Hornhautspende

  • In der Schweiz werden pro Jahr zirka 500 Hornhauttransplantationen durchgeführt.
  • Zur Transplantation werden nur menschliche Hornhäute verwendet, die zuvor in der Hornhautbank für die Transplantation vorbereitet wurden.
  • Menschen zwischen zehn und 80 Jahren sind als potenzielle Organspender geeignet, solange die Hornhaut intakt ist.
  • Die Hornhaut kann bis 24 Stunden nach dem Tod entnommen und als Spendermaterialaufbereitet werden.
  • Im Moment der Trauer ist es für die Angehörigen oft hilfreich, den Wunsch der Verstorbenen zu kennen. Eine vorhergehende Diskussion in der Familie erleichtert die Entscheidung.

Eine zweite Chance durch Spenderhornhaut: Alles, was an Schönem vorher nur verschwommen oder gar nicht wahrnehmbar war, wird wieder sichtbar. Nicht von heute auf morgen, aber für viele Betroffene, die unter stark eingeschränkter Sehkraft leiden, ist eine Transplantation der Hornhaut die einzige Möglichkeit wieder etwas Sehkraft zurückzubekommen.

Das «Fenster» des Auges

Schäden an der Hornhaut sind einer der häufigsten Gründe, warum Menschen erblinden. Die durchsichtige Hornhaut, Kornea genannt, ist die äus­sere Begrenzung des Auges, sozusagen ein Fenster, durch das man schaut. Jede Veränderung ihrer Klarheit zieht eine Verschlechterung des Sehvermögens nach sich. Sind erst einmal Eintrübungen vorhanden, bilden diese sich in der Regel nicht mehr zurück. Ab einem gewissen Stadium hilft daher nur noch der Austausch gegen eine gesunde, klare Hornhaut, die ein Verstorbener gespendet hat.

Eine neue Hornhaut benötigen in erster Linie Menschen, deren Hornhaut durch Verformungen oder Narben undurchsichtig geworden ist. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Verletzungen mit anschliessender Narbenbildung gehören zu den häufigsten. Auch Personen, deren Hornhaut so schwer entzündet war, dass Narben verblieben, sind oft auf einen Ersatz angewiesen. Dies kommt zum Beispiel nach einer Infektion der Hornhaut mit Herpesviren vor. Aber auch altersbedingt oder nach operativen Eingriffen kann es zu Hornhautveränderungen kommen, die eine Transplantation notwendig machen. Des Weiteren gibt es auch angeborene Hornhauterkrankungen.

Erste Gewebetransplantation

Die Hornhauttransplantation war die erste erfolgreiche Gewebstransplantation beim Menschen überhaupt. 1906, also vor über 100 Jahren, wurde die erste Hornhautverpflanzung am Menschen durchgeführt. Vielerorts ist ein metallisches Rundmesser das Instrument, mit dem die so genannte Trepanation der gerade mal 0,5 mm dicken Hornhaut durchgeführt wird. Die trübe oder verformte Hornhaut des Patienten wird damit ebenso herausgeschnitten wie ein entsprechendes Spenderscheibchen aus dem Auge ­eines Verstorbenen.

Grosse Chance und wenig ­Risiko

Wenn der Augenverband zum ersten Mal entfernt wird kann man Licht, Farben und Umrisse sehen. Einzelheiten werden verschwommen und unscharf sein. Nach einer Hornhauttransplantation kann es viele Wochen und Monate dauern, bis sich das Sehvermögen langsam bessert, während die Hornhaut heilt. In dieser Phase sind relativ viele augenärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig, um  den Heilungsverlauf zu beobachten und eventuelle Komplikationen rechtzeitig erkennen zu können.

Nicht für alle Betroffenen ist eine Transplantation sinnvoll. Je nach Ausgangsdiagnose ist die Prognose unterschiedlich. Es können Abstossungsreaktionen und oberflächliche Veränderungen der Hornhaut auftreten. In besonders schwierigen Fällen stehen die Chancen auf eine Heilung 60 zu 40 Prozent. Aber auch eine einmal fehlgeschlagene Transplantation schliesst einen weiteren Versuch nicht aus.

Im Normalfall ist die Erfolgsrate bei Hornhauttransplantationen, das heisst wenn keine akuten Entzündungen entstehen, mit über 90 Prozent sehr hoch. Neue Medikamente, welche die Immunabwehr am Auge unterdrücken, verbessern die Prognose für das Transplantatüberleben weiter. Eine neue Hornhaut ist für die Betroffenen eine riesige Chance auf ein angenehmeres Leben. Damit genug Menschen von dieser zweiten Chance profitieren können, braucht es auch eine hinreichende Anzahl von Hornhautspendern.