Allein in den USA erleiden täglich über 40'000 Menschen eine akute Verletzung des Sprunggelenks. Obschon Zerrungen, partielle oder vollständige Bänderrisse Routine sind, warnt Victor Valderrabano, Präsident der Schweizerischen Sportorthopädie-Gesellschaft GOTS, davor, diese Verletzungen zu verharmlosen: «Wer eine Bänderverletzung nicht ernst nimmt und richtig behandeln lässt, geht das Risiko ein, schon nach wenigen Jahren an einer chronischen Instabilität zu leiden, das heisst ein instabiles Gelenk für immer zu bekommen.»

Dieses Risiko steigt insbesondere dann markant an, wenn Patienten dem verletzten Gelenk zu früh zu viel zumuten.

Zeit und Geduld

Die Heilung einer Bänderverletzung braucht Zeit. Reisst ein Band, wird eine Blutung ausgelöst und damit der natürliche Heilungsprozess eingeleitet. Nach zwei bis vier Wochen aktivieren und vermehren sich die Zellen allmählich und produzieren eine Matrix.

Ab der sechsten Woche nach dem Unfall ist die anatomische Verbindung innerhalb des verletzten Bandes zwar wieder hergestellt, allerdings noch biomechanisch sehr schwach.

«Ich rate meinen Patienten, von Beginn weg zur Physiotherapie zu gehen, um anfänglich die Schwellung zu reduzieren und ab der sechsten bis siebten Woche das Gelenk leichten äusseren Belastungen auszusetzen, um damit einen feinen Reiz auszulösen», erklärt Valderrabano. Erst nach sechs Monaten ist dann die gesamte biomechanische Stärke des Bands wieder vollständig hergestellt.

Operation nicht immer nötig

Doch nicht in jedem Fall kann das Band auf natürliche Weise verheilen. «Eine Bandverletzung sollte wenn möglich konservativ behandelt werden, doch das ist nicht immer möglich», erklärt der Chefarzt.

Eine Operation ist dann nötig, wenn eine zusätzliche Verletzung, wie etwa die eines Knorpels oder des Meniskus besteht oder durch einen schweren Unfall eine offene Wunde oder Bruch vorliegt.

Doch auch andere Faktoren, wie beispielsweise Übergewicht oder eine Fehlstellung der Beine können Gründe für eine Operation im chronischen instabilen Fall sein.

Um beurteilen zu können, wie schwerwiegend eine Verletzung ist, rät Valderrabano das eigene Schmerzempfinden ernst zu nehmen: «Ist das Gelenk geschwollen, hat es einen Bluterguss gegeben und kann der Verunfallte kaum noch laufen, sollte er auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.»

Gleiches Resultat

Ob eine akute Bänderverletzung operativ behandelt wird oder auf natürliche Weise verheilt, hat keinen Einfluss auf das Endergebnis. «Studien haben gezeigt, dass konservative und operative Massnahmen exakt dieselben Resultate bringen bei akuten unkomplizierten Bandläsionen», so Valderrabano. Der Erfolg der konservativen Heilungsmethode ist jedoch stark vom Patienten abhängig.

So ist es von enormer Wichtigkeit, dass die Orthese – also die orthopädische Stabilisierungshilfe – regelmässig und nach Anweisungen des Arztes getragen wird. Dank der grossen Vielfalt verschiedener Orthesen, wird der Patient im Alltag nicht mehr stark eingeschränkt: «Früher steckte man jedes verletzte in einen Gips.

Heute weiss man, dass diese 100-prozentige Unbeweglichkeit nicht die optimale Lösung für den Heilungsprozess ist.» Bei Zerrungen und Teilrissen kommt deshalb häufig eine leicht-flexible Orthese, wie eine Bandage, zur Anwendung. Bei schweren Verletzungen braucht es starke Orthese oder einen stabilisierenden Schuh. Es gilt: Je geringfügiger die Verletzung, desto flexibler die Orthese.