«Wir wissen heute relativ genau, wie die Psoriasis entsteht. Dadurch können wir sehr viel gezielter therapieren», sagt der Dermatologe Prof. Alexander Navarini.

Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten ist man dem anzustrebenden Ziel der absoluten Beschwerde- und Symptomfreiheit bei Patienten mit Plaquepsoriasis so nahe wie noch nie. «Das Behandlungsziel und die Therapie werden individuell mit dem Patienten zusammen festgelegt», betont Navarini.

«Die Wahl der Behandlung muss aufgrund des Befallmusters und des Schweregrades der Erkrankung sehr sorgfältig erfolgen. Zudem muss der Patient über Wirkmechanismus und Nebenwirkungsprofil eines jeden Präparates informiert werden»

Ziel ist es, die betroffene Fläche so stark wie möglich zu reduzieren. «Eine rückfettende Hautpflege ist die Grundlage der Behandlung. Danach kommt in der Regel eine lokale Kortisontherapie, welche mit Vitamin D3 kombiniert wird, zum Einsatz», so der Dermatologe. Wenn die Lokaltherapie nicht genügt, wird zusätzlich eine Lichttherapie angewendet.

Führt auch diese Therapiemassnahme nicht zum gewünschten Erfolg, kommt eine Systemtherapie zum Einsatz. Methotrexat, Cyclosporin und in der Schweiz nicht zugelassene Fumarsäureester haben sich in der Behandlung als sehr wirksam erwiesen.

Diese Substanzen hemmen vor allem diejenigen Anteile des körpereigenen Abwehrsystems, die bei der Schuppenflechte für die Entzündungsreaktion verantwortlich sind. Wenn alle Therapieoptionen versagt haben, kommen schliesslich Small molecules oder Biologics zum Zug.

Small molecules sind sehr kleine, künstlich designte Moleküle, die in eine Vielzahl von Zellen eindringen können und in Tablettenform eingenommen werden. Dabei hemmen sie die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen durch die Entzündungszellen.

Biologics werden unter die Haut gespritzt und unterdrücken das Immunsystem, indem sie gezielt in die fehlgeleitete Reaktion der körpereigenen Abwehr eingreifen. «Zudem blockieren sie bestimmte Botenstoffe, durch welche die Entzündung ausgelöst und gefördert wird.

Sie unterbrechen so den Entzündungsprozess und können die Psoriasis langfristig kontrollieren», erklärt Prof. Navarini. Bei der Entscheidung für ein Medikament berücksichtigen wir die Wünsche und Bedürfnisse des Patienten, die kurz- und langfristige Sicherheit und Wirksamkeit des Medikaments und den Schweregrad der Krankheit.

 

Neue Medikamente bei Psoriasis-Arthritis

Etwa jeder fünfte Schuppenflechtepatient leidet an einer Psoriasis-Arthritis. «Die medikamentösen Behandlungsoptionen der Psoriasis-Arthritis wurden sowohl auf dem Gebiet der Antirheumatika als auch bei den Biologika entscheidend erweitert», sagt der Rheumatologe Dr. Adrian Ciurea.

Ein neues Antirheumatikum wirkt entzündungshemmend durch die Hemmung eines bestimmten Enzyms in Immunzellen, was zu einer verminderten Bildung und Ausschüttung verschiedener Botenstoffe führt. «Die Vorteile von diesem Antirheumatikum sind, dass es nicht gespritzt werden muss, sondern als Tablette eingenommen werden kann, und dass es nicht nur auf den Befall der Gelenke wirkt, sondern auch die Entzündungen im Bereich von Sehnenansätzen hemmen kann», sagt Dr. Ciurea.

Aus der Klasse der Biologika, zeigten bisher nur die TNF-Hemmer Wirkung bei Psoriasis-Arthritis. Zwei neue Biologika welche andere Botenstoffe hemmen, wirken ebenfalls sowohl auf den Befall der Gelenke, der Sehnenansätze und auch auf Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule.

«Die Wahl der Behandlung muss aufgrund des Befallmusters und des Schweregrades der Erkrankung sehr sorgfältig erfolgen. Zudem muss der Patient  über Wirkmechanismus und Nebenwirkungsprofil eines jeden Präparates informiert werden», betont der Rheumatologe abschliessend.