Wie viele Menschen sind in der Schweiz von Morbus Crohn betroffen – gibt es eine steigende Tendenz?

In der Schweiz leiden etwa 12'000 Menschen an Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa. Beide gehören zu den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten. Seit den 1950er Jahren wurde ein leichter Anstieg beobachtet.

Ist es korrekt, dass Morbus Crohn mit zunehmendem Wohlstand und Hygiene zu tun hat?

Die Zunahme macht sich vor allem in den modernen Industrienationen bemerkbar. Übermässige Hygiene kann zur Folge haben, dass unser Immunsystem nicht richtig gegen bestimmte Krankheitserreger gewappnet ist.

Wie lange dauert es, bis eine betroffene Person in der Schweiz diagnostiziert wird?

In der Schweiz dauert es durchschnittliche neun Monate, bis die Diagnose Morbus Crohn gestellt wird. Bei manchen kann das sogar bis zu drei Jahre dauern.

Vor allem berufstätige Betroffene wollen es vermeiden, regelmässig am Arbeitsplatz zu fehlen

Eine unserer Studien hat ergeben, dass Patienten oft erst nach Monaten ihren Hausarzt aufsuchen und der sie wiederum oft verzögert an einen Spezialisten überweist.

Es ist also wichtig, sowohl Patienten als auch Ärzte aufzuklären. Das Ziel für Arzt und Patient muss ganz klar eine frühe Diagnose sein.

Ist eine späte Diagnose gefährlich?

Die Lebensqualität im Alltag ist sehr eingeschränkt, wenn Betroffene über einen langen Zeitraum mit den Crohn-Symptomen leben müssen: Durchfall, Bauchweh, Fieberschübe und Abgeschlagenheit.

Wir führten eine weitere Studie durch, die untersuchte, ob es Unterschiede gibt zwischen früher und später Diagnose. Das Ergebnis: Die Patienten, bei denen Morbus Crohn erst spät erkannt wurde, leiden oftmals vermehrt an Fistel- und Engstellenbildung.

Welche Diagnosemethoden gibt es und müssen die Patienten davor Angst haben?

Nein, keineswegs. Als Marker dient uns zunächst das sogenannte Calprotectin im Stuhl, welches auf einen erhöhten Entzündungswert hinweist. Der nächste Schritt ist eine Dickdarmspiegelung.

Relativ neu ist die Behandlung mit Biologika. Wie werden sie verabreicht?

Es gibt drei verschiedene Typen von Biologika, wobei eines als intravenöse Infusion im Spital und die anderen beiden als subkutane Injektion verabreicht werden. Bei der subkutanen Behandlung kann sich der Patient diese selbst unter die Haut injizieren.

Wir haben 100 Patienten bei unserer CHOOSE-TNF-Studie befragt, ob sie den Weg der Selbstinjektion bevorzugen und wie viel Freiraum sie sich bei der Behandlung wünschen.

Das Ergebnis: Die Erkrankten sind gerne selbstständig und möchten nicht ins Spital, um dort mehrere Stunden eine Infusion zu bekommen. Vor allem berufstätige Betroffene wollen es vermeiden, regelmässig am Arbeitsplatz zu fehlen. Daher das Fazit der Studie: Die Mehrzahl der Patienten bevorzugte die Selbstinjektion.