Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden und betreffen sowohl jüngere wie auch ältere Menschen. Oft ist der Auslöser von Schulterschmerzen ein Sturz auf Schulter oder Arm. Aber auch Verschleisserscheinungen, Sportverletzungen oder gar plötzlich auftretende Schmerzen ohne erkennbare Ursache sind möglich.

Aber heute gibt es viele erfolgsversprechende Behandlungsmöglichkeiten, erklärt Professor Christian Gerber, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Orthopädie: «Bei den meisten Schulterleiden ist eine Operation nicht nötig und es kann bereits mit Physiotherapie und Schmerzmitteln eine deutliche Besserung erzielt werden.»

Wo dennoch eine Operation nötig wird, stehen alle Zeichen auf Erfolg. «In den letzten Jahren wurden wesentliche Fortschritte in der chirurgischen Behandlung der Schulter erzielt. Heute kann mit kleinsten Eingriffen ein herausragendes Ergebnis erzielt werden», sagt Gerber. Bei minimalinvasiven arthroskopischen Operationen macht der Operateur keine grossen Schnitte mehr, um ein Gelenk zu öffnen.

Es sind nur zwei kleine Öffnungen erforderlich, durch die jeweils eine Optik mit angeschlossener Kamera sowie feinste Operationsinstrumente eingeführt werden. So kann der Schaden am Gelenk inspiziert und unmittelbar behoben werden.

Chronischer Sehnenverschleiss ist häufig

Hinter den Schulterproblemen stecken unterschiedliche Ursachen. «Bei jung­en Menschen sind Schulterprobleme oftmals auf Instabilitäten wie Verletzungen und Verrenkungen zurückzuführen. Ältere Patienten leiden häufiger unter einem Sehnenriss», erklärt Gerber.

Ein solcher Riss der Rotatorenmanschette betrifft rund 20 bis 25 Prozent der 60- bis 70-jährigen Patienten. Häufig ist ein chronischer Sehnenverschleiss mit ursächlich dafür, dass es zum Sehnenriss kommt. Laut Gerber reicht zu einem Riss einer vorgeschädigten, verschlissenen Sehne manchmal eine Alltagsbelastung. Aber auch das Engpass-Syndrom kann im Laufe der Zeit zum Anriss oder kompletten Sehnenriss führen.

Beim Engpass-Syndrom besteht eine Einengung zwischen Schulterdach- und Oberarmknochen: Die dort verlaufende Sehne und der Schleimbeutel werden dadurch schmerzhaft gequetscht. Neben chronischen Schmerzen ist ein zunehmender Kraft- und Funktionsverlust des Arms kennzeichnend. Ob eine gerissene Sehne operiert wird, hängt oftmals vom Bewegungs- und Belastungsanspruch des Patienten ab.

Bewegen, aber nicht belasten

Zu den Verschleisserscheinungen der Schulter zählt auch die Schulterarthrose. «Zur Arthrose kommt es insbesondere nach immer wiederkehrenden kleineren Verletzungen etwa bei intensiver körperlicher Arbeit oder auch bei intensivem Sport», so Christian Gerber. Anfangs spürt der Betroffene belastungsabhängig Schmerzen.

Später kommt es häufig zu bohrenden Ruheschmerzen. Die Behandlung erfolgt zu Beginn mit Medikamenten und Physiotherapie. Dabei heisst es: Viel bewegen, aber nicht belasten! Wenn das nicht genügt, sind operative Eingriffe erforderlich.

Bei jüngeren Patienten kann  eine Spülung und Reinigung des Gelenks versucht werden, um Besserung zu erzielen. Wenn die Arthrose allerdings weiter fortgeschritten ist, benötigt es im schlimmsten Fall ein künstliches Schultergelenk.

Schulterinstabilität kann ­chronisch werden

Ob eine Operation nötig ist, hängt auch bei der sogenannten Schulterinstabilität davon ab, ob diese bereits chronisch ist. Bei der Schulterinstabilität, meistens durch Unfälle wie einem Sturz auf den Arm bedingt, wird der Oberarmkopf gewaltsam aus der Gelenkpfanne gerissen. Dieser kann meist wieder in die Schulterpfanne eingerenkt werden.

Wenn allerdings wichtige Strukturen wie Stabilisierungsbänder und eine so genannte Gelenklippe verletzt werden, kann eine chronisch instabile Schulter resultieren: die Schulter renkt sich immer wieder aus. Eine solche instabile Schulter kann unter Umständen ebenfalls arthroskopisch werden.

Hierbei werden abgerissene Bänder und Gelenklippe wieder angenäht. Nachdem sie fest geheilt sind, ist die Schulter wieder belastungsfähig.