«Bei der ambulanten Herzrehabilitation ist es dem Patienten möglich, über längere Zeit an Therapien teilzunehmen, aber dennoch ein normales Leben zu führen», sagt Dr. Barbara Kälin. Dies etwa nach Herzoperationen oder Herzinfarkten sowie bei Herzschwäche und erhöhten Risikofaktoren.

Genau wie die stationäre Herzrehabilitation hat auch die ambulante Herzrehabilitation zum Ziel, die Risikofaktoren durch medikamentöse Behandlung und durch eine Änderung des Lebensstils zu senken. Ein Vorteil sei auch, dass das Umfeld eher mit einbezogen werde, erklärt Dr. Kälin.

«Wir können dem Patienten in einer ambulanten Rehabilitation die Aktionsmöglichkeiten in seiner Umgebung aufzeigen.» Die ambulante Herzrehabilitation empfiehlt sich aber nicht in jedem Fall. Wenn ein Patient zuhause unter einer stressvollen Situation leide, sei eine stationäre Rehabilitation sinnvoller, sagt Dr. Barbara Kälin. Das Gleiche gelte für Herzpatienten mit vielen Begleiterkrankungen.

Den Lebensstil ändern


Im Rahmen der ambulanten Herzrehabilitation nehmen die Patienten in der Regel über zwei bis drei Monate an einem bestimmten Programm teil. Dieses findet rund drei Mal wöchentlich statt und beinhaltet neben ärztlichen Untersuchungen auch Vorträge, Ernährungsberatungen und Bewegungsprogramme.

«Der Patient soll wissen, welche Erkrankung er hat, wofür er die Medikamente bekommt und was er selbst tun kann», erklärt Dr. Barbara Kälin. So üben sich die Patienten beispielsweise mittels Unterstützung von Physiotherapeuten und speziell ausgebildeten Herztherapeuten in Ausdauer und Beweglichkeit und lernen, Entspannungstechniken anzuwenden.

Belastungsgrenze neu justieren

«Die Körperwahrnehmung ist sehr wichtig», so Dr. Kälin. Der Patient müsse seine Belastungsgrenze erkennen können. Genauso wichtig wie die Bewegung und die Ernährung ist der Abbau von Stress, Angst und Unsicherheit.

Bei der ambulanten Therapie stehen die Chancen gemäss Dr. Kälin gut, dass der Patient seine Gewohnheiten langfristig ändert. «Der Patient wird über drei Monate hinweg immer wieder daran erinnert, seinen Lebensstil zu ändern.» Die wichtigste Voraussetzung für eine Verbesserung der Lebensumstände sei aber trotz allem, dass der Patient dazu auch motiviert sei.

Nicht allein sein mit dem ­Problem

«Die Angehörigen spielen eine sehr grosse Rolle in der Begleitung des Patienten, da sie die Lebensstiländerung mitmachen», sagt Dr. Barbara Kälin. «Wenn der Patient nicht mehr raucht, ist es ideal, wenn der Lebenspartner aus Solidarität auch mit dem Rauchen aufhört.» In der ambulanten Herzrehabilitation werden die Angehörigen in den meisten Fällen mit einbezogen, sei es bei der Ernährungsberatung oder im Arztgespräch.

Auch können sie an den Vorträgen teilnehmen. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt während der ambulanten Herzrehabilitation sei die Gruppendynamik, bestätigt Dr. Kälin. Der Zusammenhalt unter den Patienten sei sehr gross, weil sie über drei Monate hinweg immer wieder zusammenkommen.

Einerseits lassen sich die einzelnen Patienten in der Gruppe besser motivieren, andererseits trägt der Austausch unter den Gruppenmitgliedern zu einer Verbesserung der Situation bei, so beispielsweise im Bezug auf die Verringerung von Angst. Gerade Herzinfarkte seien oft sehr traumatisierend und würden deshalb auch häufig Angststörungen auslösen. «Wenn die Patienten sehen, dass andere dieselben Probleme haben wie sie, geht die Angst zurück.»