Nicht so die erfolgreiche Schauspielerin Kate Winslet

Sie sorgte 2015 für Schlagzeilen mit einer seltenen Beichte: «Es ist unglaublich, zwei Mal niesen und mir geht’s gut, drei Mal niesen und es heisst ‹Game over›. Ich kann nicht mehr Trampolin springen, weil ich sonst nass bin. Es ist absolut schrecklich, vor allem wenn du einen Rock trägst.» Die Hollywoodschönheit brach damit ein grosses Tabuthema.

Wie viele Frauen zwischen 30 und 40 Jahren leidet sie schon an einer Blasenschwäche als Folge von Schwangerschaften und Geburten. Frauen sind deshalb wesentlich häufiger betroffen als Männer. Wer nicht in der Lage ist, seine Blase zu kontrollieren, ist oft beschämt und leidet im Stillen. So ist zum Beispiel  bei jeder zweiten Frau auch das  Sexualleben betroffen, was häufig ausser Acht gelassen wird.

Es werden mehrere Formen von Harninkontinenz unterschieden. Besonders häufig sind die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz sowie eine Mischform dieser beiden. Eine erste Differenzierung der Inkontinenztypen kann anhand der Symptome vorgenommen werden.

 

 

Belastungsinkontinenz

Bei der Belastungsinkontinenz kommt es bei körperlichen Aktivitäten wie Husten, Niesen und Sport zum Urinabgang. Diese Form der Inkontinenz ist die häufigste und Frauen im mittleren Lebensalter sind besonders häufig betroffen, so wie die 42-jährige Kate Winslet.

Eine erste Behandlungsmöglichkeit der Belastungsinkontinenz ist die Beckenbodenkräftigung in der Beckenbodenphysiotherapie. Spezielle Kontinenz-Tampons können vorübergehend hilfreich sein. Eine Operation ist bei einer Einschränkung der Lebensqualität indiziert. Die sogenannte «TVT-Bändchenoperation» führt mit einem kleinen Eingriff zu einer grosse Wirkung.

In Lokalanästhesie wird ein Kunststoffbändchen aus Polypropylen unter der Harnröhre eingesetzt und stützt bei plötzlicher Belastung des Beckenbodens die Harnröhre, sodass kein Urin mehr abgeht. Die Erfolgsraten sind abhängig von der Erfahrung des Operateurs und liegen über 90 Prozent. Bei schwacher Harnröhre kann die Erfolgsrate der Operation tiefer sein. Dies ist einer der Gründe, dass vor der Operation eine genaue Untersuchung (Urodynamik) beim Spezialisten durchgeführt wird.

Dranginkontinenz beziehungsweise überaktive Blase

Das Hauptsymptom der überaktiven Blase ist ein plötzlich auftretender, starker Harndrang, es kommt zu gehäuftem Wasserlösen am Tag und teilweise in der Nacht. Kommt es auch zur  Harninkontinenz, bevor die Toilette erreicht wird – dann spricht man von Dranginkontinenz. Viele Frauen melden sich erst dann zur Abklärung und berichten dann: «Ich channs nöme hebe.» Sie suchen deshalb nicht selten 10 bis 20 Mal pro Tag das WC auf und entleeren nur kleine Portionen.  

Mindestens jeder sechste Erwachsene leidet an einer überaktiven Blase. Damit gehört das Krankheitsbild der überaktiven Blase zu den häufigsten Krankheiten und ist häufiger als zum Beispiel Diabetes oder Rheuma.

Blasentraining, Beckenbodenphysiotherapie und Medikamente sind wichtige Elemente einer erfolgreichen Therapie. Ziel des Blasentrainings ist die Steigerung des Blasenfassungsvermögens.

Die zeitlichen Abstände zwischen den Toilettengängen werden schrittweise und teils mit Unterstützung von «blasenentspannenden» Medikamenten erhöht. Auch pflanzliche Produkte können unterstützend hilfreich sein. Die Blase lernt somit, mehr Wasser aufzunehmen und zu behalten, ohne dass Urin abgeht.

Mit den konservativen, individuell angepassten Therapieoptionen mit Blasentraining, Beckenbodenphysiotherapie und Medikamenten erreichen viele Patientinnen eine Besserung der Lebensqualität. Ist dies nicht der Fall, muss die operative Therapie mitdiskutiert werden.

Der auch unter dem Namen «Botox» bekannte natürliche Wirkstoff Botulinum-Toxin A wird während einer Blasenspiegelung an circa 20 verschiedenen Stellen in den Blasenmuskel gespritzt. Diese einfache Therapie führt häufig zu einer sehr eindrücklichen Verbesserung der Drangsymptomatik. Die Wirkung nimmt aber langsam ab. Gemäss unseren Erfahrungen ist meist nach circa 1,5 Jahren eine erneute Injektionstherapie nötig.

Mischformen der Inkontinenz

Bei der Mischinkontinenz sind die Patienten sowohl von Symptomen der überaktiven Blase als auch von Symptomen der Belastungsinkontinenz betroffen. Dabei können die Symptome beider Inkontinenzformen unterschiedlich ausgeprägt sein.

Bei  Frauen ab dem 55. Lebensjahr ist dies die häufigste Form. Aufgrund der vielfältigen und unterschiedlichen Symptome ist die Mischinkontinenz schwieriger zu diagnostizieren und zu behandeln als die übrigen Formen der Inkontinenz. Auch in diesen Fällen kann eine spezialärztliche Untersuchung mit Urodynamik helfen, einen genauen Therapieplan zu erstellen.