Solange sie funktionieren, nehmen wir sie kaum wahr: Unsere Hände. Sie sind als unser wichtigstes Werkzeug ständig im Einsatz, meistens über viele Jahre ohne Probleme. Aber sie sind nicht unzerstörbar.

«Es handelt sich um ein hochkomplexes Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Sehnen, vergleichbar mit einer hochwertigen feinmechanischen Uhr», erklärt Chirurg und Handspezialist Dr. Enrico Pöschmann.

Leider hätten die meisten Menschen für ihre Hände kein grosses Bewusstsein. «Auf eine teure Uhr passen sie meistens besser auf.»

Häufige Leiden

Ist das komplexe Wunderwerk Hand gestört, kommt es zu Beschwerden und Bewegungseinschränkungen. Viele Patienten suchten den Arzt jedoch zu spät auf, sagt Pöschmann, mit der Folge, dass die Krankheit sich verschlimmere oder sogar chronisch werde.

Die weitaus häufigste Erkrankung an der Hand sind Sehnenscheidenentzündungen. «Hier ist aber in der Regel keine Operation notwendig.» Meistens sei bereits eine Ergotherapie erfolgreich.

In seiner Praxis führt Pöschmann häufig Operationen von Karpaltunneln durch. Beim so genannten CTS (Karpaltunnelsyndrom) handelt es sich um eine Verengung im Hohlhandtunnel, durch den die Fingerbeugesehnen und der Hauptnerv laufen.

Das kann sich durch eingeschlafene und kribbelnde Finger äussern und zu einer Problematik in der Feinmotorik führen. Der Nerv kann dann ambulant operativ «befreit» werden.

Eine weitere häufige Erkrankung ist der Morbus Dupuytren, der sich durch das Einziehen der Finger, meistens den vierten und fünften, bemerkbar macht. Die Finger können aufgrund eines entzündlichen Bindegewebes nicht mehr vollständig gestreckt werden.

Zu den Ursachen laufen die Forschungen laut dem Experten derzeit auf Hochtouren. «Mittlerweile geht man davon aus, dass eine genetische Veranlagung vorliegt.» Durch eine Operation wird das erkrankte Gewebe entfernt.

Neue Behandlungsmethode

Gerade bei Morbus Dupuytren habe sich als Alternative zur Operation eine Injektionstherapie bewährt, die aber ausschliesslich von Spezialisten durchgeführt werden dürfe, erklärt Pöschmann.

Vor allem älteren Patienten, die häufig von der Krankheit betroffen sind, werde so eine Operation erspart. Bei den Medikamenten handele es sich um Enzympräparate, die narbige Strukturen und verändertes, entzündliches Gewebe auflösen können. «Meistens lassen sich die fesselnden Stränge damit komplett auflösen, so dass die Finger dann wieder frei beweglich sind.»

Wenn sich der Finger nur schwer krümmen lässt und plötzliche schnellende Bewegungen nach vorne oder hinten macht, liegt wahrscheinlich ein Triggerfinder, auch Schnappfinger genannt, vor.

Die Ursache ist eine Entzündung der Beugesehne, die dann nicht mehr durch das Ringband passt, das sie umgibt. Im Rahmen einer kleinen ambulanten Operation unter lokaler Betäubung kann in diesem Fall das Ringband durchtrennt werden.