Die Therapie bei Schuppenflechte wird individuell ausgewählt. Wonach entscheidet sich das beziehungsweise welche Faktoren (medizinische und persönliche) werden berücksichtigt?

Das geschieht in der Tat sehr individuell. Denn, es gibt Patienten, die haben eine minimale Erkrankung und fühlen sich sehr beeinträchtigt, und es gibt andere Patienten, die sind stark erkrankt und fühlen sich wenig dadurch gestört.

Darum ist es das Allerwichtigste, die Erwartungshaltung des Patienten zu kennen: Was will der Patient, welchen Therapieerfolg strebt er an, beziehungsweise welchen Aufwand will er dafür treiben? Dies ist eine ganz spannende Phase. Medizinisch gesehen gibt es zwei bis drei seltene, aber wichtige Situationen, wo eingegriffen werden muss.

Es handelt sich um die Varianten mit schwerem Gelenksbefall sowie eine Variante mit sogenanntem erythrodermatischem Befall. Letzteres ist eine akut verlaufende Erkrankung, bei der die Patienten sich aufgrund des grossen Leidensdruckes automatisch behandeln lassen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Erwartungen an eine Therapie vom behandelnden Arzt und Patienten oft ganz gewaltig auseinandergehen, was zu Unzufriedenheit führen kann. Wie kann man dem entgegenwirken?

Hier hilft eine gute Kommunikation. Diese ist das A und O und muss einfach gut klappen. Es gilt wirklich, die Wünsche des Patienten herauszufinden. Bisweilen muss dies auch ganz subtil und mehrfach erfolgen.

Die Fragen müssen oft auch verschieden formuliert werden. Es gilt hinzuhören, die Körpersprache zu beobachten, zu beachten, was geschah, und zu erkunden, warum eine frühere Therapie nicht gewirkt hat. Vor allem in ein Erstgespräch sollte sehr viel investiert werden. Dies ist eine sehr schöne Aufgabe und ganz zentral für unseren Beruf.

Es gilt herauszufinden, was an der Haut hängt! Den Patienten muss auch Zeit gegeben werden. Ich versorge sie nach Bedarf mit Informationen, die sie zu Hause studieren und besprechen können. In einer zweiten oder dritten Runde können dann weitere Fragen geklärt werden. 

Welche Möglichkeit haben Patienten, selbst positiv auf den Therapieerfolg und ihre Lebensqualität einzuwirken?

Ich finde es ganz wichtig, wenn sich der Patient bereits vorinformiert hat. Dies bedeutet auch, dass er sich emotional vorbereitet hat. Das bedeutet, dass er schon etwas über die Erfolgsaussichten, Risiken und Nebenwirkungen der Behandlungsmöglichkeiten Bescheid weiss.

Dann kann er besser abschätzen, welcher Aufwand für ihn wichtig ist, beispielsweise bei der Lichttherapie, für die er über eine gewisse Zeit jeweils in die Praxis muss. Wenn der Patient über verschiedene Dinge schon vorgedacht hat, dann macht dies das Behandlungsgespräch für alle viel erfolgreicher.

Wichtig ist auch, dass er auf die Begleitfaktoren, auf die ich hinweise, wie Übergewicht, Rauchen, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen, achtet und mit ärztlicher Hilfe dafür sorgt, diese einzuschränken. Das hilft auch, die Lebensqualität zu verbessern und den Schweregrad der Psoriasis einzudämmen.

Was bedeutet proaktive Behandlung?

Wenn der Patient selbst aktiv etwas zur Behandlung oder Gesunderhaltung beitragen möchte, dann ist es ganz wichtig, dass er schon Vorinformationen hat.

Es ist bekannt, dass bei einem Erstgespräch nur rund die Hälfte beim Patienten hängen bleibt. Mit einer aktiven Vorinformation kann dies deutlich verbessert werden. Patienten haben ja oft Angst vor dem ersten Gespräch.

Wenn sie aber ihre Bedürfnisse schon etwas vorformulieren und sich vorbereiten konnten, dann ist das Gespräch viel erfolgreicher und für den Patienten gewinnbringender – speziell in der Dermatologie, aber auch in anderen Gebieten der Medizin. Der Patient ist der Co-Pilot und ohne ihn kann der Flieger nicht fliegen beziehungsweise die Therapie nicht funktionieren!

Dies ist auch wichtig für den Therapieerfolg?

Ja, absolut!

Wie kann sich der Patient vorbereiten, welche Möglichkeiten hat er?

Wichtig ist, dass er sich im Familienkreis ausspricht oder auch mit Betroffenen im Freundeskreis. Er kann sich zudem aus der Presse oder aus anderen Informationskanälen informieren, beispielsweise Selbsthilfegruppen oder Vereinigungen wie die Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft (SPVG).

Auch von mir erhält er natürlich Informationen. Ich sage den Patienten oft, wenn es um die Wahl der Therapie geht: «Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung!»

Was können unterschiedliche Therapieziele sein?

Dort, wo sich Betroffene sehr stark gestört fühlen, beispielsweise an sichtbaren Stellen oder im Schambereich, sollte aggressiver versucht werden, das Leiden zu behandeln.

Oft möchten Patienten einfach selbstständig bleiben und nur das Schlimmste verhindern und sie sind schon mit einer leichten Behandlung zufrieden und fühlen sich sonst nicht weiter durch ihre Psoriasis gestört. Ganz aggressiv sollte die Therapie bei einer Gelenksbeteiligung ausfallen, um Spätschäden oder gar eine Invalidität zu verhindern.

Check-Liste für das Gespräch mit ihrem Dermatologen

Vor dem Gespräch

  • Denken Sie über Ihre persönlichen Ziele und Ihre Erwartungshaltung nach. – Möchten Sie Ihre Symptome vollständig behandeln oder sind Sie zum Beispiel schon mit einem Rückgang der Symptome von Schuppenflechte im sichtbaren Bereich zufrieden?
  • Bereiten Sie Fragen vor, die Sie Ihrem Arzt stellen möchten.
  • Schreiben Sie auf, welchen Einfluss Psoriasis im Laufe eines Tages, einer Woche, eines Monats oder eines Jahres auf Ihr Leben hat. 
  • Nehmen Sie ein Notizbuch und einen Stift mit, um mitschreiben zu können.

Während des Gesprächs

  • Notieren Sie die Antworten des Arztes wie Diagnose und Therapievorschläge.
  • Notieren Sie den Zeitplan der Therapie sowie die Therapieziele.
  • Versuchen Sie, während Ihrer Behandlung so offen und ehrlich wie möglich über Ihre Erkrankung und Ihre Gefühlslage zu sprechen.
  • Haben Sie keine Angst, Fragen zu stellen oder alternative Behandlungsmöglichkeiten anzusprechen und zu diskutieren.
  • Fordern Sie weiterführende schriftliche Unterlagen zum Medikament an.

Nach dem Gespräch

  • Planen Sie einen Kontrolltermin, um Ihre Fortschritte mit dem Arzt zu besprechen.
  • Notieren Sie Beobachtungen zur Verträglichkeit und Wirksamkeit der Behandlung, einschliesslich der Verbesserungen Ihrer Symptome, Ihrer Gefühlslage und Ihres alltäglichen Lebens.
  • Notieren Sie alles, was Sie beunruhigt und Sie mit dem Arzt besprechen möchten.
  • Behalten Sie Ihre Ziele im Blick.