Chronische Schmerzen sind ein häufiges Problem in der klinischen Praxis. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität des Einzelnen in erheblichem Masse und stellen eine grosse gesundheitsökonomische Belastung dar.

Die Behandlung von chronischen Schmerzen stellt eine eine grosse Herausforderung dar und dem Patienten muss mit viel Einfühlungsvermögen und Geduld begegnet werden.

«Zentral für den Therapieerfolg ist, dass der richtige Zeitpunkt für eine Überweisung an den Spezialisten nicht verpasst wird», sagt Prof. Dr. med. Eli Alon, Professor für Anästhesiologie und Schmerzbehandlung. Denn je länger der Zustand besteht, desto schwieriger wird die Therapie und desto geringer sind die Erfolgsaussichten.  

Rückenschmerzen sind oft «Mixed-Pain-Syndromen»

«Bei der Therapie der Rückenschmerzen wird oft von den sogenannten «Mixed-Pain-Syndromen» -  eine Mischung aus verschiedenen Schmerzkomponenten  -  gesprochen» erklärt Prof. Alon.

Nicht nur radikulärausstrahlende, sondern auch lokale Rückenschmerzen beruhen oft auf einer Mischung nozizeptiv-entzündlicher und neuropathischer Komponenten. Der doppelte Entstehungsmechanismus sollte bei der Schmerztherapie berücksichtigt werden.

Gerade weil die verschiedenen Mechanismen gezielt angegangen werden, sollten diese Patienten an Schmerzspezialisten überwiesen werden, und an Praxen wo eine multidisziplinäre Betrachtung z.B. durch Anästhesiologen, Neurologen, Rheumatologen, und Psychologen gegeben ist.

Das Interdisziplinäre  Schmerzkonsilium für die multimodale Schmerztherapie

In seiner Antwort wies Prof. Alon auf eine Besonderheit seiner Praxis für Schmerztherapie hin, das interdisziplinäre Schmerzkonsilium: «Innerhalb weniger Tage wird hier der Patient durch mehrere Ärzte und Fachleute unterschiedlicher Disziplinen untersucht, wonach in einem Konsilium ein einziger Bericht mit Diagnose und Therapievorschlägen ausgearbeitet und dem Hausarzt zur Verfügung gestellt wird.»

Realistisches Therapieziel nötig

Bei der Therapie von chronischen Schmerzen müssen der Arzt und der Patient gemeinsam ein realistisches Therapieziel vereinbaren. «Bei chronischen Schmerzen bedeutet das nicht nur Schmerzlinderung.

Hier wird eine maximale körperliche und soziale Aktivität bei akzeptabler Schmerzintensität sowie eine ungestörte Nachtruhe angestrebt: Der Schmerzpatient soll trotz der verbleibenden Schmerzen Lebensfreude empfinden können», erklärt Prof.  Alon.

Um eine maximale Schmerzreduktion zu erreichen, müssen die zur Verfügung stehenden Optionen voll ausgeschöpft und häufig verschiedene Therapieansätze nacheinander ausprobiert werden.

«Chronische Schmerzpatienten müssen immer ganzheitlich betreut werden unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit und ihres Umfeldes». Das heisst, dass die Behandlung nicht nur auf einer adäquaten Anwendung von spezifischen Medikamenten beruht, sondern auch den Einsatz zusätzlicher Methoden erfordert.

Eine Schmerztherapie muss nach einem übergreifenden Betreuungskonzept, der sogenannten multimodale Therapie, erfolgen. «Eine Besserung des Befindens darf nicht nur an der verminderten Schmerzintensität, sondern soll auch an der Auswirkung auf die täglichen Aktivitäten im physischen und sozialen Kontext gemessen werden», sagt Prof.  Alon.