In der klinischen Praxis unterscheidet man drei Schweregrade von Hirnverletzungen: leichte (Gehirnerschütterungen), mittelschwere und schwere Hirnverletzungen. «Bei den schweren Hirnverletzungen sind Unfälle im Strassenverkehr die häufigste Ursache», weiss Prof. Dr. med. Sönke Johannes.

Verletzungen des Gehirns gehen häufig mit einer Bewusstlosigkeit einher. Diese bietet vielfach einen guten Schutz vor einer direkten psychischen Traumatisierung durch das Unfallereignis, einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung.

Die menschliche Psyche und die Motivation der Betroffenen sind wesentliche Faktoren, die zur Besserung beitragen

Menschen, die unfallbedingte Beeinträchtigungen von körperlichen oder geistigen Fähigkeiten haben, stehen besonderen Herausforderungen gegenüber. Ihre gesamte Lebensperspektive ist plötzlich in Frage gestellt.

«Es ist immer wieder beeindruckend mitzuerleben, mit welcher Willenskraft und Intensität es unseren Patienten gelingt, mit rehabilitativer Unterstützung die Beeinträchtigungen zu überwinden», so Prof. Johannes.

Gemäss Johannes sind die menschliche Psyche und die Motivation der Betroffenen wesentliche Faktoren, die zur Besserung beitragen. Diese gezielt zu fördern und die Betroffenen bei der Genesung aktiv zu unterstützen, ist denn auch Aufgabe der rehabilitativen Therapie.

Therapie- und Operationsmöglichkeiten

Wichtig ist, dass nach einer Hirnverletzung unmittelbar festgestellt wird, ob eine Blutung zwischen Gehirn und Schädelknochen aufgetreten ist, die das Gehirn zusammendrückt und schnell operativ entfernt werden muss. Auch muss beobachtet werden, ob sich ein Hirnödem entwickelt. Dies ist eine Wasseransammlung im Gehirn, die zu einem Druckanstieg im Schädelinnern führt und dadurch das Gehirn schädigt.

«In diesen Fällen wird zur Druckentlastung ein Teil des Schädelknochens entfernt und später wieder eingesetzt, damit sich das Gehirn vorübergehend ausdehnen kann», erklärt Prof. Johannes. Im weiteren Verlauf ist die fachgerechte intensivmedizinische Behandlung von grosser Bedeutung. Es geht darum, mögliche Folgestörungen wie zum Beispiel Stoffwechselentgleisungen, Blutgerinnungsstörungen und Infektionen zu vermeiden.

Gemäss Prof. Johannes sollte möglichst früh mit einer kompetenten, intensiven und zielgerichteten Rehabilitation begonnen werden, weil sich dadurch die Prognose für die Betroffenen erheblich verbessert. Die Folgen einer Gehirnerschütterung heilen in der Regel vollständig ab.

Prof. Johannes ergänzt: «Viele Patienten überwinden auch im Zuge der Rehabilitation die Folgen ihrer mittelschweren oder schweren Hirnverletzungen mittel- und langfristig vollständig oder zumindest soweit, dass sie in ihrem privaten und sozialen Umfeld sowie im Beruf ihre ‚ursprüngliche Rolle‘ wieder einnehmen können.»