Patienten werden heute nach einer Operation schon relativ früh in die Rehabilitationsklinik verlegt. Stephan Spiess, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Muskuloskelettale Rehabilitation, sagt: «Sobald die Patienten nach einer Operation akut medizinisch stabil sind, werden sie zu uns in die Rehabilitationsklinik verlegt.»

Die Rehabilitation strebt eine ganzheitliche Wiederherstellung der erkrankten Menschen an, die möglichst früh im Erkrankungsverlauf beginnt. Dabei ist die Mitwirkung des Patienten von zentraler Bedeutung.

Wichtig für die Rehabilitation sind therapeutisch geführte, ärztlich überwachte Trainings- und Übungsprogramme, in denen der Patient seine Eigenwahrnehmung verbessert, Kraft und Ausdauer wie auch seine Mobilität fördert. Spiess betont jedoch: «Es kommt immer wieder vor, dass Patienten mit einem akuten medizinischen Problem zu kämpfen haben – auch darauf sind wir eingestellt.»

Gelenkersatz ist nicht alles

Im Gegensatz zur Akutmedizin, die ihren Beitrag auf dem Gebiet der Organmedizin leistet, ist der Ansatz der Rehabilitation jedoch ganzheitlich und befasst sich in erster Linie mit der Wiederherstellung der eingeschränkten Funktionen und Fähigkeiten. Mit dem Ersatz eines einzelnen Gelenkes ist es nicht getan, der Patient will sich schnell wieder normal bewegen und sogar Sport treiben.

«Daraus ergibt sich für die Rehabilitation die Herausforderung, den Menschen ganzheitlich zu erfassen, seine eventuellen Begleiterkrankungen zu berücksichtigen und zielorientierte, auf   die persönlichen Bedürfnisse der Patienten angepasste, Massnahmen umzusetzen, die sie in ihr gewohntes Umfeld zurückbringen», erklärt Spiess.

In einem zweiten Schritt gilt es abzuschätzen, ob und mit welchen Mitteln der Rehabilitation eine Rückkehr nach Hause möglich ist. Dabei sind die medizinisch richtigen Therapieschwerpunkte für die Zielerreichung entscheidend.

Laut Stephan Spiess erreicht die überwiegende Anzahl der Patienten ihre Rehabilitationsziele. Sollte dies nicht der Fall sein, liegt eine Aufgabe auch in der Anerkennung von Grenzen der Rehabilitation und im gemeinsamen Erarbeiten von Lösungen im Umgang mit einem Handicap.

Demographische Entwicklung ist rasant

Eine weitere Herausforderung, mit der sich Rehabilitationskliniken ­heute konfrontiert sehen, ist die demo­grafische Entwicklung. Die Menschen werden immer älter und die Ansprüche an den Körper steigen.

Stephan Spiess: «Die Menschen wünschen sich heute, auch im Alter mobil und beweglich zu sein. Durch die neuen Möglichkeiten in der Medizin ist es denn auch möglich, Menschen bis ins hohe Alter zu operieren.»

Was zum einen sehr positiv ist, fordert jedoch Rehakliniken beachtlich. Diese Patientengruppe wird in den nächsten Jahren stetig wachsen. Viele haben den Wunsch, etwa nach einer Prothesenoperation möglichst schnell wieder mobil zu sein.

«Die neuen Techniken vermitteln das Gefühl, dass vieles machbar und schneller zu erreichen ist, doch der Körper lässt sich nicht überlisten. Alles, auch die Wundheilung, braucht seine Zeit», so Spiess. Geduld ist ein zentraler Faktor in der Rehabilitationsphase.

Das Leben danach

Gleichzeitig muss auch die Zeit nach dem Rehabilitationsaufenthalt geplant werden. «Besonders in der ersten Zeit nach dem Rehaaufenthalt brauchen die Patienten Unterstützung, um im Alltag zurecht zukommen. ­

Deshalb ist wesentlich, diese ­Unterstützung durch Spitex, Verwandte oder Nachbarn zu organisieren und sicherzustellen.»