Durch schreckliche und entsetzliche Erlebnisse können Traumata entstehen. Wir versuchen uns dann durch starre Verhaltensmuster zu schützen, die mit der Zeit zu körperlichen und seelischen Beschwerden führen können.

So entwickeln wir z.B. Muskelverspannungen, Kreislaufstörungen, Atem- und Herzprobleme, Schwindel, Schmerzen in verschiedenen Körperbereichen, sexuelle Probleme, Depressionen, Angst- und Panikattacken, Konfliktängste oder auch das Gefühl, nicht wirklich anwesend und lebendig zu sein.

Wenn in der Therapie eine eventuelle Verbindung zwischen den Symptomen und den Lebensereignissen bewusst gemacht wird, entdecken wir in diesen Schutzreaktionen Ressourcen, die uns eine positive Entwicklung und die Überwindung psychischer Probleme ermöglichen.

Die verschiedenen Richtungen innerhalb der Körperpsychotherapie greifen das Zusammenwirken zwischen Körper und Psyche in unterschiedlicher Art und Weise auf. Es gibt eine Vielfalt von Methoden zur Verbesserung der Körperwahrnehmung und dem Bewusstmachen, wie Körper und Psyche eine Einheit bilden und zusammen funktionieren.

Mittels Atemübungen, Bewegung, therapeutischer Berührung, gestaltenden Elementen und Gesprächen wird die Selbstwahrnehmung gefördert. Dies führt zur Auflösung starrer Verhaltensmuster und hat positive Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung und die Regulation zwischenmenschlicher Beziehungen.

Das theoretische Fundament der Körperpsychotherapie beschreibt die Komplexität der Interaktionen zwischen Körper, Psyche und Geist. Dabei spielt das Autonome Nervensystem als Schnittstelle zwischen Psychologie und Physiologie eine wichtige Rolle.

Die grundlegende Annahme ist, dass der Körper die ganze Person reflektiert. Der Körper bedeutet nicht nur „Soma“ als etwas vom Geist oder der Psyche Getrenntes. Geist, Psyche und Körper sind interaktive Bestandteile im gesamten Organismus.

Dies ist seit Beginn der Körperpsychotherapie der Ausgangspunkt. Seit dem Einzug der Neurobiologie in Bereiche der Pädagogik, Psychologie und Psychotherapie nähern sich auch andere Psychotherapieformen dieser komplexen Denkweise an.

Physiologische Schutzreaktionen werden in ihrem chronologischen und sozialen Kontext verstanden. So können beispielsweise durch erhöhten Stress oder durch traumatische, unbewältigte Ereignisse entstandene Schutzreaktionen bearbeitet und durch neue sensomotorische Verhaltensweisen ersetzt werden.

Aus einem unbewussten Affekt mit eingefrorenen Bewegungen kann sich eine bewusste Emotion entwickeln, die im Körper wahrgenommen und verbal kommuniziert werden. Der Druck der Vergangenheit wird geringer und die Person freier, um mehr im Hier und Jetzt zu leben.

Die Körperpsychotherapie gehört zu den ältesten Richtungen der modernen Psychotherapie. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erforschten beispielsweise Pierre Janet, Georg Groddek, Elsa Gindler und Wilhelm Reich u.a. in ihrer Praxis, wie Atmung und Muskulatur bei Angst und Unwohl-Sein einerseits und andererseits im Zustand von Liebe und Entspannung reagieren. So entdeckten sie grundlegende Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und Geist.

Heute ist die Körperpsychotherapie eine Wissenschaft mit theoretischen Wurzeln in der Neurophysiologie, Neuropsychologie, in der Entwicklungspsychologie, Anthropologie und Ethnologie.

Die Persönlichkeits- und Strukturmodelle sowie die vielseitigen therapeutischen Methoden und Interventionen, haben sich in der Praxis bewährt. In Studien- und Forschungsergebnissen zeigt sich übereinstimmend die positive Auswirkung körperpsychotherapeutischer Behandlungen auf eine veränderte Verhaltensweise im Alltag und damit auf die Gesundheit. 

Körperpsychotherapie ist eine von der EAP, European Association for Psychotherapy, validierte und wissenschaftlich anerkannte Psychotherapiemethode. In der Schweiz gibt es sieben Ausbildungsinstitute für Körperpsychotherapie.

Fünf von diesen sind auch von den Psychotherapieverbänden und Krankenkassen als Psychotherapiemethode anerkannt. In allen Ausbildungsinstituten werden auch TherapeutenInnen ausgebildet, deren Behandlungen durch Versicherung in Komplementärmedizin zurückerstattet werden.