Was versteht man unter der Refluxkrankheit?

Prof. Dr. med. Thomas Frick: Am häufigsten versteht man darunter das Zurückfliessen von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Fast jeder Mensch erlebt irgendwann das Gefühl von Magenbrennen oder das Hochkommen von Nahrungsbrei. Doch ist der Reflux bei circa zehn Prozent der Bevölkerung krankhaft und in seltenen Fällen auch gefährlich.

 

Gibt es gewisse Bevölkerungsgruppen, die besonders gefährdet sind?

Grundsätzlich ist die Refluxkrankheit anlagebedingt. Die Voraussetzung dafür ist ein schwacher oder zu kurzer unterer Schliessmuskel der Speiseröhre. Dazu kommt starke Säurebildung im Magen oder ein Zwerchfellbruch.

 

Welche Rolle spielt das (Ess-)verhalten?

Äussere Faktoren sind insofern wichtig, als sie den Reflux zusätzlich fördern können. Dazu gehört das Essverhalten, wenn zum Beispiel eine grosse Mahlzeit kurz vor dem Zubettgehen eingenommen wird. Auch kann die Qualität des Essens zur vermehrten Säurebildung beitragen, beispielsweise ein stark gebratenes Stück Fleisch, ein Sugo bolognese oder sehr scharfe Gewürze. Des Weiteren kommt es eher zu Reflux, wenn der Druck im Bauchraum erhöht ist, sei es durch Übergewicht oder während einer Schwangerschaft.

 

Wann sollte jemand wegen dieses Leidens zum Arzt?

Wenn der Patient mit vernünftigen Massnahmen die Beschwerden nicht kontrollieren kann, sollte er sich von einem Arzt untersuchen und beraten lassen. Der erste Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein.

 

Welche Abklärungen werden vorgenommen?

Der erste technische Abklärungsschritt ist eine Magenspiegelung. Dabei wird festgestellt, ob die Refluxkrankheit am Gewebe bereits Spuren hinterlassen hat. Auch kann dokumentiert werden, ob ein Zwerchfellbruch besteht. Die Abklärung, die den Reflux beweist, nennt man pH-Metrie. Dabei wird an verschiedenen Stellen in der Speiseröhre und im Magen mit einem dünnen Schlauch während 24 Stunden der Säuregehalt gemessen. Damit zeigt sich, dass tatsächlich eine Refluxkrankheit vorliegt. Die Untersuchung ist die Voraussetzung zur Beurteilung, ob eine Operation Nutzen bringt. Sie ist nicht angenehm, aber auch keine Zumutung.
 

Wann ist eher eine medikamentöse Behandlung angezeigt, wann eine OP?

Die Behandlung richtet sich nach der Intensität der Beschwerden. In den meisten Fällen reichen Verhaltensänderungen oder die Einnahme säurebindender oder -blockierender Medikamente. Diese Massnahmen sind in jedem Fall die erste Wahl. Genügt dies nicht, kann ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden. Das Prinzip der Operation zielt auf die Verbesserung der Schliessfunktion der unteren Speiseröhre und die Verengung der zu grossen Lücke im Zwerchfell. Die traditionelle Operationstechnik dafür ist die sogenannte Fundoplicatio. Dabei wird mit dem oberen Anteil des Magens eine Manschette um die untere Speiseröhre geformt. 

 

Eine Behandlungsmethode ist auch das Magnetband. Wie funktioniert das?

Seit fünf Jahren gibt es eine Alternative zur Fundoplicatio: die Unterstützung des Speiseröhrenschliessmuskels mit einem Magnetband. Durch seine Lage am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen verhindert es den Rückfluss von Mageninhalt. Gleichzeitig erlaubt die Konstruktion des Bandes den ungehinderten Durchtritt von Nahrung von der Speiseröhre in den Magen.

 

Welche Vor- und Nachteile hat diese Methode?

Der Vorteil dieser Operation gegenüber der Fundoplicatio liegt im wesentlich kürzeren und schonenderen Eingriff, der grösseren Erfolgsrate und aber auch der Möglichkeit, die Operation vollständig und praktisch spurlos rückgängig zu machen. Nachteile sind, dass die Operation, wie jeder chirurgische Eingriff, nicht ganz risikolos ist und dass die Methode zwar eine hohe, aber keine hundertprozentige Erfolgsrate aufweist. Schliesslich muss als Nachteil auch erwähnt werden, dass eine Röntgenuntersuchung mit einem sehr starken MRI-Gerät den Magnetismus beschädigen und das Band weniger wirkungsvoll machen könnte. Weniger starke MRI-Geräte haben aber keine negativen Auswirkungen.