Wer Therese Oesch zum ersten Mal sieht, dem fallen zwei Dinge auf: Zum einen der Schlauch, der die Birsfelderin über die Nase mit Sauerstoff versorgt. Zum anderen ihre positive Ausstrahlung.

Das zweite ist nicht selbstverständlich, denn Therese Oesch hat pulmonale Hypertonie. Dabei handelt es sich um einen abnorm hohen Blutdruck zwischen Herz und Lunge. Diese Erkrankung ist unheilbar und führt bei den meisten Patienten nach etwa acht Jahren zum Tod. Zu den Symptomen gehört Atemnot bei körperlicher Anstrengung.

Häufig falsch behandelt

In der Schweiz sind einige 100 Menschen von pulmonaler Hypertonie betroffen – nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Die Dunkelziffer liegt jedoch um einiges höher, da Lungenhochdruck noch wenig bekannt ist und häufig falsch oder zu spät behandelt wird.

Das musste auch Therese Oesch erfahren: «Im Hitzesommer 2003 bekam ich beim Velofahren und Schwimmen kaum noch Luft», erinnert sie sich. Darauf ging die 56-Jährige zu ihrem Hausarzt, der sie zu einem Pneumologen schickte.

Dieser diagnostizierte Anstrengungsasthma und gab ihr Medikamente. Kurz darauf sah die gelernte Krankenschwester jedoch im Fernsehen eine Sendung über Lungenhochdruck: «Das ist genau das,  was ich habe», dachte sie sich und ging nochmals zu ihrem Hausarzt. Diesmal schickte er sie zu einem Kardiologen, der per Ultraschall feststellte, dass die Patientin Recht hatte.

Ein Jahr dauerte es, bis sich Oesch nach dieser Diagnose gefangen hatte. In dieser Zeit musste sie ihre Praxis für Komplementärmedizin in Birsfelden auflösen – ein Schritt, der ihr sehr schwer fiel. Gleichzeitig begann sie, sich über ihre Krankheit zu informieren und stiess im Internet auf eine Selbsthilfegruppe eines anderen Betroffenen. Bereits 2004 gründete sie einen regionalen Ableger.

Aus der nationalen Selbsthilfegruppe entstand 2010 der Schweizer Verein für Menschen mit pulmonaler Hypertonie, deren Präsidentin Oesch heute ist. «Unser Ziel ist es, den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedern zu fördern und die Krankheit bekannter zu machen», so Oesch.

Für Letzteres hat sich die Präsidentin zusammen mit ihrem Patenkind etwas Besonderes einfallen lassen: Sie hat ein Benefizkonzert organisiert, an dem im Juni in Birsfelden drei Musikformationen auftreten werden.

Spezialisten beiziehen

Therese Oesch kann heute ihren Alltag dank zusätzlichem Sauerstoff und mehreren Medikamenten meistern, wovon ihr eines intravenös verabreicht wird.

Allen, die einen Verdacht auf diese Krankheit hegen, rät sie, sich in einer pulmonale- Hypertonie-Sprechstunde in einem grossen Spital beraten zu lassen, da viele kleinere Arztpraxen und Spitäler mit der Diagnose noch überfordert seien.