Über das Gehör erschliesst sich unsere akustische Welt. Damit sich die Welt nicht vor uns verschliesst, müssen wir unsere Ohren von Kindesalter an gut schützen. «Beschädigte Sinneszellen beziehungsweise Haarzellen in den Ohren wachsen nicht mehr nach. Gerade deshalb ist der Schutz unserer Ohren vor übermässigem Lärm fundamental», erklärt Dr. med. Dorothe Veraguth, leitende Ärztin Audiologie/Pädaudiologie ORL-Klinik des Universitätsspitals Zürich.

Laute Lärmquellen finden wir nicht nur in der Disco. Auch der Alltagslärm kann auf Dauer schädlich sein. «Ausschlaggebend ist, wie lange und bei welchem Lärmpegel man einem bestimmten Lärm ausgesetzt ist. Gefährlich wird es, wenn wir regelmässig über einen längeren Zeitraum mehr als 80 bis 90 Dezibel ertragen müssen», weiss Dr. Veraguth.

Warnzeichen erkennen

Schwerhörigkeit beginnt häufig schleichend und ist nicht leicht zu erkennen. Hierzu Dr. Veraguth: «Ein Anzeichen ist oft ein Pfeifen bei Lärmexposition. Man kann bestimmte Frequenzen schlecht oder gar nicht mehr hören. Natur- oder Haushaltsgeräusche werden reduziert wahrgenommen.

Auch ein eingeschränktes Sprachverständnis bei Nebengeräuschen, zum Beispiel im Restaurant, kann auf ein nachlassendes Hörvermögen hinweisen.»

Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist unter anderem wichtig, um den fortschreitenden Hörverlust einzudämmen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt klärt bei Verdacht auf Schwerhörigkeit mit einem Hörtest ab, in welchen Situationen das Hören oder Sprachverstehen schwierig ist.

Er überprüft, wie das Innenohr, die Sinneszellen und die Schallübertragung funktionieren. Gehörschäden entstehen übrigens nicht nur durch Lärm. Ursache können zum Beispiel auch ein Hörsturz, eine Infektion oder Medikamente sein.

Moderne Technik fürs Ohr

Mit einer geeigneten Hörhilfe verbessern Betroffene nicht nur ihre Hörleistung: «Die Geräte können zudem einer Nervenzellen-Degeneration in der Hörbahn entgegenwirken.

Durch stete Konditionierung beziehungsweise Gewöhnung des Gehirns wird verhindert, dass man das Hören ‹verlernt›», erklärt Veraguth. Es gibt Hörgeräte, die man im Gehörgang oder in der Ohrmuschel platziert. Sie sind kosmetisch angenehm zu tragen, haben aber eine begrenzte Verstärkungsmöglichkeit. Die meisten technischen Hörhilfen werden hinter dem Ohr getragen.

Ein winziger Verbindungsschlauch überträgt den Schall ins Ohr. «Bei grossem Hörverlust kommt ein Innenohrimplantat beziehungsweise ein Cochlea-Implantat zum Einsatz. Die elektronische Hörprothese übernimmt die Funktion der abgestorbenen Haarzellen», so die Ärztin.