Körperliche Beschwerden

Die nicht ansteckende Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Krankheit. In erster Linie erkrankt die Haut, doch nicht nur: Bei zwei von drei Patienten können auch Finger- und Zehennägel betroffen sein, erkennbar an Verformungen, kleinen Dellen, Verfärbungen und Verdickungen.

Rund jeder Dritte muss auch mit einer entzündlichen und daher schmerzlichen Miterkrankung der Gelenke und Sehnen rechnen, der sogenannten Psoriasis-Arthritis. Auch werden einige weitere Begleiterkrankungen mit der Psoriasis assoziiert. In ganz schweren Fällen kann das vielschichtige Leiden die Arbeitsfähigkeit einschränken oder gar zu Invalidität führen.

Hemmungen und Schamgefühle

Bei einer guten und frühzeitigen Behandlung und einer umfassenden Betreuung des gesamten Krankheitsbildes ist dies allerdings sehr selten der Fall. «Die Psoriasis ist eine häufige Erkrankung», sagt Prof. Peter Häusermann, leitender Arzt der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Basel.

In der Schweiz sind rund 200000 Personen betroffen. Erste Symptome können in allen Lebensaltern auftreten. Die Psoriasis kann laut Häusermann einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität haben: «Die persönliche Integrität, das Wohlbefinden der Betroffenen im privaten, persönlichen, sexuellen und beruflichen Umfeld kann stark beeinträchtigt werden und auch zu Hemmungszuständen führen.»

Oft ist nach der Erfahrung von Häusermann nicht so sehr das Ausmass des Befalles der Haut das Problem: Vielmehr können die sichtbar betroffenen Stellen wie Kopfhaut, Hände, Füsse, die Nägel oder der Schambereich dem Patienten sehr zu schaffen machen.

Am häufigsten: gerötete oder silbrig schuppende Stellen

Die allermeisten Betroffenen leiden an einer gewöhnlichen Form, der «Psoriasis vulgaris». Typisch sind hier die runden oder ovalen, scharf begrenzten, geröteten und silbrig schuppenden Stellen an der Hautoberfläche, die am ganzen Körper auftreten können, weshalb diese Form auch «Plaque-Psoriasis» genannt wird.

Die meistbefallenen Orte sind die behaarte Kopfhaut, die Ellbogen und die Kniestreckseiten. Auch die Kreuzbeinregion, der Bauchnabel und die Falte zwischen den Pobacken gehören zu den typischen Lokalisationen.

Eine weit seltenere Form stellt die punktförmige «Psoriasis guttata» dar. Hier sind viele kleine Psoriasisherde zu beobachten. Sie können stark jucken. Typisch ist, dass sie oft nach Infektionen auftreten können. Ebenfalls sehr selten ist die «Psoriasis pustulosa» anzutreffen.

Sie äussert sich durch eitrig gefüllte Papeln auf geröteten Hautstellen. Es kann die gesamte Körperoberfläche befallen sein oder auch nur Handflächen und Fusssohlen oder andere einzelne Stellen.

Individuelle Therapieziele

Gemäss einer grossen Untersuchung mit über 5600 Psoriasis-Patienten in den USA betrug der Anteil der unbehandelten Patienten jeweils etwa ein Drittel bei Patienten mit leichter, mittelschwerer oder schwerer Psoriasis.

Dies ist sehr erstaunlich, denn die Psoriasis mit all ihren Begleitkrankheiten kann bei konsequenter und umfassender Betreuung laut Häusermann gut behandelt, wenn auch nicht geheilt werden. Im Vordergrund steht die Verminderung der Krankheitssymptome.

Dies kann den Betroffenen in den allermeisten Fällen ein möglichst normales Leben erlauben. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heutzutage sehr vielfältig und erlauben individuelle, für die Betroffenen massgeschneiderte Lösungen beziehungsweise Therapieziele, die gemäss Häusermann Arzt und Patient zusammen erarbeiten und formulieren: «Diese sind abhängig von den Wünschen und Ansichten der Patienten sowie den Einschätzungen des Arztes», so Häusermann.

Der erfolgreiche Behandlungsweg ist oft nicht auf Anhieb ersichtlich, sondern muss im Behandlungsversuch erprobt werden, bis die massgeschneiderte Therapie gefunden ist. Somit reagiert jeder Patient anders auf mögliche Therapieformen. «Je nach Psoriasisform und Ausdehnung sowie Alter, Geschlecht (Schwangerschaft!) und Lebensumständen sind unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zu wählen. Sie können teils auch miteinander kombiniert werden», sagt Häusermann.

Das Leiden beherrschen

Bei der Psoriasis ist das Immunsystem in der Haut überaktiviert und führt in Verbindung mit den Hautschichten zu den sichtbaren Veränderungen. In den betroffenen Hautgeweben laufen dadurch vielfältige Entzündungsprozesse ab.

Seit rund 15 Jahren profitieren Patienten, die an mittelschwerer bis schwerer Psoriasis leiden, von sogenannten Biologika. Die Biologika dienen dazu, die Entzündung fördernden Botenstoffe des Immunsystems abzuwehren. Die Biologika machen diese Entzündungsförderer funktionslos oder sie blockieren ihre Bindungsstellen, damit sie keine schädliche Wirkung mehr entfalten können.

Die Erfolgsaussichten der Behandlung mittelschwerer und schwerer Krankheitsverläufe sind stark abhängig vom Befallsmuster und vielen individuellen Faktoren. Mit den Biologika besteht heute gemäss dem Facharzt eine hohe Chance, das Leiden auch bei schwer betroffenenen Patienten gut zu kontrollieren.

Auch Begleiterkrankungen können therapeutisch beeinflusst werden

Laut dem Hautspezialisten treten mit der Psoriasis oft auch andere Störungen und Erkrankungen häufiger als in der gesunden Bevölkerung auf. Besonders hervorzuheben sind Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, starke Übergewichtigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Zusammenhänge werden erforscht.

Schliesslich kommen chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa häufiger vor. Tritt eine Arthritis der Gelenke auf, dann sind die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstärkt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass bestimmte systemische Behandlungen für Psoriasis auch das Herz-Kreislauf-Risiko signifikant senken können.

Wenn einmal eine Psoriasis diagnostiziert ist, dann ist es für Häusermann wichtig, ein Auge auf Begleiterkrankungen zu haben wie beispielsweise die Arthritis: «Wird eine solche diagnostiziert, dann können bei rechtzeitiger Behandlung invalidisierende Spätschäden an den Gelenken verhindert werden.»

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

  • Bei der «lokalen Therapie» erfolgt eine äussere Behandlung mit Formen wie Lotion, Crème, Salbe, Schaum, Pflaster, Shampoo, die jeweils verschiedene Inhaltsstoffe enthalten können. Bei vier von fünf Erkrankten wird das Leiden damit gut in Schach gehalten. Eine rückfettende Hautpflege – auch bei Symptomfreiheit – sollte immer dazugehören.
  • Bei der «Photo-Therapie» werden die betroffenen Stellen mit Licht (UVB) oder gar Laser behandelt. Teilweise wird diese Behandlungsart mit Medikamenten oder Bädern kombiniert. In diesem Falle kann das Licht in den Medikamenten enthaltene Wirkstoffe aktivieren. Als Sonderform ist noch die «Klima-Therapie» zu nennen, welche nicht vom Arzt verschrieben wird. Hierbei wird bei Kuraufenthalten in den Bergen oder am Meer – der Klassiker: das Tote Meer – das Sonnenlicht gezielt zur Behandlung eingesetzt.   
  • Bei der konventionellen «systemischen Therapie» werden Medikamente eingenommen oder gespritzt. Es handelt sich einerseits um klassische seit Jahrzehnten verwendete Wirkstoffe, laut Häusermann sogenannte mittelstarke Medikamente, wie beispielsweise «Neotigason», «Methotrexat» oder «Sandimmun». Hierzu gehören auch neuere sogenannte «kleinmolekulare Stoffe». In diese Gruppe der Tablettentherapie gehören auch neuere Medikamente, sogenannte «Small Molcules», die heute bereits verfügbar oder noch in Entwicklung sind. In besonders schweren Fällen wird heute eine neue Generation von biotechnologisch hergestellten Medikamenten eingesetzt. Es handelt sich um die «Biologika-Therapie». Dabei werden Antikörper mit einem sehr spezifischen Wirkungsmechanismus gegen die psoriatische Entzündung eingesetzt. Es handelt sich gemäss Häusermann um die derzeit wirksamsten Arzneimittel gegen Psoriasis.