Leider fällt oft erst im Kindergarten auf, wenn ein Kind nicht sprechen oder – fast noch wichtiger – nicht verstehen kann. Spätestens dann kann ambulante Logopädie helfen. Meist üben Frauen diesen Beruf aus, aber ihre kleinen Patienten sind öfter Buben als Mädchen.

Sie therapieren zudem auch Erwachsene, denen, etwa durch eine Hirnblutung, die Sprache abhanden kam. Im Vorkindergartenalter ist oft nicht nur das Sprachvermögen betroffen, sondern auch die Zeichnungs- und Spielentwicklung, die Motorik.

In der Logopädie läuft in diesem Alter viel über das Spiel. Schwer haben es Kinder aus spracharmen Familien, die ohne Kommunikation, Bücher, Lieder oder Geschichten aufwachsen.

Ein Fernsehapparat bringt für die Sprachentwicklung nichts, das Kind braucht lebendige Gesprächspartner. Logopäden thematisieren die Probleme mit den Eltern und bitten sie, ihre Tätigkeiten mit Worten zu begleiten. Kommt das Kind weder im Kindergarten noch später in der Schule richtig mit und wird auffällig, kann nach ambulanter Therapie eine Sprachheilschule die richtige Lösung sein.

«Der Auftrag des Kantons lautet, nach Möglichkeit die Rückschulung in die Volksschule zu erreichen», sagt Susan Christen, seit dem 1. August Institutsleiterin der Sprachheilschule St. Gallen, an der sie schon lange tätig ist. Hier betreuen 160 Mitarbeitende 250 Schulkinder vom Kindergarten bis zur Oberstufe in Kleinklassen. 55 Kinder besuchen das Schul-Internat. Finanziert wird die Schule durch den Kanton, die Schulgemeinde und einen – bescheidenen – Elternbeitrag.

Die IV zog sich nach dem neuen Finanzausgleich zurück. Die nur in St. Gallen angebotene Oberstufe wird auch von ausserkantonalen Jugendlichen bis zu einer Berufslehre besucht. Lehrplan und Lehrmittel sind die gleichen wie in den Regelklassen. Sogar das obligatorische Englisch wird in halbierten dritten sowie Französisch in halben fünften Klassen unterrichtet.

Sobald Lesen und Schreiben geschafft sind, ist die tägliche Schulsprache schon wegen der Schulbücher wie überall Hochdeutsch, aber nicht dogmatisch: «Uns ist es lieber, dass ein Kind eine Frage im Dialekt beantwortet als gar nicht», sagt Susan Christen.