Das trockene Auge – auch als Sicca-Syndrom bezeichnet – ist eine der häufigsten Augenerkrankungen und etwa 20 Prozent der Patienten, die zum Augenarzt gehen, leiden daran. «Ein trockenes Auge entsteht, wenn die Bindehaut und die Hornhaut nicht mehr mit ausreichend Tränenflüssigkeit benetzt werden. 

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Es wird nicht mehr genügend Tränenflüssigkeit produziert, die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit hat sich verändert oder die Lidschlagfrequenz ist gesunken», sagt der Augenarzt Dr. Theo Signer. Entscheidend für ein gesundes Auge ist der Tränenfilm.

Jeder kann seinen Beitrag leisten, um trockene Augen vorzubeugen

Dieser besteht aus drei Komponenten: Direkt auf der Hornhautoberfläche liegt die schleimhaltige Muzinschicht, die feine Unebenheiten ausgleicht und der Tränenflüssigkeit Halt gibt. Mit der Muzinschicht verbunden ist die wässrige Schicht, der eine fetthaltige Schicht (Lipidschicht) aufliegt. So wird die Verdunstung der Tränenflüssigkeit verhindert und das reibungsfreie Gleiten des Lides ermöglicht. Mit jedem Lidschlag (circa alle 10 bis 15 Sekunden) wird der Tränenfilm über die Hornhautoberfläche verteilt.

«Wenn dieser Film in seiner Zusammensetzung gestört ist, kommt es zu Benetzungsstörungen der Augenoberfläche. Das Auge wird gereizt und qualitativ schlecht befeuchtet», erklärt Signer. 

Der in seiner Zusammensetzung gestörte Tränenfilm reisst dann stellenweise auf der Hornhautoberfläche auf und macht die typischen Symptome. «Ein trockenes Auge macht sich auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar. Meistens haben die Patienten ein Fremdkörpergefühl, verstärkten Tränenfluss bei Wind und Lichtwechsel, verschwommenes Sehen, chronische Rötungen sowie geschwollene Lider oder Lidränder.»

Trockene Augen können verschiedene Ursachen haben

Trockene Augen haben multifaktorielle Ursachen: «Das Sicca-Syndrom ist bei älteren Menschen weiter verbreitet als bei jüngeren, da mit zunehmendem Alter die Tränenproduktion sinkt. Zudem sind Frauen häufiger betroffen, da Veränderungen der weiblichen Geschlechtshormone das Risiko für trockene Augen erhöhen. Ebenso können Medikamente wie Betablocker oder Psychopharmaka trockene Augen begünstigen.

Auch internistische Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes können Ursache des Sicca-Syndroms sein. Häufig sind trockene Augen auch auf äussere  Einflüsse zurückzuführen. Eine besondere Bedeutung hat hier sicherlich das sogenannte Office-eye-Syndrom.

Wer zu konzentriert auf seinen Bildschirm starrt und selten blinzelt, dessen Augen werden nicht mehr ausreichend mit Feuchtigkeit benetzt. Zudem können trockene Heizungsluft oder der Luftzug von Klimaanlagen im Büro trockene Augen zur Folge haben», erklärt der Augenarzt. 

Trockene Augen sind zwar harmlos, müssen jedoch unbedingt behandelt werden, damit sie keine Folgeschäden nach sich ziehen. «Chronische Trockenheit der Augen kann dazu führen, dass sich die Lidränder verdicken und dadurch gewisse Komponenten des Tränenfilms nicht mehr richtig produziert werden.

Das wiederum kann zur chronischen Trockenheit der Hornhaut führen und Narben auf der Hornhaut hinterlassen. Diese Hornhautveränderungen haben einen direkten Einfluss auf das Sehen», so Theo Signer. Die Behandlung erfolgt mit künstlichen Tränen. Diese Substanzen bilden einen feinen Film auf der Augenoberfläche und bewahren das Auge vor dem Austrocknen. 

Als weitere Therapieoption sollte man den Lidrand behandeln, da dieser bei trockenen Augen auch häufig mitbeteiligt ist. «Im Unter- und Oberlid hat man eine Anzahl Drüsen, die eine wichtige Komponente des Tränenfilmes produzieren. Mit einer Lidrandhygiene werden die Kanäle der Drüsen befreit, welche dafür zuständig sind, einen Lipidfilm über den Tränenfilm zu legen. 

Damit bleiben diese Ausführgänge schön durchlässig und das Sekret kann abfliessen», So Dr. Theo Signer. Zudem kann auch jeder seinen eigenen Beitrag leisten, um trockenen Augen vorzubeugen: «Viel trinken, Zigarettenrauch meiden, regelmässig an die frische Luft und während der Bildschirmarbeit immer wieder bewusst blinzeln.»