zustand nach einem Schlaganfall ist rehabilitationsbedürftig und jeder Zustand nach einem Schlaganfall hat Verbesserungspotenzial – das ist übrigens altersunabhängig. Der beste Zeitpunkt ist somit der Frühestmögliche.

Und wann ist dieser gekommen?

Sobald die Ursachenabklärung vollständig abgeschlossen ist und der internistischen und neurologische Verlauf nicht mehr akut überwacht werden muss.

Wie sieht der Alltag des ­Patienten in einer Rehabilitationsklinik aus?

Jeder Patient wird beim Eintritt von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es werden Ziele definiert und eine Tagesstruktur erstellt. Das Programm ist sehr anspruchsvoll und interdisziplinär angelegt.

Typischerweise besteht ein Teil davon aus Physiotherapie für die Mobilität, aus Ergotherapie für die Alltagsfunktionen sowie aus Logopädie für jene Patienten, mit einer Sprach- oder Schluckstörung, Neuropsychologie für die mentalen Funktionen und einer stützenden psychologischen Begleitung wenn nötig auch der Familie.

Wie intensiv ist die psycho­logische Betreuung?

Sehr intensiv. Sie macht bei uns rund einen Drittel des ganzen Programms aus. Ein Schlaganfall ist ein unfassbar einschneidendes Ereignis, das das ganze Leben vom einen auf den anderen Tag verändert.
 
Wie schnell machen die ­Patienten in der Regel Fort­schritte?

Ein mittelschwerer Schlaganfallpatient gewinnt im Verlauf von sechs bis zwölf Wochen wieder eine gewisse Gehfähigkeit zurück. Bei rund zehn Prozent aller schwerstbetroffenen Patienten ist eine Rückkehr ins eigene Heim trotz Reha nicht mehr möglich.

Wollen die Patienten überhaupt zurück in ihr altes Leben?

Manche wollen die Klinik kaum mehr verlassen. Sie hoffen auf vollständige Heilung, wenn sie nur lange genug in der Reha bleiben. Doch das funktioniert leider nicht. Deshalb ist es wichtig, Schritt für Schritt zu lernen, mit der neuen Situation umzugehen.

Es ist ebenfalls wichtig, dass Patienten allmählich den Weg zurück in ihr altes Leben finden. Der Hausarzt spielt bei der Koordination der ambulanten Behandlung eine entscheidende Rolle und kann dem Patienten die Sicherheit geben, die er benötigt, um angstfrei nachhause zurückzukehren.