Herzen leisten Schwerarbeit. Kein Wunder, dass sie mit steigendem Alter oft nicht mehr problemlos schlagen. Ab 60 kann es Abnützungserscheinungen geben, manchmal sogar bereits in jungen Jahren, aber das mittlere Alter für Herzrhythmus-Störungen liegt bei 75, sagt der Basler Kardiologie-Professor Christian Sticherling: «Das Herz schlägt langsamer, die typischen Symptome sind Schwindel, Ohnmachtsanfälle, Müdigkeit.»

Oder die älteren Leute leiden an einer Herzschwäche; die Leistung des Herzens erweist sich als deutlich eingeschränkt, möglicherweise pumpt es nur noch halb so viel Blut wie nötig, um die Organe zu versorgen. Das erhöht das Risiko für Beschwerden, es kann zu Herzrhythmusstörungen führen, zu Wasser auf der Lunge, zu Atemnot.

«In absehbarer Zukunft, werden die Herzschrittmacher keine Kabel mehr benötigen. Forschung und Entwicklung scheinen vielversprechend»
Manchmal schreiben ältere Leute diese Beschwerden anderen Gründen zu. Aber bei der Untersuchung werden alle diese Symptome sorgfältig abgeklärt. Ein Elektrokardiogramm (EKG) wird angefertigt, und wenn es trotz des langsameren Herzschlags unauffällig aussieht, gibt es ein Langzeit-EKG von 24 Stunden.

Sind alle anderen möglichen Erkrankungen sicher auszuschliessen, erhalten diese Patienten in einem relativ unkomplizierten Eingriff bei lokaler Betäubung durch Kardiologen, nicht durch Herzchirurgen, einen Herzschrittmacher, der sie von ihren Beschwerden befreit.

Sie können ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen; oft dürfen sie nun auf einige ihrer Medikamente verzichten. Sie bekommen einen Herzschrittmcherausweis, den sie vor Ferienreisen am Flughafen den Sicherheitsleuten vorweisen.

Stimulation

Vor genau 55 Jahren implantierte der schwedische Herzchirurg Åke Senning in Stockholm zum ersten Mal einen Herzschrittmacher. «Der Patient hat Senning überlebt», berichtet Sticherling. Senning, der 1969 am Universitätsspital Zürich die ersten Herztransplantationen der Schweiz durchführte, starb im Jahr 2000.

Das heisst nicht etwa, dass die Herzschrittmacher ewig halten, erklärt der Kardiologe. Sie müssen in der Regel alle neun Jahre ersetzt werden, weil die Batterie aussteigt. Noch kann man sie nicht von aussen neu aufladen. Die damit verbundenen Elektroden sind jedoch sehr zuverlässig und bleiben im Herzen.

Es gibt drei Modelle, alle so klein und dünn wie ein Fünfliber, die auf der linken Körperseite über dem Brustmuskel unter die Haut eingeführt werden. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend, indem sie mit einem, zwei oder – seltener und meist nur bei Herzschwäche – mit drei Elektroden verbunden sind, die durch die Schlüsselbein-Vene in die entsprechenden Herzkammern eingesetzt werden.

«Unser Ziel bei Herzschwäche ist es, das Herz durch die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) ständig zu stimulieren », sagt Sticherling. «Bei den anderen Patienten lautet unser Ziel, so oft wie möglich so wenig wie möglich zu stimulieren.»

Die sorgfältig isolierten Kabel arbeiten nach Mass. Sie sind genau auf die individuellen Herzrythmusstörungen programmiert. Setzt nur gelegentlich ein Schlag aus, tritt die Elektrode erst dann in Aktion. Die häufigste Störung ist ein AV-Block: Die Überleitung von der oberen zur unteren Herzkammer funktioniert nicht mehr. Das Kabel wartet 200 Millisekunden, denn so lang dauert die Überleitung.

Wenn diese ausbleibt, setzt die Stimulation ein. Ältere Patienten leiden oft an einer Sinusknoten-Dysfunktion. «Unser körpereigener Taktgeber im Herzen ist der Sinusknoten in der oberen rechten Herzkammer», so Sticherling. «Bei älteren Menschen erschöpft er sich, und die Funktion wird von der Elektrode übernommen.»

Zukunft

4500 neue Herzschrittmacher wurden 2012 in der Schweiz eingesetzt, in 74 Herzzentren mit 50 Herzkatheterlabors. 70 Prozent enthielten zwei Kabel, nur 170 Stück deren drei. Aber im Kinderspital Zürich erhielten allein 2012 auch 15 Kinder diese Vorrichtung.

Bei ihnen werden die Kabel auf der Oberfläche des Herzens befestigt, denn sie wachsen nicht mit, und auch bei Kindern muss der Herzschrittmacher gelegentlich ersetzt werden. Bei erwachsenen Patienten werden die Kabel nach Möglichkeit nicht entfernt, sondern nur das Implantat unter der Brusthaut. Sticherling: «Es ist einfacher, ein Kabel zu implantieren als es wieder zu entfernen.»

In absehbarer Zukunft, hofft der Kardiologe, werden die Herzschrittmacher keine Kabel mehr benötigen. Forschung und Entwicklung scheinen vielversprechend. Das Herz wird dann auf die Impulse reagieren, die vom Sender ausgehen, der noch immer etwa so gross wie ein Fünfliber ist und unter die Haut implantiert wird.