Rehabilitation war und ist in der Schweiz historisch immer stark medizinisch-therapeutisch geprägt gewesen. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit dem deutschen Begriff der Rehabilitation, wie Dr. oec. HSG Willy Oggier betont: «In Deutschland entspricht nur der viel engere Begriff der Anschlussheilbehandlung unserem Rehabilitationsbegriff.»

«In einer älter werdenden Bevölkerung ist Rehabilitation eine Investition in erhöhte Lebensqualität»

In der Schweiz ist Rehabilitation mehr als Pflege, Wellness und Hotellerie. Sie ist der koordinierte Einsatz medizinischer, sozialer, beruflicher, technischer und pädagogischer Massnahmen, die den Betroffenen bei Krankheit oder Unfall helfen, funktionelle Einschränkungen und damit eine Beeinträchtigung der Lebensqualität zu überwinden.

«Das kann keine Aufgabe von Kurhäusern oder Pflegezentren sein – sowohl aus Patientensicht als auch für den Prämienzahler. Das Ergebnis wäre sonst schlechtere Qualität zu höheren Kosten», so Oggier.

 

Qualitätssiegel für Rehabilitationskliniken

Um die hohen medizinischen Qualitätsstandards und modernen Behandlungsmethoden nachhaltig gewährleisten zu können, haben sich namhafte, der Vereinigung Swiss Reha angehörige Rehabilitationskliniken verpflichtet, sich alle vier Jahre durch eine Qualitätskommission prüfen und rezertifizieren zu lassen.

«Die Mitglieder-Kliniken gehen durch das härteste Qualitätsverfahren, das es im Bereich Rehabilitation in der Schweiz gibt. Für Angehörige, Patienten und Zuweiser ist somit die Mitgliedschaft ein wichtiger Qualitätsindikator, der die Spreu vom Weizen trennen kann», weiss Oggier.

Für das Erlangen einer Qualifizierungsurkunde spielt neben der Überprüfung der ärztlichen, pflegerischen, therapeutischen, medizintechnischen, Management- und Hotellerie-Kompetenzen vor allem die rehabilitative Behandlung einer minimalen Anzahl Patienten eine wichtige Rolle.

 

Eine Investition in die Zukunft

Gesundheitsökonom Oggier beziffert in seiner gerade aktualisierten Schätzung die Kosten chronischer Schmerzen auf rund sechs Milliarden Franken pro Jahr. Rehabilitation habe daher einen zu geringen Stellenwert: «In einer älter werdenden Bevölkerung ist Rehabilitation eine Investition in erhöhte Lebensqualität. Sie schafft nicht nur einen immer wichtiger werdenden Beitrag zur Integration der Patienten in das berufliche und soziale Umfeld nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung, sondern wirkt auch zunehmend präventiv.»

Um ihren Stellenwert zu festigen beziehungsweise auszubauen und die hochstehenden medizinischen Leistungen zum Wohle der Patienten weiterhin zu erhalten, dürfen sich zertifizierte Schweizer Rehakliniken nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen.

«Die Qualitätskriterien müssen laufend den neuesten Erkenntnissen angepasst und
danach auch gelebt werden – so wie dies Swiss Reha übrigens gerade wieder getan hat, indem erstmals nicht nur für den stationären, sondern neu auch für den ambulanten und teilstationären Bereich Qualitätsanforderungen definiert wurden. Verschiedene Kantone und Gemeinden beginnen dies vermehrt zu berücksichtigen», berichtet Oggier.