«Panta rhei – alles fliesst», das erkannte schon der griechische Philosoph Heraklit (um 500 vor Christus). Und das gilt insbesondere auch für unseren Blutkreislauf. Wussten Sie, dass jeden Tag etwa 10 000 Liter Blut durch unseren Körper fliessen? Und dass unser Herz dafür täglich etwa 100 000 Mal schlagen muss? Solche Zahlen beeindrucken mich immer wieder. Sie machen mir bewusst, wie unermüdlich mein Herz den Körper mit Blut versorgt, damit ich ein aktives Leben führen kann. Deshalb ist für mich klar: Wir können es uns nicht leisten, unsere Herz-Kreislauf-Gesundheit zu vernachlässigen.
 
Denn der Blutfluss ist unsere Lebensader. Ist er gestört, kann dies einen Herzinfarkt, einen Hirnschlag oder eine arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen auslösen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in der Schweiz nach wie vor eine Hauptursache für eine schwere Einbusse der Lebensqualität, Behinderungen oder einen Todesfall.

Bessere Behandlungsmöglichkeiten

Zum Glück hat die Herz-, Gefäss- und Hirnschlagmedizin in den vergangenen Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht und kann – wenn die nötigen Eingriffe rechtzeitig erfolgen – Betroffene oft vor grösseren Schäden bewahren. Ein Beispiel: Verengte Herzkranzgefässe werden mithilfe spezieller, in das Gefäss eingeführter Katheter erweitert, damit die Durchblutung wieder gewährleistet ist.

Jeder vierte Erwachsene in der Schweiz leidet an einem zu hohen Blutdruck.

Ähnliche Verfahren setzt man heute auch bei einem Hirnschlagnotfall ein, sie verbessern in gewissen Fällen die Überlebenschancen deutlich.

Für einen Hirnschlagpatienten bedeutet dies ein Leben mit weniger Folgeschäden oder Behinderungen.

Damit die Lebensqualität von Betroffenen weiter steigt, fördert die Schweizerische Herzstiftung gezielt Forschungsprojekte in diesen Bereichen.

 

Unsere grössten Feinde

Doch gesund bleiben ist nicht nur eine Frage des medizinischen Fortschritts. Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten wir verhindern, wenn wir Risiken früh erkennen und vermeiden würden. Denn die meisten Risikofaktoren hängen mit dem Lebensstil zusammen. In Vorzeiten mussten die Menschen viel körperlichen Einsatz leisten und mit wenig Nahrung auskommen. Darauf sind unsere Gene programmiert. Heute ist es gerade umgekehrt: Wir bewegen uns im Alltag kaum, Nahrung gibt es in Hülle und Fülle, wir sind gestresst und greifen auf zu viel Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol zurück, die uns Wohlbefinden vortäuschen und gesundheitsschädlich sind. Unsere «schlechten» Angewohnheiten sind unsere grössten Feinde geworden. Sie begünstigen erhöhte Blutdruck-, Blutfett-, Blutzuckerwerte und Übergewicht und steigern dadurch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark. Das angenehme Leben hat seine Schattenseiten.

Bluthochdruck – der stille Killer

Jeder vierte Erwachsene in der Schweiz leidet zum Beispiel an einem zu hohen Blutdruck. Viele wissen nicht davon. Der Bluthochdruck gilt als der stille Killer: Man spürt oder fühlt ihn meist nicht, obschon er die Wände der Blutgefässe schädigt und das Herz schwächt. Das kann auf die Dauer zu schwerwiegenden Erkrankungen oder gar einem tödlichen Hirnschlag oder Herzinfarkt führen. Es lohnt sich also, den Blutdruck regelmässig zu messen und ihn im Normalbereich zu halten. Ist er zu hoch, helfen Lebensstilanpassungen. Reichen diese nicht aus, bietet die Medizin eine breite Palette von wirksamen Medikamenten.

Dem Salz an den Kragen

Bewegung, Übergewicht reduzieren, mehr Gemüse und Früchte auf den Speiseplan setzen und aufs Rauchen verzichten, ist das eine. Bluthochdruck wird aber auch durch übermässigen Salzkonsum gefördert. Der durchschnittliche Tageskonsum liegt in der Schweiz bei über neun Gramm Salz; von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen werden jedoch fünf Gramm.

Eine grosse und oft versteckte Menge Salz steckt vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln

Ein Verzicht auf die grosszügige Prise Salz käme also unmittelbar der Gesundheit zugute. Eine erste Massnahme ist ganz einfach: Man verbannt den Salzstreuer vom Tisch. Doch dies genügt leider nicht. Eine grosse und oft versteckte Menge Salz steckt nämlich vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln, insbesondere in Brot, Käse, Fleisch- und Wurstwaren, Suppen und Fertiggerichten.

Unser persönlicher Einfluss auf den Salzkonsum bleibt beschränkt. Eine Reduktion des Salzgehalts in verarbeiteten Produkten, gekoppelt an eine bessere Produktedeklaration auf den Verpackungen, ist deshalb dringend nötig. Hier setzt neben unserer eigenen Verantwortung diejenige weiterer Akteure wie der Politik und der Lebensmittelindustrie ein.

Also: Wir hätten unsere Gesundheit in der Hand. Schauen wir zu unseren Lebensadern und schützen wir damit unsere Gesundheit von Kopf bis Fuss!