Heute stehen aber wirksame Medikamente zur Verfügung, die den Mangel des Botenstoffs Dopamin über verschiedene Mechanismen ausgleichen.

Auch im Zeitalter einer hochtechnisierten Medizin wird die Diagnose Parkinson primär klinisch gestellt, das heisst aufgrund der neurologischen Beschwerden und Untersuchungsbefunde. Wenn mindestens ein Hauptsymptom wie Ruhezittern oder Bewegungsverlangsamung (Akinese) vorliegt, das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung erfolgreich ist und Hinweise für andere Krankheitsbilder fehlen, kann die Diagnose Parkinsonerkrankung heute mit recht hoher Spezifizität gestellt werden.

Falls hinsichtlich der Diagnose Unsicherheit besteht, erlauben moderne bildgebende Verfahren, die den gestörten Dopaminstoffwechsel abbilden, oder gezielte Ultraschalluntersuchungen des Hirnstammes, die Diagnose weiter abzusichern. In der Schweiz sind etwa 15 000 Frauen und Männer von der Erkrankung betroffen.

Die Diagnose Parkinson bedeutet für die Patienten, dass sie an einer langsam fortschreitenden hirndegenerativen Krankheit leiden. «Gerade deshalb ist es enorm wichtig, ihnen zu vermitteln, dass wirksame Behandlungen zur Verfügung stehen und dass für viele Patienten auch nach 10 Jahren ein weitgehend selbständiges Leben möglich ist», betont der Facharzt Stephan Bohlhalter.

Nicht nur motorische Erkrankung

Die Ursache von Parkinson ist zwar nach wie vor unbekannt. Heute weiss man aber, dass dopaminhaltige Nervenzellen im Hirnstamm, welche die Bewegungszentren des Grosshirns versorgen, langsam zugrunde gehen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Genetik. Bei rund 10 Prozent der Patienten ist ein bestimmter Gendefekt für die familiäre Häufung verantwortlich. Man geht aber davon aus, dass genetische Faktoren in einem weit höheren Prozentsatz zum Risiko beitragen, an Parkinson zu erkranken.

Zudem werden Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Pestizide immer wieder als mögliche Ursache diskutiert. Männer sind im Verhältnis 3:2 etwas häufiger betroffen als Frauen. Die Gründe sind spekulativ: Es wird angenommen, dass Männer eine stärkere genetische Veranlagung haben. Die Erkrankung beginnt meist einseitig mit Ruhezittern, Muskelsteifigkeit und Bewegungsverlangsamung.

Nicht selten werden die Patienten wegen Schulterschmerzen zunächst vom Rheumatologen untersucht. Die Mimik ist reduziert, es kommt zum so genannten Maskengesicht. Die Körperhaltung ist nach vorne gebeugt und das Gehen nur mit kurzen Schritten möglich. Parkinson ist aber nicht nur eine motorische Erkrankung.

Früh können auch Störungen der Psyche wie Energielosigkeit und Depressionen, des Schlafes und des vegetativen Nervensystems (Verstopfung) auftreten. Typisch ist auch die Geruchssinnstörung, die den motorischen Symptomen um Jahre vorausgehen kann. In fortgeschrittenen Stadien kommen häufig kognitive Probleme hinzu.

Mehrere Therapieoptionen

Zur Behandlung stehen heute wirksame Medikamente zur Verfügung, die den Mangel des Botenstoffes Dopamin über verschiedene Mechanismen ausgleichen. In den ersten Jahren der Erkrankung ist die Behandlung in der Regel unkompliziert. «Mit der Zeit stellen die Patienten jedoch fest, dass die Wirkung der Einzeldosis vor der nächsten Einnahme nachlässt», erläutert Bohlhalter.

Nach der Einnahme können zudem unwillkürliche Überbewegungen auftreten. Diese Wirkungsschwankungen können so ausgeprägt sein, dass mit Anpassung der Medikamente keine befriedigende Kontrolle der Beweglichkeit mehr erreicht werden kann. Dann kommen apparategestützte Behandlungsmöglichkeiten zur Anwendung.

Die Tiefe Hirnstimulation stellt einen stereotaktischen Eingriff dar, bei der bestimmte Basalganglien-Kerne über eingepflanzte Elektroden mittels elektrischer Impulse gezielt gehemmt werden. Bei den Basalganglien handelt es sich um eine Gruppe von Grosshirnkernen. Es konnte nachgewiesen werden, dass dieses hirnchirurgische Verfahren die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern kann.

Die Tiefe Hirnstimulation ist allerdings nicht für alle Patienten geeignet und nicht alle Menschen sind bereit, sich dem Risiko einer Hirnoperation auszusetzen. Als Alternative steht dann die Pumpentherapie mit Levodopa, einer Vorstufe von Dopamin, als Gel zur Verfügung.

Es handelt sich dabei um eine Infusionstherapie, bei der die am Körper getragene Pumpe das Medikament über eine Sonde kontinuierlich durch die Bauchdecke in den Dünndarm leitet. Das Medikament kommt so direkt an den Ort der Resorption. Die unregelmässige Magenentleerung, die für die Wirkungsschwankungen mitverantwortlich ist, wird umgangen.

Zahlreiche Herausforderungen

«Parkinson kann zwar nicht geheilt werden, ist aber gut behandelbar», betont Bohlhalter. Im Alltag sind die Patienten aber mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Betroffen sind vor allem die automatischen Bewegungen.

Für gesunde Menschen ist es selbstverständlich, dass sie im Alltag mehrere Dinge gleichzeitig erledigen können. Der Parkinsonpatient muss die einzelnen Bewegungen zielgerichtet ausführen und dem Gehen und Sprechen bewusste Aufmerksamkeit schenken. Er muss lernen, eins nach dem andern zu erledigen.

Das erfordert im Alltag mehr Zeit. In späteren Krankheitsstadien können Gleichgewichtsprobleme mit Sturzgefahr auftreten. Was die Forschung betrifft, hat sich die Stammzellforschung als vielversprechend erwiesen. So ist es gelungen, menschliche Stammzellen dazu zu bringen, in Tierversuchen Dopamin zu produzieren und Parkinson-Symptome zu verbessern.

«In wenigen Jahren können wir mit ersten klinischen Versuchen von embryonalen Zellersatztherapien bei Parkinson rechnen. Angesichts der Vielschichtigkeit der Erkrankung darf aber nicht erwartet werden, dass diese Behandlung alle Probleme löst», fasst Bohlhalter zusammen.