«Eine Handtherapie ist dann indiziert, wenn die körperlichen Strukturen an Fingern, Hand, Handgelenk, Ellenbogen und Oberarm Defizite aufweisen, etwa nach einer Krankheit oder einer Verletzung», sagt Brendon Brown. «Manchmal treten Symptome aber auch ohne äusseres Ereignis auf.» Häufige Probleme sind Schmerzen der Gelenke, Sehnen oder im Muskelgewebe.

Sie können die Lebensqualität betroffener Patienten empfindlich reduzieren. Daneben gibt es auch Einschränkungen der Beweglichkeit, Schwellungen in den Gelenken und Weichteilen oder Sensibilitätsstörungen. Im Bereich der Handtherapie steht ein breites Spektrum an therapeutischen Massnahmen zur Verfügung.

Dazu gehören etwa die manuelle Mobilisation und Massage, die Narbenbehandlung, Kräftigungs- und Ausdauertraining sowie die Schmerzbehandlung. Zudem werden auch Wunden mit modernsten Verbandstechniken versorgt, um die Wundheilung zu fördern. «Die Handtherapeuten können selber Gipsverbände und Schienen anpassen.

Dank thermoplastischem Material können auch spezielle Handschienen angefertigt werden, die dem Patienten trotz Ruhigstellung möglichst viel Bewegungsfreiheit erlauben», erläutert Brown.

Rückfälle verhindern

Die Therapieresultate seien in der Mehrzahl der Fälle gut, sagt er. «Leider ist es allerdings nicht immer möglich, eine komplette Ausheilung zu erzielen.» So etwa bei der Gelenksarthrose, bei der sich eine degenerative Veränderung in den Fingergelenken manifestiert. Dann sei eine spezifische Behandlung indiziert, um die Schmerzen auf einem möglichst tiefen Niveau zu halten.

Zum Einsatz kommen unter anderem spezielle Schienen sowie Stützen und Hilfsmittel, um die Belastung zu reduzieren, ebenso wie gelenkschonende Bewegungsübungen und ein gezielter Kraftaufbau der beteiligten Muskeln. Bei Sehnenscheidenentzündung kann nach einer möglichst kurzen Ruhigstellungsphase mit weiteren Therapien begonnen werden.

Wärme und Massage sind wichtige Vorbereitungsmassnahmen, um Weichteile und Sehnen für spezielle Bewegungsübungen vorzubereiten. Die Patienten lernen Sehnengleitübungen, um ein möglichst umfassendes Gleiten der Sehnen nach vorn und nach hinten zu fördern. Gleichzeitig gilt es darauf zu achten, dass die Sehnen sich dabei nicht wieder entzünden.

«Ein langfristig positives Resultat kann nur gesichert werden, wenn alle anatomischen Strukturen einen freien Bewegungslauf haben», betont Brendon Brown. Um Rückfälle zu verhindern, muss der Patient eine Zeit lang selbständig ein gezieltes Kräftigungs- und Bewegungsprogramm für die Hand absolvieren.

Hier wird unter anderem mit Dehnungen, Knetmasse und Hanteln gearbeitet. Zudem werden mit dem Patienten ergonomische Aspekte wie etwa die Höhe des Arbeitspults, die Körperhaltung, der Gebrauch von Werkzeugen und das Einhalten von Arbeitspausen diskutiert. «Dabei werden Problembereiche identifiziert und gemeinsam Lösungen erarbeitet», so Brown.

Problem der Spezialisierung

In den letzten Jahren hätten überlastungsbedingte Handprobleme eher zugenommen, sagt der zertifizierte Handtherapeut. Den Grund ortet er in der beruflichen Spezialisierung, bei der  Hände wiederholt stark belastenden Bedingungen ausgesetzt sind.

Auch der vermehrte Gebrauch von Tastaturen, Smartphones inklusive SMS-Kommunikation sowie der Gebrauch von Gamekonsolen tragen zu einer höheren Belastung der Hände bei. Dasselbe kommt auch im Sport vor.

«Ein Patient hat sich kürzlich gewundert, weshalb er plötzlich unter Schmerzen in den Händen litt», erwähnt Brendon Brown ein Beispiel aus seiner Praxis. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Mann nach einem langen Arbeitstag am PC ins Fitness-Center geht und am Wochenende klettert oder rudert. «Solche mehrfache Belastungen der Hände können zu Überlastungsproblemen führen.»