Die koronare Herzerkrankung kann zu einem akuten Koronarsyndrom führen. Es handelt sich dabei um die häufigste, gravierende Herzerkrankung, die einen drohenden oder manifesten Herzinfarkt beschreibt.

Schlimmstenfalls kann es zum so genannten «plötzlichen Herztod» aufgrund von Kammerflimmern oder einer Asystolie (Herzstillstand) kommen. Weitere schwere kardiale Erkrankungen sind die manifeste Linksherz-Insuffizienz («Pumpversagen» der linken Herzkammer mit Rückstau des Blutes in der Lunge mit der Folge eines Lungenödems mit Luftnot bis hin zum Atemstillstand und Kreislaufversagen) oder Herzrhythmusstörungen, die ebenfalls zum Kreislaufversagen führen können. Andere, aber weniger häufige kardiale Notfälle wie die Aortendissektion (Einriss der Innenschicht der Aorta) sind lebensbedrohliche Ereignisse, die der sofortigen Behandlung zugeführt werden müssen.

«Der Herzinfarkt ist nach wie vor die Haupttodesursache in den Industrienationen», betont Friederike Orellana, Fachärztin Allgemeine Medizin und Chirurgie sowie Ärztliche Leitung des Notfall-Zentrums an der Klinik Hirslanden, in diesem Zusammenhang.

Hinweise auf mögliche Ursachen

Das Leitsymptom der häufigsten gravierenden kardialen Erkrankung, des akuten Koronarsyndroms, ist der anhaltende, starke Brustschmerz, oft mit Ausstrahlung in den linken Arm, aber auch zwischen die Schulterblätter, in den Unterkiefer oder Oberbauch.

Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, kalter Schweiss, Kollaps und Todesangst. «Jeder anhaltende Brustschmerz ist ein Alarmzeichen und muss umgehend abgeklärt werden», warnt Friederike Orellana.

Vorhandene Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, frühere Herzinfarkte und bekannte hohe Blutfette geben wichtige Hinweise auf eine mögliche Ursache. Bei jüngeren Menschen sollte man auch an Drogenmissbrauch (Kokain) denken. Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung ist das Elektrokardiogramm die Standarduntersuchung in Klinik und Praxis.

Die wichtigste Behandlung beim Herzinfarkt ist die rasche Wiederherstellung der Durchblutung des Herzmuskels. Idealerweise werden Patienten mit einem akuten Herzinfarkt so schnell wie möglich einer Herzkatheteruntersuchung zugeführt mit der Möglichkeit, das verstopfte Blutgefäss wieder zu eröffnen und offen zu halten (Implantation so genannter Stents).

In schwierigen Situationen kann auch eine Bypass-Operation notwendig sein. Anschliessend werden durchblutungsfördernde Medikamente gegeben, die zum Teil dauerhaft eingenommen werden müssen.

Herzdruckmassage und Beatmung

Die Behandlungsmöglichkeiten beziehungsweise diagnostischen Optionen ausserhalb des Spitals sind begrenzt und beschränken sich unter Umständen auf lebensrettende Sofortmassnahmen. «Der Hausarzt oder Rettungsdienst hat die Möglichkeit, den Kreislauf zu stabilisieren und Schmerzmittel sowie durchblutungsfördernde Medikamente zu verabreichen», erläutert Friederike Orellana.

Ob Arzt, Sanitäter oder Laie: Jeder, der einen Patienten mit offensichtlichem Herzstillstand vorfindet, muss unverzüglich den Notruf 144 alarmieren und dann unmittelbar mit Wiederbelebungsmassnahmen beginnen. Also Herzdruckmassage und Beatmung, unabhängig von der möglichen Ursache.

«Man kann nichts falsch machen. Basale Wiederbelebungsmassnahmen kann und sollte jeder erlernen», so Orellana. Ideal ist, wenn sich ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) in erreichbarer Nähe befindet und von einem weiteren Helfer geholt werden kann. Mittels AED kann man unter anderem gravierende Herzrhythmusstörungen wie das Kammerflimmern erkennen und behandeln. Die Automatischen Defibrillatoren sind einfach zu bedienen.

Reibungslose Zusammenarbeit

Im Spital sind die Abläufe standardisiert. Befindet sich der Patient in einem instabilen Zustand, wird er unverzüglich zur Stabilisierung auf die Intensivstation verlegt. Sprechen auf der Notfallstation die ersten Untersuchungsergebnisse eindeutig für einen Herzinfarkt, wird der Patient so schnell wie möglich einer Herzkatheteruntersuchung zur Wiederherstellung der Durchblutung zugeführt.

Bei einem kardialen Notfall müssen alle beteiligten Helfer reibungslos zusammenarbeiten: Hausarzt, Rettungsdienst, Pflege, Notfallarzt und Kardiologe. Wenn ein Patient rasch einer geeigneten Behandlung zugeführt werden konnte, kann er idealerweise schnell wieder nach Hause entlassen werden.

Bei schwereren Verläufen, Bypass-und Herzklappenoperationen ist eine stationäre Rehabilitation angezeigt. «Dabei stehen vor allem das körperliche Training, Schulung in der Ernährung, Raucherentwöhnung und die Medikamenteneinnahme im Vordergrund», betont Friederike Orellana.