Dr. Barandun, Sie sind Spezialist für Lungenkrankheiten. Warum ist COPD kaum bekannt, obwohl sie die Volkskrankheit mit der höchsten Steigerungsrate ist?

Leider rauchen gerade jetzt junge Frauen wieder vermehrt, weil es ihnen bei der Gewichtskontrolle hilft

Weil die Symptome erst spät im Krankheitsverlauf auftreten.

In medizinischen Kreisen nennen wir es das «AHA-Symptom»: Atemnot, Husten, Auswurf.

Dann allerdings ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten.

Wir Pneumologen bitten darum alle Hausärzte, ihre 45-jährigen rauchenden Patienten und Ex-Raucher einem Lungenfunktionstest zu unterziehen.

Behindert der mangelnde Bekanntheitsgrad die Finanzierung der Forschung?

Das nicht. Die Pharma-Industrie hat in den letzten zehn Jahren festgestellt, dass die Erkrankungen zunehmen, was kommerzielle Chancen am Medikamentenmarkt mitbringt.

Gemäss WHO soll die COPD 2020 dritthäufigste Todesursache sein. Jeder vierte Erwachsene wird im Lauf seines Lebens daran erkranken. Lässt sich diese Entwicklung überhaupt aufhalten?

Die Entwicklung lässt sich nur bremsen, aber nicht aufhalten. Wer nach 20 Jahren mit Rauchen aufhört, kann die Erkrankung nicht mehr stoppen.

Wie spürt man erstmals, dass man an COPD leidet?

Wenn man beim Treppensteigen leichte Atemnot verspürt oder sich ein chronischer Husten einstellt. Viele reden sich ein, das sei das Alter. Leider ist dies bereits ein Zeichen eines mittelschweren oder fortgeschrittenen Stadiums. Man kann sehr lang symptomfrei leben.

Das verloren gegangene Lungengewebe kann ja nicht ersetzt werden. Wie behandeln Sie COPD?

Erstens: Rauchstopp. Zweitens: tägliche Inhalationsmedikamente. Diese Substanzen bekämpfen die Entzündung und erweitern die verengten Atemwege. Aber eben: Heilbar ist COPD nicht. Darum muss das Informationsmanko vor allem bei Jugendlichen behoben werden. Leider rauchen gerade jetzt junge Frauen wieder vermehrt, weil es ihnen bei der Gewichtskontrolle hilft.

Wenn man dann selbst im Sitzen schon Atemnot verspürt, ist man überhaupt noch arbeitsfähig?

Meist nicht mehr. Hat das Rauchen so viele Lungenbläschen zerstört, dass der Sauerstoffgehalt aus der Luft die Organe nicht mehr genügend versorgt, benötigt man zusätzlich Sauerstofft mittels eines entsprechenden Geräts.

Verschlimmert die Luftverschmutzung die Krankheit?

Das wird überschätzt. Das ist wohl der Schutzmechanismus des Rauchers, der sich einredet, sein Husten könne ja nicht allein vom Tabakkonsum stammen. Leider ist es aber so, dass ein Päckli Zigaretten an einem Tag 1'000 x schädlicher ist als ein Tag an einer verkehrsreichen Strasse, da die Luftverschmutzung in der Schweiz keinen relevanten Einfluss hat.