Schon gewusst?

  • Eine Hepatitis-C-Therapie führt in fast 100 Prozent der Fälle zu einer Heilung.
  • Mit einer Hepatitis-B-Impfung ist man lebenslänglich vor einer Ansteckung geschützt.
  • Mit einer unsachgemässen Tätowierung oder Maniküre kann man sich mit Hepatitis B und C anstecken.
  • Hepatitis B ist auch eine Geschlechtskrankheit.
  • Man kann mit Hepatitis B oder C infiziert sein, auch wenn man nichts davon spürt.

Herr Bruggmann, erklären Sie kurz, was mit Hepatitis gemeint ist.

Hepatitis ist der Fachbegriff für eine Leberentzündung. Sie kann durch Viren, Alkohol, Medikamente und vieles mehr verursacht werden.

Weshalb ist Hepatitis C besonders relevant?

An den Folgen von Hepatitis C sterben in der Schweiz pro Jahr mindestens fünfmal mehr Personen als an denjenigen von HIV. Es sind also die Folgeerkrankungen, auch ausserhalb der Leber, die Hepatitis C für die öffentliche Gesundheit relevant machen, zusammen mit der Tatsache, dass die Versorgung beim Testen und beim Zugang zur Therapie nach wie vor ungenügend ist.

Wie merke ich, ob ich von einer Hepatitis C betroffen bin?

Viele Betroffene klagen über mehr oder weniger ausgeprägte Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten oder Bauch- und Verdauungsbeschwerden. Nicht selten bemerken die Patienten erst unter oder nach der Therapie, wenn es ihnen anhaltend besser geht, dass die Müdigkeit nicht eine Alterserscheinung, sondern durch Hepatitis C bedingt war.

Wer sollte sich wann testen beziehungsweise untersuchen lassen?

Testen lassen sollte sich unter anderem, wer irgendwann einmal Drogen injiziert oder gesnifft hatte oder wer sich unter zweifelhaften Umständen tätowieren liess. HIV-positive Männer, die mit Männern ungeschützten Sex haben, sollten sich ebenfalls testen lassen.

Neuste Studien des Bundesamts für Gesundheit zeigen, dass bei der Hälfte der in jüngerer Zeit diagnostizierten Hepatitis C-Fällen die Ansteckungsquelle unbekannt war. In der Schweiz sind die Jahrgänge 1950 bis 1985 überdurchschnittlich häufig betroffen, es ist also nicht verkehrt, bei einem Check-up oder bei einer Darmkrebsuntersuchung, wenn sowieso Blut genommen wird, einen Hepatitis-C-Test machen zu lassen.

Was genau passiert bei einer Infektion mit Hepatitis C?

Steckt sich jemand mit dem Hepatitis-C-Virus an, spricht man in den ersten sechs Monaten von einer akuten Infektion. Dabei kann das Virus von der betroffenen Person in einem von fünf Fällen spontan mit dem eigenen Abwehrsystem eliminiert werden. Bei vier von fünf Patienten bleibt das Virus aber im Blut, es ist dann von einer chronischen Hepatitis C die Rede.

Nebst einer Entzündung und Vernarbung der Leber, die bis zu einer Leberzirrhose führen kann, kann Hepatitis C auch zahlreiche Folgen ausserhalb der Leber haben: Zuckerkrankheit, Herzkreislauf- und Nierenerkrankungen, bösartige Tumorleiden und Hautkrankheiten sind mögliche Konsequenzen.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen den Patientinnen und Patienten heute zur Verfügung?

Hepatitis C kann heute mit einer einfachen, gut verträglichen Medikamentenkombination, die in Form von einer bis drei Tabletten pro Tag über acht bis zwölf Wochen eingenommen wird, bei mehr als 95 Prozent der Patienten geheilt werden. Gravierende Nebenwirkungen sind keine bekannt.

Es stehen mehrere verschiedene Kombinationstherapien zur Auswahl, die bei jedem Patienten von der Grundversicherung bezahlt werden müssen. Vielen Patienten geht es bereits unter Therapie deutlich besser, wenn die Symptome zusammen mit den Viren verschwinden.

Inwiefern gibt es einen Zusammenhang zwischen Hepatitis C und sexuell übertragbaren Krankheiten?

Die sexuelle Ansteckung bei Hepatitis C ist selten, da Hepatitis C nur von Blut zu Blut, aber nicht über reinen Schleimhautkontakt übertragen wird. Etliche sexuelle Ansteckungen wurden in den letzten Jahren bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, beobachtet.

Müssen alle Patienten, die an Hepatitis C leiden, behandelt werden?

Heute wird jedem Patienten mit einer Hepatitis C eine Behandlung empfohlen. Mit einer frühzeitigen Therapie können gravierende Folgen verhindert werden und die Gefahr einer Weiterverbreitung des Virus wird gestoppt.

Wer kommt für die Behandlungskosten auf?

Die Therapie muss bei jedem Patienten durch die Grundversicherung übernommen werden.

Einzige Einschränkung ist, dass die Therapie nur Spezialisten verschreiben dürfen, was aufgrund der Entwicklung in den letzten Jahren zu einer einfachen und sicheren Therapie medizinisch keinen Sinn mehr macht. Das ist eine rein wirtschaftliche Einschränkung.