Frau Mahrer, die Pflege an sich ist bereits sehr anspruchsvoll. Mit welchen Herausforderungen ist das Pflegepersonal bei der Betreuung herzkranker Patienten gefordert?

In der akuten Phase betrifft es die Pflegenden der Notfall- und Intensiv-Herzstationen. Hier geht es oft ums Überleben. Das Monitoring und das Verhindern von Komplikationen wie Rhythmusstörungen oder Blutdruckabfälle stehen im Vordergrund. Dann müssen auch Risikofaktoren wie Rauchen angesprochen werden.

Heute wissen wir, dass eine frühe, auf den Patienten abgestimmte, pflegerische Schulung zu einer höheren Teilnahme an Rehabilitationsprogrammen führt und die Patienten sich besser auf das Leben nach dem akuten Koronarsyndrom vorbereitet fühlen.

Inwiefern unterscheidet sich die Pflege von Patienten mit einer Herzerkrankung von der Betreuung anderer Patienten?

Im spezifischen Inhalt. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sind beispielsweise die Empfehlungen, wie mit dem schwachen Herz umgegangen werden muss, auf eine Veränderung der Lebensgewohnheiten ausgerichtet.

Da gilt es, neben der konsequenten Einnahme von Medikamenten, zu lernen, sein Gewicht zu kontrollieren, wenig Salz zu sich zu nehmen und Symptome richtig einschätzen zu können.

Über welche Kompetenzen, Fähigkeiten und Kenntnisse muss das Pflegepersonal verfügen?

Neben dem Beherrschen verschiedener Techniken bei vitalen Krisen wie Rhythmusstörungen und anderen Komplikationen, bei denen rasch reagiert werden muss, geht es im weiteren Verlauf um die Patientenedukation.

Also die Schulung der Patienten mit Blick auf ihre Erkrankung durch Information, Beratung und Anleitung. Sie ist Teil des Konzeptes zur Gesundheitsförderung in der Pflege.

Worauf muss bei der Pflege herzkranker Patienten besonders geachtet werden?

Herzkranke Patienten sind meist in eine Familie eingebunden, die ebenfalls betroffen ist. Studien haben gezeigt, dass der Stress bei Familienangehörigen am Anfang oft höher ist als bei den erkrankten Patienten. Eine eigene Untersuchung hat ergeben, dass Paare unterschiedlich mit der Situation umgehen und ein Teil mit Angst und Verunsicherung reagiert.

Andere sehen die veränderte Situation aber auch als Chance, in der Beziehung und im gemeinsamen Leben etwas ändern zu müssen. Da Pflegepersonen häufig an vorderster Front arbeiten, können sie hier viel zur Stressreduktion beitragen.

Wie wird sich die Pflege herzkranker Patienten in Zukunft ändern?

Wir werden mehr Patienten mit einer Herzinsuffizienz haben. Daher gilt es, diese Patienten so zu unterstützen, dass sie möglichst lange ein Leben mit hoher Lebensqualität führen können. Neue Technologien führen einerseits zu vermehrtem Technikeinsatz in der Medizin wie künstliche Herzen und Schrittmacher, anderseits zu neuen Instrumenten wie E-Health, mit denen die Patientenedukation unterstützt wird.

Die medizinischen Techniken bringen auch ethische Fragen und Problemstellungen mit sich, vor allem am Lebensende. Wann sollen Devices wie Schrittmacher und implantierte Defibrillatoren abgestellt werden, wie ist dies mit den Patienten zu thematisieren, wie spricht sich das interprofessionelle Team aus Ärzten und Pflegefachpersonen ab, damit im besten Interesse des Patienten und der Angehörigen kommuniziert wird: Solche Fragen müssen dezidiert angesprochen werden.