«Neben Kopf- und Bauchschmerzen stehen Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen an dritter Stelle», sagt der Facharzt Carol-Claudius Hasler. In den meisten Fällen verschwinden die Schmerzen bei leichter Bewegung und der Einnahme schwacher Schmerzmittel von alleine.

Im Gegensatz zu Erwachsenen findet sich bei Kindern, je jünger sie sind, häufiger eine fassbare Ursache für den Schmerz. «Aus diesem Grund ist ein Arztbesuch schon in einer frühen Phase sinnvoll», betont Hasler. Er unterscheidet bei jungen Patientinnen und Patienten, die unter Rückenschmerzen leiden, zwei Gruppen.

«Wenn Kinder und Jugendliche rasch wachsen, ist der Muskel irgendwann zu schwach, um mit dem Wachstumsschub mithalten zu können. Zweitens gibt es Kinder und Jugendliche mit einem morphologischen Befund oder mit Wachstumsstörungen. Selten können Rückenschmerzen auch auf einen Tumor oder eine Infektion zurückgeführt werden.»

Typischerweise treten die Schmerzen meist im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Betroffen sind einerseits leistungsorientierte Kinder und Jugendliche, die viel Sport treiben, wie zum Beispiel Kunstturnen oder Sportgymnastik, anderseits Bewegungsmuffel, denen es an Bewegung mangelt.

Hier seien auch die Eltern in der Verantwortung, sagt Hasler: «Manchmal muss ich mich da schon zum Anwalt der jungen Patientinnen und Patienten machen.»

Zu schnelles Wachstum

Am Anfang der Behandlung steht ein ausführliches Gespräch mit den jungen Patienten und deren Eltern. Im Anschluss daran folgt die klinische Untersuchung. Je nach Bedarf nimmt der behandelnde Arzt Zusatzabklärungen vor, zum Beispiel Röntgen- oder Laboruntersuchungen. Zum Einsatz kommen auch bildgebende Verfahren, mit denen die Testresultate verfeinert werden können.

Einem Rundrücken liegen in aller Regel unterschiedliche Probleme zugrunde. Bei angeborenen Wirbelfehlbildungen sind einzelne oder mehrere Wirbel nicht richtig geformt oder teilweise beziehungsweise ganz miteinander verwachsen.

Der so genannte Morbus Scheuermann ist eine Wachstumsstörung, die typischerweise während des pubertären Wachstumsschubs auftritt, meist im Bereich der Brustwirbelsäule.

Eine Haltungsschwäche resultiert oft aus einem schnellen Wirbelsäulenwachstum. Dadurch kann es zu einer relativen Muskelschwäche kommen, vor allem, wenn die Jugendlichen auch sonst in einem schlechten Trainingszustand sind. Manchmal ist die vorgeneigte, ein­gefallene Haltung auch Ausdruck der pubertären Persönlichkeits­entwicklung.

Allenfalls ein Korsett

Die meisten Rückenprobleme bei Kindern und Jugendlichen können gut behandelt werden. Als Therapieoptionen eignen sich Kräftigungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung oder nach einer Anlernphase auch selbständig. Ebenso kann die Haltung geschult werden.

Im Bereich der Sitz- und Stehergonomie können Sitzmöbel angepasst werden. Vielfach helfen auch geeignete Sitzhilfen. Bei ausgeprägten Verkrümmungen der Wirbelsäule und Wachstumsstörungen sollte gegebenenfalls das Tragen eines aufrichtenden Korsetts diskutiert werden, welches die Wachstumszonen entlastet und damit ein normalisiertes Wachstum ermöglicht.

In seltenen Fällen und bei bestimmten angeborenen Formen ist eine operative Aufrichtung in Erwägung zu ziehen. Bereits bei Kindern und Jugendlichen können Rückenschmerzen in seltenen Fällen chronisch werden.

Dann, so Hasler, sollten alle Alarmglocken läuten. «Wenn Kinder und Jugendliche wegen Rückschmerzen häufig nicht mehr zur Schule gehen oder sich sozial zurückziehen, ist Handlungsbedarf angezeigt.» Neben der Orthopädie seien dann auch andere Fachdisziplinen gefragt.