Was ist das Neue an den individuell angepassten Knieprothesen?

Bei den individuellen Knieprothesen werden sogenannte Schablonen bereits im Vorfeld der Operation angefertigt. Das Kniegelenk des Patienten wird etwa vier Wochen vor der geplanten Prothesenoperation mittels MRI präzise vermessen.

Anhand der dreidimensionalen MRI Bilder lässt sich die individuelle Geometrie des Kniegelenkes sehr genau berechnen. Auf Basis dieser Daten kann der Arzt dann die Grösse des Implantates bestimmen und mit Hilfe von einer speziellen Computersoftware die Schablonen, individuell angepasst auf die Anatomie des Knies des jeweiligen Patienten, anfertigen lassen.

Danach werden sowohl die patienten-spezifischen Schablonen wie auch die richtigen Implantate dem Spital zugeschickt. Die Schnittschablonen sind aus hartem Nylon hergestellt und passen, dank der 3D-MRIAuswertung, wie ein Abguss auf den Knochen.

Und welche Konsequenzen hat das?

Die massgefertigten Instrumente erlauben ein passgenaues Einsetzen der künstlichen Kniegelenke. Fehlpositionierungen können auf diese Weise gut vermieden werden.

An amerikanischen Kliniken werden derzeit wissenschaftliche Studien dazu durch­­geführt. Nach internationalen Statistiken klagen heute bis zu 30 Prozent der Patienten über Restbeschwerden beim künstlichen Kniegelenk. Immer wieder werden hier auch Fehlpositionierungen als mögliche Ursache angeführt.

Mit der neuen Operations-Technik lassen sich solche Fehler zukünftig vermeiden. Ziel ist es auch, die Lebensdauer der Kunstgelenke zu verlängern.

Wie sehen die Belastungen während der Operation aus?

Durch die aufwändige und intensive OP-Vorbereitung kann die Operation schneller und präziser durchgeführt werden. Die ganzen Zielgeräte und auch die aufwendige Navigation sind nicht mehr notwendig.

Die Operation verläuft somit weit schonender für den Patienten und geht daher auch mit einer optimierten Rehabilitation einher.

Auch für den Chirurgen bieten sich Vorteile?

Dank der Vorbereitung vor dem Eingriff und der OP-Schablone fällt für den Chirurgen ein Teil des Instrumentariums weg, welches sonst bei der normalen Implantationstechnik verwendet würde. Zudem kann der Chirurg bereits im Vorfeld die Operation genau planen und dies wiederum ist mit Grund für kürzere OP-Zeiten.

Ein wichtiges Argument zur Verminderung der Infektgefahr. Ebenfalls fällt ein Grossteil der Sterilisationskosten weg, da weniger Instrumente benötigt werden.

Gibt es auch Nachteile gegenüber den herkömmlichen Prothesen?

Nein, Nachteile sind nicht zu erwarten. Im Gegenteil vermindern sich die Risiken bei korrekter Planung und Anwendung dieser modernen ­Technik.