Seit kurzem weiss man, dass mit einer frühen Therapie der Verlauf von IBD deutlich beeinflusst werden kann. Bei länger andauernden Bauchschmerzen und Durchfall sollten deshalb entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden.

Oft dauert es Monate, wenn nicht Jahre, bis in der Schweiz die Diagnose Morbus Crohn gestellt wird. Zu diesem Resultat kamen die beiden Gastroenterologen Stephan Vavricka und Alain Schoepfer.

Wenn jemand an Morbus Crohn leidet, richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen gesunde Zellen des ganzen Magen-Darm-Trakts und löst Entzündungen aus. Für ihre Analyse im Rahmen einer IBD-Kohortenstudie werteten Vavricka und Schoepfer Daten von rund 1600 Patienten aus.

«Dass es bei Morbus Crohn zu Verzögerungen bei der Diagnosestellung kommt, haben wir zwar vermutet, belegen konnten wir es allerdings bis jetzt nicht», sagt Vavricka. Bei einer anderen Form von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa wird die Diagnose in der Regel viel rascher gestellt.

Das, so Vavricka, habe in erster Linie mit den deutlicheren Beschwerden zu tun. Die Colitis ulcerosa manifestiert sich typischerweise durch häufigen flüssigen Durchfall mit starken Blutbeimengungen, während sich Morbus Crohn durch Beschwerden bemerkbar macht, die auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können.

Unnötiges Leiden vermeiden

Bei Verdacht auf eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung untersucht der Facharzt den Magen-Darm-Trakt mittels einer Spiegelung und entnimmt gleichzeitig Gewebeproben. Viele Patienten empfinden eine Darmspiegelung aber als relativ unangenehm. Eine Alternative dazu könnte ein Test sein, der Calprotectin im Stuhl nachweisen kann, ein Eiweiss, das in hohen Konzentrationen in Entzündungszellen vorkommt, also auch bei IBD.

Kürzlich ergab eine zusammengefasste Auswertung von 13 Studien mit 670 Erwachsenen und 371 Kindern, dass Calprotectin im Stuhl in über 90 Prozent der Fälle richtig anzeigte, ob jemand unter einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leidet. «Je früher eine IBD diagnostiziert werden kann, umso besser ist dies für die Patienten», betont Vavricka.

Das vermeide unnötiges Leiden für die Betroffenen, die wegen der Erkrankung im Alltag oft stark eingeschränkt sind. «Nur wenn wir in der Lage sind, herauszufinden, woran es bei der Versorgung von IBD-Patienten hapert, können wir gezielt dafür sorgen, dass sich die Situation verbessert.»

Der Schweizerische Nationalfonds, der die Swiss IBD-Kohortenstudie finanziert hat, fordert denn auch von den beteiligten Wissenschaftlern, dass diese nicht nur auf neue Erkenntnisse fokussieren, sondern insbesondere die Versorgung der Patienten optimieren.