Überlastung des Herzens bis hin zur Herzinsuffizienz. Leichte Klappenfehler verursachen oft keine Beschwerden und werden dann zufällig anhand typischer Herzgeräusche entdeckt. «Als Herzklappenfehler werden Funktionsstörungen der Klappenventile im Herzen bezeichnet», erläutert Olaf Franzen, Facharzt für Kardiologie.

Insgesamt besitzt das Herz vier solcher Ventile, die gewährleisten, dass das Blut stets nur in eine Richtung fliesst. Allerdings können die Klappen verengt sein (Klappenstenose) oder nicht mehr richtig schliessen (Klappeninsuffizienz).

Gegen solche Defekte muss der Herzmuskel ankämpfen. Bei Überlastung kommt es auf Dauer zur Herzinsuffizienz.

Zwei Möglichkeiten

Beim konventionellen chirurgischen Herzklappenersatz werden über den geöffneten Brustkorb und unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine Klappenprothesen eingesetzt. Bei der Wahl des Herzklappenersatzes bestehen zwei Möglichkeiten: Der Ersatz mit einer sogenannten künstlichen Klappe. Solche Klappen halten sehr lange.

Der Patient muss aber lebenslänglich blutverdünnende Medikamente einnehmen. Beim Ersatz durch eine sogenannte biologische Klappe müssen nur für eine kurze Zeit von etwa drei Monaten blutverdünnende Medikamente verabreicht werden, bis die Klappe eingeheilt ist. «Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass diese Klappen nur einen begrenzten Zeitraum im Körper halten.

Nach etwa 10 bis 15 Jahren sind sie meist verschlissen und müssen in einer erneuten Operation ausgetauscht werden», betont Franzen.

Chirurgische Rekonstruktionstechniken

Schwere Defekte lassen sich in bestimmten Fällen durch Katheter-Eingriffe an den Herzklappen beheben. Ebenso ist es möglich, bei einer Mitralklappeninsuffizienz, bei der die Klappe nicht mehr richtig schliesst, das Klappengewebe durch einen speziellen Metall-Clip zu verklammern und die Funktionsstörung dadurch deutlich zu mildern.

Häufig sind zur Therapie der Klappendefekte Herzklappenoperationen notwendig. Erfahrene Chirurgen können dabei eine lädierte Klappe manchmal mit chirurgischen Rekonstruktionstechniken wiederherstellen. In vielen Fällen wird die Klappe aber durch eine künstliche oder biologische Prothese ersetzt.

Herz schlägt weiter

«Schwerkranke Patienten mit undichter Herzklappe profitieren heute von der Katheter-Behandlung», betont Franzen. Für viele dieser Hochrisikopatienten mit schwerer Herzinsuffizienz und hochgradig undichter Mitralklappe ist ein chirurgischer Eingriff am Herzen, bei dem das Herz kurzfristig stillgelegt und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird, mit einem sehr hohen Risiko verbunden.

Anders ist dies beim neuen Katheter-Verfahren. Der Patient erhält eine Vollnarkose, das Herz schlägt dabei weiter, und die Herz-Lungen-Maschine wird nicht benötigt. Während des Eingriffs schiebt der Kardiologe den Katheter über einen Zugang in der rechten Leistenvene zunächst in den rechten Vorhof des Herzens, dort durchsticht er die Vorhofscheidewand.

Der Katheter liegt jetzt im linken Vorhof direkt über der Mitralklappe. «An der Stelle, wo die Herzklappe nicht richtig schliesst, wird eine kleine Klammer platziert, welche die Klappenränder zusammenhält und damit die Schlussfähigkeit der Klappe verbessert», erläutert Franzen.

Die Herzklappenbehandlung erfolge heute stets im Herz-Team und sei geprägt von Interdisziplinarität, sagt der erfahrene Kardiologe.