Diabetes, Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung: An solche Erkrankungen denkt man kaum, wenn es ums Zähneputzen geht. Tatsächlich aber gibt es deutliche Hinweise dafür, dass sie mit der persönlichen Mundhygiene in einem gewissen Zusammenhang stehen.

Ein Zahn steckt im Knochen und ist verankert über das stark durchblutete Zahnfleisch. Bei einer Entzündung werden so ständig Bakterien in die Blutbahn abgegeben. Auf diesem Weg gelangen Erreger in Lunge, Herz oder Hirn und können dort wiederum Entzündungen hervorrufen.

Zahnfleischentzündungen sollten deshalb unbedingt vom Zahnarzt behandelt werden. Die Zeichen sind einfach zu erkennen: Man bemerkt eine Schwellung, die betreffende Stelle ist gerötet, es blutet beim Zähnebürsten. Gerade bei Senioren treten Entzündungen am Zahnfleisch gehäuft auf, weil ihnen gewisse Alterserscheinungen die Mundpflege erschweren.

Zum Beispiel durch weniger Kraft in den Händen oder schlechteres Sehen. Zudem legen ältere Menschen erfahrungsgemäss weniger Wert auf regelmässige Kontrollen beim Zahnarzt.

Orale Gesundheit verbessern

«Eine Eintrittsuntersuchung durch einen Zahnarzt oder idealerweise durch den Heimzahnarzt sowie die Nachbetreuung durch eine Prophylaxe-Assistentin zusammen mit einer wirksamen Mundhygiene durch das Pflegepersonal bringen zum Beispiel in Alterseinrichtungen eine klare Verbesserung der oralen Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner», sagt der Zahnmediziner Giorgio Menghini.

Statistische Erhebungen zeigen zwar, dass in den letzten rund 25 Jahren die durchschnittliche Anzahl noch vorhandener Zähne bei den Bewohnenden von Pflegeheimen zugenommen hat, während der Anteil von Prothesenträgern gesunken ist. Die Mundhygiene ist dagegen gemäss Menghini bei rund zwei Dritteln der Heimbewohnenden weiterhin als sehr schlecht einzustufen.

«Die bis anhin von verschiedenen Gremien, Fachgesellschaften und Verbänden postulierten und zum Teil durchgeführten Massnahmen zur Verbesserung der Lage haben sich nicht spürbar auf die orale Gesundheit dieser Bevölkerungsschicht ausgewirkt», sagt Menghini.

Zahnpflege im Alter

In Pflegeeinrichtungen ist es angebracht, die zahnmedizinische Betreuung in drei Stufen zu gliedern: eine vom Pflegepersonal regelmässig durchgeführte wirksame Mundhygiene, eine standardisierte zahnmedizinische Eintrittsuntersuchung durch einen Zahnarzt sowie eine professionelle Mundhygiene durch eine Prophylaxe-Assistentin.

Die wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Umsetzung der Mundhygiene ist eine individuelle praktische Instruktion des Pflegepersonals direkt am Patienten unter der Führung einer dafür ausgebildeten Prophylaxe-Assistentin.

Durch die regelmässige Entfernung von Speiseresten und mikrobiellem Zahnbelag (Plaque) auf Zähnen, Kronen, Brücken, Implantaten und Prothesen sowie durch die Befeuchtung der Mundschleimhaut wird eine Steigerung des Wohlbefindens der Heimbewohner und -bewohnerinnen erreicht.

Dabei werden folgende Ziele angestrebt: weniger Karies (langsameres Fortschreiten), weniger Zahnfleischentzündungen, weniger durch Prothesen verursachte Schleimhautentzündungen, ein verminderter Mundgeruch sowie keine Schmerzen im Mundbereich und eine angemessene Kaufähigkeit.